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pte20110621003 Medizin/Wellness, Kultur/Lifestyle

Jeder Zwölfte schluckt Antidepressiva

Risiko von psychischen Störungen mit 50 Jahren am höchsten


Depression: Doppelt so häufig behandelt wie 2000 (Foto: aboutpixel.de/Rotter)
Depression: Doppelt so häufig behandelt wie 2000 (Foto: aboutpixel.de/Rotter)

Warwick/Bonn (pte003/21.06.2011/06:05) - Acht Prozent der EU-Bevölkerung schluckten im Vorjahr Medikamente gegen Depressionen, in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen sogar zehn Prozent. Das zeigt eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit http://iza.org , zu der 30.000 Europäer in 27 Ländern befragt wurden. "Dass die Chemie heute dem Gehirn durch Tiefs helfen kann, ist ein Segen. Wenn wir in Zeiten von maximalen Wohlstand und Sicherheit derart viele Depressive haben müssen aber die Alarmglocken klingen, dass etwas falsch läuft", so Studienautor Andrew Oswald im pressetext-Interview.

Portugal hat die meisten Depressionen

Große regionale Unterschiede wurden in der Erhebung ersichtlich. Spitzenreiter beim Antidepressiva-Konsum ist Portugal mit 16 Prozent, am sparsamsten ging man damit zumindest 2010 in Griechenland um. "Deutschland überrascht insofern, als es mit bloß fünf Prozent gut abschneidet, während es doch im Vergleich schlecht um die Lebenszufriedenheit bestellt ist. Österreich liegt mit neun Prozent leicht über dem EU-Schnitt", berichtet Oswald. Insgesamt greift man in Europa wie auch in den USA doppelt so häufig zu Antidepressiva-Pillen als noch 2000.

Hinter den regionalen Eigenheiten steckt viel mehr als nur unterschiedliche Gesundheitssysteme oder Verschreibepraxis, betont der Forscher. "Ein eindeutiger Zusammenhang besteht zur Beschäftigungsquote. Die Arbeit zu verlieren, bringt Menschen oft in psychische Nöte. Für den Anstieg im Gebrauch dieser Medikamente dürften jedoch auch zahlreiche andere Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören etwa der hohe Druck der modernen Gesellschaft oder die ständige Verfügbarkeit durch die Errungenschaften der Informationstechnik."

Nach dem 50er geht es wieder aufwärts

Durchgängig in allen Ländern bestätigte sich, dass Menschen im mittleren Alter am häufigsten an Depressionen leiden. "Der Knick besteht auch dann, wenn man das Ergebnis um Faktoren wie Scheidung oder Jobverlust bereinigt. Bei den Endvierzigern ist die Lebenszufriedenheit generell am geringsten. Danach steigt das Glück jedoch ähnlich wie bei einem Smiley-Mund wieder an und erreicht mit rund 80 Jahren seinen Höhepunkt", erklärt Oswald.

Download des Berichts unter http://ftp.iza.org/dp5785.pdf

(Ende)
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