Fannie Mae und Freddie Mac hecheln nach Kapital
Bedarf auf 75 Mrd. Dollar geschätzt - Finanzkrise geht weiter
New York/Frankfurt am Main (pte015/08.07.2008/11:00) Die beiden ohnehin stark angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae stehen vor einem neuerlichen Kapitalbedarf in Mrd.-Höhe. Wie das Wall Street Journal heute, Dienstag, unter Berufung auf Finanzexperten der US-Investmentbank Lehman Brothers berichtet, könnte Freddie Mac aufgrund einer anstehenden Änderung in der Rechnungslegung satte 29 Mrd. und Fannie Mae sogar über 46 Mrd. Dollar benötigen. Als erste Reaktion auf die Hiobsbotschaften rutschten die Aktien der beiden Hypothekengiganten in der Nacht auf heute auf ihren tiefsten Stand seit mehr als 14 Jahren. Dabei verloren die Anteilsscheine von Freddie Mac nachbörslich zuerst 18 Prozent und später auf einen Schlag fast 30 Prozent ihres Wertes, wobei Fannie Mae mit 16,2 Prozent zu Beginn nur unwesentlich weniger verlor.
"Fernab der benötigten Finanzierungssummen und der damit im Markt neuerlich auftretenden Unsicherheiten sehe ich vordergründig ein psychologisches Problem. Es scheint so zu sein, dass die Finanzkrise bei vielen Anlegern wieder stärker in das Bewusstsein gerückt ist", sagt BayernLB-Bankenanalyst Frank Wohlgemuth im Gespräch mit pressetext. Die von den miserablen Nachrichten ausgelöste Aktienkurstalfahrt an der New Yorker Börse setzte eine internationale Kettenreaktion in Gang, wodurch auch andere US-Finanztitel stark unter Druck gerieten. Daraufhin trennten sich Anleger in Asien reihenweise von Banktiteln. Auch in Europa verlief der Börsenstart schleppend, die Titel von Hypo Real Estate, der Deutschen Bank und nicht zuletzt der Commerzbank büßten in den ersten Handelsminuten rund drei Prozent ein. Auch notieren die Titel der Postbank ebenfalls deutlich schwächer.
"Licht am Ende des Tunnels ist zwar gegeben, der Weg dorthin dauert jedoch noch an. Dass die Anleger die Bankenwerte international abstoßen, zeigt dies mehr als deutlich", ergänzt Wohlgemuth auf Nachfrage von pressetext. Trotz des prognostizierten Kapitalbedarfs zeigte sich Freddie Mac jedoch beschwichtigend und kündigte an, sein Kapital nicht vor Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal zu erhöhen. Fannie Mae hingegen lehnte jegliche Stellungnahme zu den Lehman-Berechnungen ab. Insider machen für die neuerliche Misere auf dem US-amerikanischen Finanzmarkt vor allem verantwortlich, dass beide staatlich geförderten Hypothekenfinanzierer Anleihen im Gesamtwert von rund 2.400 Mrd. Dollar zur Finanzierung der Hypotheken begeben haben. Dadurch gehören die Konzerne zu den größten Schuldnern weltweit.
Wegen des einstigen US-Immobilienbooms in den 1990er Jahren sind die Finanzmärkte zunehmend mit der Gefahr konfrontiert, dass bei einem Rückgang der Immobilienpreise vor allem Fannie Mae in ernsthafte Probleme geraten könnte. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass sich die US-Immobilienkrise über das Segment der Ramschhypotheken ausgeweitet hat und nun auch besser besicherte Hypotheken betrifft, die den Löwenanteil des Geschäfts der Konzerne ausmachen. "Beide Unternehmen sind staatlich garantiert. Einen Totalausfall kann sich selbst die US-Regierung in keinem Fall leisten", erläutert Wohlgemuth abschließend.
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