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pte20090707030 Medizin/Wellness, Kultur/Lifestyle

Nahrungsergänzung lindert Haareausreißen

Trichotillomanie noch immer Tabu in der Gesellschaft


Eine von zwanzig Frauen reißt sich zwanghaft die Haare aus (Foto: www.trichotillomanie.de)
Eine von zwanzig Frauen reißt sich zwanghaft die Haare aus (Foto: www.trichotillomanie.de)

Minneapolis/München (pte030/07.07.2009/13:55) - Menschen, die einen Zwang entwickelt haben, sich selbst Haare am Kopf oder Körper auszureißen, könnten von der Einnahme eines weit verbreiteten Oxidationshemmers und Nahrungsergänzungsmittel profitieren. Das berichten Psychiater der University of Minnesota http://www.med.umn.edu im Fachmedium Archives of General Psychiatry.

Die Forscher untersuchten 50 Patienten mit dem Krankheitsbild Trichotillomanie, was der griechische Ausdruck für die Haarausreiß-Störung ist. Die Versuchspersonen bekamen in einer Doppelblind-Studie drei Monate lang den Schleimlöser Acetylcystein in leicht ansteigender Dosis verabreicht, was bei 56 Prozent zu wesentlichen Verbesserungen der Situation führte, während es bei der Placebo-Gruppe nur 16 Prozent waren. Das zeigte erstmals, dass nicht nur die Beeinflussung des Botenstoffs Serotonin im Gehirn, sondern auch der Glutamatspiegel bei der Krankheit eine wichtige Rolle spielt. Die Senkung dieser Spannung erzeugende Chemikalie schien den Betroffenen zumindest verübergehende Erholung von ihrem Zwang zu geben.

Wie weit zwanghaftes Haareausreißen verbreitet ist, verdeutlicht der Psychotherapeut Nico Niedermeier http://www.psycho-muenchen.de im pressetext-Interview. "Epidemiologische Studien zeigen, dass bis zu 1,6 Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen von der Krankheit betroffen sind", so der Münchner Mediziner. Öffentlich werde die Trichotillomanie kaum wahrgenommen, da sie mit besonders großem Schamgefühl verbunden ist. "Es geht nicht bloß um ein paar Haare, wie man aus der Außenwahrnehmung meinen könnte. Haare haben in unserer Gesellschaft viel mit einer narzisstischen Wertvorstellung zu tun, und ihr Verlust irritiert das Selbstbild auf extreme Weise. Dass man sich das Ausreißen selbst antut, steigert die Scham noch zusätzlich." Betroffene würden entstehende Kahlstellen am Kopf häufig durch Perücken oder Überkämmen verstecken oder ihr Leiden sogar dem Partner gegenüber verschweigen.

Die genauen Ursachen des psychischen Leidens sind noch ungeklärt. Bisherige Hypothesen gehen von einer Mitwirkung von Umweltfaktoren wie Erlebnisse der Kindheit, Erziehung oder spätere Erfahrungen aus, in manchen Fällen scheint auch eine genetische Veranlagung möglich. Symptome wie hohe Belastung, Depressionen, Angstzustände oder andere Zwangserkrankungen begleiten die Trichotillomanie in vielen Fällen. Den Betroffenen dient das Haarezupfen vor allem zum Abbau von Stress und Spannungen. "Das Reißen lenkt für einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit ab und ermöglicht Entspannung, ähnlich wie für andere Personen eine Zigarette oder Sport", erklärt Niedermeier. Der Beginn der oft chronisch auftretenden Krankheit liege in vielen Fällen schon im Alter von zwölf Jahren. "Viele Mädchen wickeln etwa ständig und unbewusst ihre Haare um die Finger und reißen sie dabei auch aus."

Wer zwanghafte Symptome des Haareausreißens an sich entdeckt, sollte so bald als möglich fachliche Hilfe aufsuchen, denn der Übergang von normalem zu krankhaftem Zupfen ist fließend. "Je länger sich das Haareausreißen hinzieht, desto mehr wird die Handbewegung dabei automatisiert." Niedermeier empfiehlt Betroffenen, sich im ersten Schritt an Selbsthilfeorganisationen im Internet zu wenden, da Hausärzte und auch Krankenhäuser oft wenig über das Leiden Bescheid wüssten. "Erst seit etwa zehn Jahren wird Trichotillomanie im deutschsprachigen Raum als Krankheit wahrgenommen", so der Verhaltenspsychologe. Die besten Ergebnisse in der Behandlung habe bisher die kognitive Verhaltenstherapie gezeigt. Betroffene lernen dabei unter anderem, Gegenbewegungen auszuführen und die Hände unter Kontrolle zu halten. Eine medikamentöse Behandlung - wie etwa die von den kanadischen Forschern untersuchte - sei nur in Kombination dazu sinnvoll.

Die Bedeutung einer Verhaltenstherapie betont auch Antonia Peters, Vorsitzende
der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. http://www.zwaenge.de und Autorin des ersten deutschen Ratgeberbuches, das den Titel "Trichotillomanie - Fragen und Antworten zum zwanghaften Haareausreißen" trägt. "Es ist fraglich, ob man durch die Einnahme von Antioxidanten ein lange eingeübtes Übel los bekommt. Da die Gründe für das Haareausreißen vielseitig sein können, geht es darum, einerseits Gegenstrategien für den Moment des Drangs zu entwicklen, andererseits an den Ursachen dafür zu arbeiten", so Peters gegenüber pressetext. Sei Stress die Ursache, so gehe es darum, einen besseren Umgang damit zu erlernen. Das Selbsthilfe- und Therapeutennetz sei in Deutschland http://www.trichotillomanie.de besser ausgebildet als etwa in Österreich, wo es bisher erst eine Selbsthilfegruppe gibt (http://www.zwaenge.at , Menüpunkt Symptome/Hilfe). "Es ist wichtig, die Störung noch weiter bekannt zu machen", so die Trichotillomanie-Expertin.

(Ende)
Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
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