pte20071018009 in Business

CEE: Wirtschaftliche Unterentwicklung bleibt Risiko

Tief greifende Reformen gefordert - Förderung von Innovationen wichtig


Brüssel/Wien (pte009/18.10.2007/10:00) Für die Staaten Zentral- und Osteuropas (CEE) besteht nach wie vor ein großes Risiko, den wirtschaftlichen Anschluss an die westliche EU zu verpassen. Das ist die Kernaussage der aktuellen Studie "European Human Capital Index" des Lisbon Council for Economic Competitiveness http://www.lisboncouncil.net . Der Report warnt dezidiert davor, dass die ökonomische Wachstumsentwicklung in CEE künftig von einer großen Lücke im Humankapitalbereich gebremst werden könnte. "Von den Wachstumsraten der realen BIPs der CEE-Staaten ausgehend, ist die Performance deutlich höher als der übrige EU-Durchschnitt. Positiv hinzu kommt auch die nominelle Aufwertung der Landeswährungen", so Hans Holzhacker, Volkswirt bei der BA-CA Research http://www.ba-ca.at , im Gespräch mit pressetext.

Die CEE-Analyse kommt zu dem Schluss, dass sich das Wachstum seit dem Zusammenbruch des kommunistisch geprägten Ostblocks gegenüber anderen Regionen Europas zwar überproportional hoch entwickelt und sich die ökonomischen Ungleichgewichte auch innerhalb Europas weiter vermindert haben. Dennoch rechnen Beobachter damit, dass eine Fortsetzung dieses Trends nur dann wahrscheinlich ist, wenn dringende Probleme beseitigt würden. "Die gesamte Studie zeigt, dass in den kommenden 15 Jahren von einer Verringerung der Schere zwischen Westeuropa und CEE auszugehen ist, dennoch besteht die große Gefahr, dass sich dieser Prozess auch noch umkehren könnte", so der leitende Studienautor Peer Ederer.

Obwohl CEE als Investitionsstandort für viele ausländische Investoren noch immer lukrativ erscheint, warnen die Experten des Lisbon Council for Economic Competitiveness vor einer allzu starken Fokussierung der Länder auf die wirtschaftliche Effizienz. "Wenn CEE-Staaten vor allem mit Westeuropa und Asien mittel- bis langfristig konkurrieren wollen, ist eine innovationsgetriebene Ausrichtung der Wirtschaft unabdingbar", so Ederer weiter. Laut der Studie ergeben sich die Befürchtungen vor dem Hintergrund schrumpfender Bevölkerungen und eines sogenannten Brain-Drain-Prozesses, bei dem Humankapitalressourcen abwandern. Problematisch seien auch die chronisch hohe Arbeitslosenrate und unzureichende Investitionen in Schul- und Weiterbildungsprogramme (für Langzeitarbeitslose oder über 40-Jährige).

"In den Staaten Zentral- und Osteuropas reicht es nicht aus, Innovationsgedanken und Reformen nur unzureichend in Angriff zu nehmen. Hierbei sei aber auch betont, dass ein gutes Schulwesen allein nicht ausreicht, um die Probleme dauerhaft zu lösen", sagt Holzhacker auf Nachfrage von pressetext. Laut den Studienautoren ist die Lage in Slowenien, Tschechien, Estland und Litauen jedoch um vieles besser. In den nächsten zwei Dekaden könnten diese Staaten westliche Standards erreichen, sind die Experten überzeugt. Der Slowakei, Bulgarien und Polen hingegen werden nur geringe Entwicklungschancen prognostiziert. Verglichen mit dem EU-Schnitt stellt sich die Gefahr einer auch künftig hohen Armutsrate dar. Die Studienautoren gehen zudem davon aus, dass bis 2050 rund 19 Prozent der europäischen Arbeitskraft aus der Türkei kommt, einem möglichen EU-Beitrittskandidaten.

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