pte20030405002 in Leben

"Käseschnüffler" überwacht den Reifegrad

Sensor und Stoffreaktor auf der Hannover Messe


Hannover (pte002/05.04.2003/10:45) Junger Gouda ist ziemlich geschmacklos. Erst mit der Zeit entsteht beim Reifeprozess jener komplizierte Mix von Geschmacksmolekülen, der Kennern das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Chemiker der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de/ haben einen Sensor entwickelt, der den Reifegrad von Käse, Äpfeln oder Bananen "erschnüffeln" kann. Sie stellen ihn vom 7. bis zum 12. April auf der diesjährigen Hannover-Messe vor.

Unreife Äpfel beispielsweise geben vor allem niedermolekulare Alkohole oder Aldehyde in die Umgebungsluft ab. Später produzieren sie jedoch mehr und mehr so genannte Ester. Bei der Reifung von Gouda dagegen werden Fette in Alkohole und weitere Substanzen umgewandelt - ein Prozess, den der Kenner auch mit der Nase verfolgen kann. Aus dem Verhältnis der einzelnen Geruchsmoleküle stellt der in Bonn entwickelte Sensor ziemlich genau den Reifegrad von Käse oder Obst dar.

Die Wissenschaftler um Professor Joachim Bargon und Klaus Woelk vom Institut für Theoretische und Physikalische Chemie präsentieren zudem ein neuartiges Gerät, das sich unter anderem zum Einsatz in den Materialwissenschaften eignet. Es basiert auf der aus der Medizin bekannten MR-Tomographie. Anders als medizinische MR-Geräte liefert der Bonner MR-Reaktor aber Bilder in einer Auflösung von wenigen tausendstel Millimetern. Dies reicht aus, um beispielsweise die Alterung von Hautcremes untersuchen zu können. Zudem lässt sich im selben Reaktor spektroskopisch der Ablauf chemischer Reaktionen beobachten.

Dafür interessiert sich die Pharmaindustrie. Damit lassen sich die Bildung bestimmter Nebenprodukte der Herstellung verhindern wie zum Beispiel Enantiomere. Diese Großmoleküle unterscheiden sich von den Wirkstoffen durch ihren spiegelbildlichen Aufbau, ähnlich wie ein rechter zum linken Handschuh. Chemisch oder physikalisch sind sie nur schwer vom gewünschten Produkt zu unterscheiden, biologisch können sie aber gefährliche Nebenwirkungen haben. Ein Beispiel ist das Contergan: War der eigentliche Wirkstoff ein harmloses Schlafmittel, rief sein Spiegelbild bei Tausenden von Ungeborenen schwerste Missbildungen hervor.

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