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pte20120220023 Umwelt/Energie, Kultur/Lifestyle

Shrimps haben gigantischen CO2-Fußabdruck

100 Gramm Garnelen entsprechen Verbrennung von 90 Litern Benzin


Shrimps: Umweltkosten deutlich über Marktpreis (Foto: Flickr/DinnerSeries)
Shrimps: Umweltkosten deutlich über Marktpreis (Foto: Flickr/DinnerSeries)

Vancouver (pte023/20.02.2012/13:55) - Der Genuss eines Shrimpscocktails kommt dem Planeten Erde teuer zu stehen: Der CO2-Fußabdruck von 100 Gramm des winzigen Party-Hinguckers ist so groß wie die Verbrennung von 90 Litern Benzin. Ins Gewicht fällt dabei, dass für die Anlage von Garnelenfarmen vielerorts Mangrovenwälder vernichtet werden, sofern es sich nicht um nachhaltige Produktion handelt. Zahlen dazu haben Ökologen der Oregon State University in Corvallis http://oregonstate.edu soeben beim Jahrestreffen der "American Association for the Advancement of Science" http://aaas.org geliefert.

Cocktail als Klimakiller

Vor allem in Mittel- und Südamerika sowie in Asien werden Mangrovenküsten zunehmend abgeholzt und in Garnelenfarmen umgewandelt. Mangroven erkennt die Ökologie zunehmend als kostbare Nutzpflanze, die unzähligen Tierarten Lebensraum und dem Menschen Schutz vor Flutwellen bietet (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20101108004 ). Zusätzlich sind jedoch Böden unter Mangrovenwäldern auch hervorragende CO2-Speicher: Wandelt man die Wälder in Garnelenfarmen um, werden laut den aktuellen Berechnungen 401 Tonnen Kohlenstoff bzw. 1.472 Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Hektar frei.

Lagt man auf Mangroven-Gründen eine Garnelenfarm an, kann sie im Schnitt bloß fünf Jahre lang bewirtschaftet werden, ehe die Anhäufung von Bodenschlamm und giftigen Sulfaten in den Becken weitere Garnelenzucht unmöglich machen. In dieser Zeit erwirtschaftet ein Farmer durchschnittlich 1.659 Kilogramm Garnelen. Ein 100-Gramm-Shrimpscocktail setzt somit 198 Kilogramm CO2 allein durch den Mangrovenverlust frei. Shrimps ist somit zehnmal Kohlenstoff-intensiver als Rindfleisch aus gerodetem Amazonas-Regenwald, weshalb die US-Forscher die Garnelenzucht mit der Regenwald-Brandrodung vergleichen.

Einbindung in CO2-Handel fehlt

Die Umweltfolgen der Energie für das Füttern, Verarbeiten und den Transport der Garnelen wird in der Schätzung der Gruppe um Boone Kauffman noch gar nicht berücksichtigt. Freilich trifft diese nicht auf jede Form der Garnelenzucht zu, sondern bezieht sich auf typische Garnelenfarmen in Südostasien. Diese sind relativ groß und mit Erträgen zwischen 50 und 500 Kilogramm pro Jahr und Hektar kaum produktiv. Andere Farmen, die nicht auf Mangrovengründen entstehen, erreichen teils deutlich höhere Effizienz und haben geringeren CO2-Fußabdruck, betonen die Forscher.

Die Studie ist durchaus politisch brisant: Würde man den Anrainern in den Mangroven-Regionen dafür Entschädigung zahlen, dass sie auf die Errichtung von Garnelenfarmen verzichten, würde jede Tonne Kohlenstoff-Einsparung bloß 4,50 Dollar kosten - was im globalen CO2-Handel ein äußerst konkurrenzfähiger Preis wäre. Bisher gibt es CO2-Zertifikate zum Ausgleich von CO2-Verbrennung von Treibstoff nur für terrestrische Ökosysteme wie etwa Wälder. Mangroven-Aufforstungen beruhen somit bisher nur auf der Eigeninitiative von Dörfern (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20111128001 ).

Kunzinfo zum Konferenzbeitrag unter http://aaas.confex.com/aaas/2012/webprogram/Paper6025.html

(Ende)
Aussender: pressetext.redaktion
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
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