pte20090729001 in Business

Ghana: Dubai Afrikas ködert internationale Ölfirmen

Produktion ab 2010 geplant - Vermeidung von Fehlern wie im Fall Nigeria


Ghana will 2010 rund eine Mrd. Dollar mit Erdölförderung verdienen (Foto: pixelio.de, Maren Beßler)
Ghana will 2010 rund eine Mrd. Dollar mit Erdölförderung verdienen (Foto: pixelio.de, Maren Beßler)

New York/London/Wien (pte001/29.07.2009/06:00) Nur einen Monat nach dem letzten Besuch des US-Präsidenten Barack Obama hat Ghana ein Entwicklungsabkommen mit international agierenden Ölförderunternehmen geschlossen. Das westafrikanische Land verfügt über bisher kaum angebohrte Ölfelder. Mit der Vereinbarung, die bereits am 15. Juli dieses Jahres unterzeichnet wurde, rückt die demokratische Republik immer näher an das anvisierte Ziel, ab dem zweiten Halbjahr 2010 Erdöl zu produzieren. Die Kooperation mit den erfahrenen Ölkonzernen soll verhindern, dass es zu ähnlichen Problemen bei der Ölförderung wie in anderen ölreichen afrikanischen Staaten wie Nigeria kommt. Ihren Förderfokus legen die Investoren dabei vor allem auf das bereits 2007 aufgespürte "Jubilee Field" mit mindestens 650 Mio. Barrel Öl.

"Derzeit nimmt das Land mit Förderkapazitäten von weit unter 10.000 Barrel am Tag noch eine eher untergeordnete Position ein. Diese wird sich in den kommenden Jahren jedoch drastisch verändern und an Stellenwert gewinnen", so David Wech, Head of Energy Studies bei JBC Energy http://www.jbcenergy.com , auf Nachfrage von pressetext. Laut dem Fachmann erweist sich die im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten relativ gefestigte politische Stabilität dabei als Vorteil. Wech zufolge stellen jedoch nach wie vor Stromausfälle sowie die anhaltende Wasserknappheit Probleme dar. Obwohl Ölfirmen Ghana zunehmend in Betracht ziehen, hält es der Experte für kaum wahrscheinlich, dass Jubilee-Öl vor Ende 2010 auf den internationalen Markt gelangt.

Das fördertechnisch lukrative Feld an der Südwestküste Ghanas wird derzeit von einer Allianz zwischen der britischen Tullow Oil PLC, der US-Gesellschaft Kosmos Energy sowie der im amerikanischen Houston ansässigen Anadarko Petrolium Corporation kontrolliert. Wech geht gegenüber pressetetxt davon aus, dass man am Standort Jubilee künftig rund 120.000 Barrel Öl am Tag fördern kann. Das Ölgeschäft ist hingegen nicht nur für die daran beteiligten ausländischen Firmen in Ghana interessant. Vorsichtige Schätzungen des Internationalen Währungsfonds http://www.imf.org gehen bereits davon aus, dass Ghana bis Ende kommenden Jahres etwa eine Mrd. Dollar verdienen daran könnte. Trotz aller Gewinnaussichten scheinen sich die Behörden über mögliche Negativfolgen im Klaren zu sein.

Beispiele wie Nigeria (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/080430002/) haben in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, zu welchen gesellschaftspolitischen sowie wirtschaftlichen Auswirkungen eine systematische Erschließung von Ölvorkommen mit sich bringen kann. Der Verhinderung dieser Folgen sollen sich die Verantwortlichen während der Verhandlungen mit den Ölmultis bewusst gewesen sein, berichtet das Wall Street Journal. Die Miteinbeziehung der Positionen der Zivilgesellschaft soll bei den Vertragsaushandlungen als Grundvoraussetzung der Nutzung des Ölfeldes gestanden haben. Aus den bereits in anderen afrikanischen Staaten gemachten Fehlern wolle man auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten lernen.

Fehlverhalten, wie das Zulassen von Korruption von Regierungsvertretern und Amtsinhabern oder Sabotageangriffe auf Ölpipelines wolle man verhindern. Da Ghana im Gegensatz zu Nigeria, Angola oder Äquatorialguinea als eine demokratisch gefestigtere Nation gilt, zeigen sich auch Insider mit Blick auf die künftige Zusammenarbeit mit den Explorationsunternehmen zuversichtlich. Gegenüber Nigeria von Vorteil ist, dass man nicht nur vom Ölexport abhängig ist. Schließlich ist das Land zweitgrößter Kakao-Hersteller. Aber auch bei der Goldförderung rangiert Ghana als weltweite Nummer zwei gleich hinter Südafrika, merkt Wech an. Trotzdem lebt die Bevölkerung aktuellen Berechnungen nach von weniger als 1,25 Dollar am Tag. Zudem belastet die hohe Inflation.

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