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pte20051206030 Umwelt/Energie, Forschung/Entwicklung

Auto-Katalysator als Ammoniakschleuder

Stickoxide durch pflanzenschädigendes Ammoniak ersetzt


Jan-Peter Frahm-Uni-Bonn
Jan-Peter Frahm-Uni-Bonn

Bonn (pte030/06.12.2005/11:55) - Wissenschaftler der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn http://www.uni-bonn.de haben festgestellt, dass Autos mit 3-Wege-Kat bei weitem nicht so sauber sind, wie bisher angenommen. Stickoxide werden zwar aus den Abgasen abgeschieden, aber die "entgifteten" Fahrzeuge pusten große Mengen Ammoniak in die Luft. In der Pflanzenwelt kann Ammoniak große Schäden anrichten.

"Der Verdacht lag auf der Hand", meint der Forschungsleiter Jan-Peter Frahm vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen im pressetext-Interview. "Wir konnten feststellen, dass in den Städten und entlang von Autobahnen vermehrt Moose und Flechten zu wachsen begannen", erklärt der Forscher. Dass diese Pflanzen, die sonst nur bei Bauernhöfen mit Viehzucht oder Nahe von Nistplätzen von Vögeln vorkommen mit den Katalysatoren in Verbindung stehen würden, ahnte niemand, wie Frahm dies bestätigt. Ammoniak, das in der Viehzucht entsteht, ist für den stechenden Geruch verantwortlich. "Dass nun Katalysatoren überhaupt nennenswerte Mengen Ammoniak produzieren, war bislang nahezu unbekannt. Selbst die TÜV-Experten gingen davon aus, dass es sich dabei allenfalls um eine zu vernachlässigende Nebenreaktion handelt", erklärt Frahm.

Erstmals ist den Botanikern vor etwa zehn Jahren aufgefallen, dass das Moos Orthotrichum diaphanum auch entlang von Hauptverkehrsstraßen und in Städten vorkommt. "Dort war diese Spezies, die sonst nur auf dem Land an den Betoneinfassungen von Misthaufen vorkommt, bisher unbekannt", führt der Botaniker aus. Diese Art braucht viel Ammoniak, der dem Moos als Stickstoff-Quelle dient. Einige Jahre später breiteten sich in den Städten plötzlich stickstoffliebende Flechtenarten wie die Gelbflechte aus. Dies ist ebenfalls eine Art, die vornehmlich in der Nähe von Viehzuchtbetrieben gedeiht. Für die Forscher stellte sich die Frage, was diese Pflanzen dazu bewog, sich in Städten und entlang von Autobahnen anzusiedeln. "Dass Ammoniak der Verantwortliche sein könnte, vermutete damals niemand", wie Frahm erklärt. Üblicherweise werden nämlich bei Schadstoffbestimmungen die Ammoniak-Konzentrationen nicht mit gemessen.

"In Folge hat das auch dazu geführt, dass in den Städten bisher vorkommende andere Arten zunehmend verdrängt wurden." Eine Folge der menschlichen Überdüngung, wie Frahm meint. Gemeinsam mit seinem Forscherteam hat der Botaniker mit Unterstützung des TÜV bei 30 Fahrzeugen mit Katalysator die Abgase untersucht. Bis zu 25 ppm erreichten die Werte bereits im Leerlauf, bei höheren Drehzahlen stiegen sie sogar auf das drei- bis zehnfache. "Es ist so als hätte man den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben und die Stickoxide durch Ammoniak ersetzt." Ammoniak ist aber fünf Mal aktiver. "Eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen ist zwar nicht zu erwarten, da sich das Gas rasch verdünnt", erklärt Frahm. Gefährlich sei diese Konzentration allerdings für die Flora, da sich Ammoniak mit den Stickoxiden in der Luft zu Ammoniumnitrat verbinde.

"Es hat lange gedauert dieses Puzzlespiel zu vervollständigen. Die direkte Beobachtung der Natur hat uns auf die Spur gebracht." Zudem habe sich gezeigt, das der "Schwarze Peter", der der Landwirtschaft zugeschrieben wurde, nun doch beim Verkehr lande, meint Frahm abschließend.

(Ende)
Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Wolfgang Weitlaner
Tel.: +43-1-811 40-307
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