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pte20101016004 Medizin/Wellness, Kultur/Lifestyle

Glücksspiel: Medikament oder Kick für Süchtige

Experten erkennen vier Typen von zwanghaften Spielern


Pokerchips: Glücksspielsucht hat viele Gesichter (Foto: pixelio.de/Tommys)
Pokerchips: Glücksspielsucht hat viele Gesichter (Foto: pixelio.de/Tommys)

Barcelona/Berlin (pte004/16.10.2010/06:15) - Glücksspielsüchtige lassen sich kaum in einen Topf werfen. Manche überdecken mit der Sucht emotionale Probleme, manche leiden an Alkoholsucht, manche sind hingegen gut angepasste Erfolgsmenschen. Forscher der Universität Barcelona http://www.uab.es/english/ schlagen im "Canadian Journal of Psychiatry" eine Unterteilung vor. Auf Basis der Untersuchung von 1.200 Glücksspielsüchtigen beschreiben sie vier Haupttypen. "Wir brauchen verschiedene Behandlungen für jede Untergruppe krankhafter Spieler. Erst so decken wir ihre therapeutischen Bedürfnisse", erklärt die Studienleiterin Susana Jiménez Murcia.

Flucht oder Nervenkitzel

"In der Behandlung von Spielsüchtigen dominieren besonders zwei Typen. Für den einen ist das Spiel ein Medikament, für den anderen eine Anregung", berichtet Chantal Mörsen von der Abteilung Glücksspielsucht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charite Berlin http://ag-spielsucht.charite.de , gegenüber pressetext. Beim ersten Typ überdeckt das Spiel Angst oder Depression und dient somit zur Flucht und Problemvermeidung. Betroffen sind oft Menschen, denen es schwerfällt, auf andere zuzugehen. "Dazu gehören oft auch Frauen, obwohl Glücksspielsüchtige sonst meist Männer sind", so die Psychologin.

Die Suche nach dem Nervenkitzel steht hingegen bei der zweiten Hauptgruppe im Vordergrund. "Diese Menschen holen sich ihren Kick durch das Spielen um Geld. Es geht ihnen dabei stets ums Hoffen und Beten. Das ist beim Roulette oder bei den Sportwetten der Fall, weniger jedoch bei Automaten", erklärt Mörsen. Die Vorliebe für Hochrisiko beschränkt sich bei ihnen kaum auf das Spiel, weshalb in dieser Gruppe auch Alkohol- und Drogenmissbrauch die Regel sind. Auffällig sind hier auch die narzisstischen und emotional-expressive Störungen der Persönlichkeit.

Hilfesuche erst nach Zusammenbruch

Ähnlich wie die spanischen Forscher berichtet auch die Berliner Expertin von weiteren Gruppen süchtiger Glücksspieler, die nicht durch gestörte Persönlichkeit auffallen. "Manche sind allein auf Anerkennung ausgerichtet und haben im Leben viel Erfolg. Sie möchten sich nicht schwach zeigen und gehen mit dem Problem lieber selbst um, statt Hilfe zu suchen." Zur Behandlung kommen Spielsüchtige allgemein meist erst bei zu großem Leidensdruck. Das heißt in der Praxis etwa Scheidung, Trennung, Wohnungskündigung, Entlassung oder übergroße Schulden. "Irgendwann bricht meist der Alltag zusammen", so Mörsen.

Neuer Blick auf Glücksspielsucht

Hinter der Tapenbestimmung steckt die Frage, wie die Medizin künftig mit Spielsüchtigen umgeht. Im Mai 2013 wird die fünfte Version des Handbuches Psychischer Störungen (DSM-5) http://www.dsm5.org erscheinen. Diese Richtlinie der American Psychiatric Association (APA) zur Beurteilung psychischer Störungen bezeichnete pathologisches Spielen bisher als "ständiges und wachsendes Scheitern, dem Drang zum Spielen zu widerstehen" - und somit als Störung der Impulskontrolle. Die Fachwelt kritisiert dieses Konzept stark, da es bei den Betroffenen große Unterschiede gibt. Deshalb soll nun eine neue Kategorie "Verhaltens- und Substanzsüchte" geschaffen werden.

Vom DSM-5 erwartet sich auch Mörsen viel, insbesondere von einer Anerkennung der Glücksspielsucht als Verhaltenssucht. "Die Wirksamkeit der Therapien könnte besser erforscht, Medikamente für Rückfallprophylaxe überprüft und die Kostenübernahme verbessert werden. Schulische Präventionsarbeit wäre möglich und Glücksspieler erhielten besseren Zugang zu Suchthilfe." Weiterhin müsse die Gesellschaft jedoch dafür sensibilisiert werden, dass Glücksspielsucht eine Erkrankung ist und nichts mit Willensschwäche oder "zusammenreißen und weniger spielen" zu tun hat. "Auch das Stigma der Sucht lässt sich dadurch noch nicht aus der Welt schaffen", betont die Expertin.

Originalstudie unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20723277

(Ende)
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