FPSB Deutschland analysiert Online-Vorsorgevollmachten
Studie zeigt teils erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Anbietern
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Finanzplanung ist Lebensplanung (Foto: iStock) |
Frankfurt am Main (pts013/25.02.2026/11:50)
Der Markt für digital erstellbare Vorsorgevollmachten wächst rasant. Eine Studie des FPSB Deutschland zeigt, dass der erleichterte und kostengünstige Zugang zu Rechtsthemen mit teils erheblichen Qualitätsrisiken verbunden ist. Die Analyse macht deutliche Unterschiede sichtbar: Nur ein Anbieter erfüllt hohe Anforderungen an individuelle Gestaltung, vier Angebote bleiben deutlich dahinter zurück.
Immer wieder kommt es vor, dass jemand aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen. Vorsorgevollmachten sind deshalb ein unverzichtbares Instrument, um sich persönlich für diesen Fall abzusichern. Denn der Bevollmächtigte entscheidet im Ernstfall über medizinisch lebenswichtige oder finanziell existentielle Fragen. "Ohne Frage ist das ein hoch relevantes Thema", sagt Prof. Dr. Rolf Tilmes, CFP®, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland). "Schließlich sind hierzulande im Zentralen Vorsorgeregister rund 6,5 Millionen Vollmachten erfasst, zudem gibt es Millionen weiterer privatschriftlicher Dokumente."
Analyse von 26 Online-Anbietern: Licht und Schatten
Es ist deshalb eine interessante und für Verbraucher wichtige Entwicklung, dass man sich eine solche Vollmacht inzwischen digital erstellen lassen kann und dieser Markt rasant wächst. Allerdings stellt sich die Frage, wie es um die Qualität dieser Online-Vollmachten wirklich bestellt ist. Deshalb hat der FPSB Deutschland die Anbieter unter die Lupe genommen. Insgesamt haben die Experten 26 Internet-Angebote zur Erstellung von Vorsorgevollmachten analysiert – vom einfachen Download-Formular bis hin zu komplexen Online-Dialogen.
Die Ergebnisse sind jedoch zweischneidig: Einerseits ermöglicht ‚Legal Tech' Verbrauchern einen schnellen, kostengünstigen und einfachen Zugang zu wichtigen Rechtsdokumenten. Andererseits offenbart der Qualitätsvergleich gravierende Mängel.
Damit zeigt die Untersuchung, dass mit der Digitalisierung auch Gefahren einhergehen. "Denn ein digitales Produkt kann weder alle individuellen Umstände erkennen noch die Beratung leisten, die im Einzelfall erforderlich ist", sagt Prof. Tilmes. "Zudem wird auch deutlich, dass kein Preisvorteil schlechte Qualität kompensieren kann, wenn es um die eigene rechtliche Zukunft geht."
Rechtskonformität und Gestaltungsvielfalt im Fokus
Konkret wurden die Angebote bei der Untersuchung primär nach zwei Hauptkriterien bewertet: Rechtskonformität und Angebotsvielfalt. Soweit es um die Rechtskonformität geht, lässt sich feststellen, dass 25 der 26 analysierten Anbieter die gesetzlich notwendigen Mindestinhalte gemäß §1820 Abs. 2 BGB, wo es zum Beispiel um ärztliche Zwangs- oder freiheitsentziehende Maßnahmen geht, anbieten. Dennoch ist Vorsicht geboten: Drei der untersuchten Anbieter haben die zum 1.1.2023 in Kraft getretene Reform des Betreuungsrechts noch nicht in ihren Dokumenten umgesetzt und verweisen auf veraltete Paragrafen.
Beim zweiten Kriterium, der Angebotsvielfalt, geht es darum, dass jeder Mensch einen anderen familiären und vermögensrechtlichen Hintergrund hat. Die Möglichkeit, eine solche Vollmacht an die individuellen Bedürfnisse anzupassen, ist deshalb essenziell. Hier zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern:
- Testsieger mit Abstand: wervertrittmich.de (Modell Premium) hebt sich deutlich vom Markt ab. Mit einer Angebotsbreite von 99 Prozent aller untersuchten Optionen bietet dieser Anbieter als einziger eine wirklich umfassende Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten, darunter differenzierte Regelungen für Ersatzbevollmächtigte und eine detaillierte Vermögenssorge.
- Eingeschränkt zu empfehlen: Nur drei der 26 Anbieter erreichen eine Abdeckung von über 70 Prozent der möglichen Gestaltungsvariablen und sind damit für die meisten Anwender empfehlenswert (wervertrittmich.de, patientenverfuegung.digital und https://www.patientenverfuegungplus.de/).
- Mangelnde Flexibilität: Zehn der 26 Anbieter bieten weniger als 50 Prozent der üblichen Gestaltungsmöglichkeiten an. Nutzer erhalten hier oft "Standardware", die komplexeren Lebenssituationen nicht gerecht wird.
- Nicht empfehlenswert: Vor 4 Anbietern muss gewarnt werden.Sie haben entweder die Gesetzesreform nicht umgesetzt oder enthalten nicht einmal die gesetzlichen Mindestinhalte einer Vorsorgevollmacht.
Warnung vor unzureichenden Informationen
Neben den inhaltlichen Defiziten kritisiert der FPSB Deutschland auch den Erstellungsprozess etlicher Plattformen. So fehlen bei vielen Anbietern wünschenswerte Vorabinformationen und erläuternde Hinweisenwährend der Dateneingabe. Der Nutzer läuft Gefahr, sich durch den Erwerb eines Standardprodukts in falscher Sicherheit zu wiegen.
"Solange die Gebrauchsanweisung eines neuen Föhns länger ist als die Erläuterung zu einer Vorsorgevollmacht, driftet der Markt in die falsche Richtung", sagt Maximilian Kleyboldt, CFP®, Vorstand FPSB Deutschland und Direktor im Wealth Planning bei der Bethmann Bank. "Wir begrüßen die Entwicklungen im Bereich 'Legal Tech' zwar ausdrücklich, da es die Kosten des Rechtszugangs senkt, jedoch benötigen Verbraucher dringend mehr regulatorischen Schutz oder zumindest verpflichtende Warnhinweise bei Schmalspur-Lösungen."
Handlungsempfehlungen für Verbraucher
Der FPSB Deutschland rät bei der Nutzung von Online-Angeboten im Bereich der Vorsorgevollmachten aus all diesen Gründen zu größter Sorgfalt:
- Aktualität prüfen: Achten Sie unbedingt darauf, dass das Angebot die aktuelle Rechtslage nach der Reform des Betreuungsrechts im Jahr 2023 berücksichtigt. Veraltete Paragrafen (§§1904 ff. BGB a.F.) sind ein Warnsignal.
- Individuelle Anpassung: Meiden Sie Angebote, die keine oder nur minimale Auswahlmöglichkeiten bieten (sogenannte "Friss oder stirb"-Formulare). Eine gute Vollmacht muss differenzieren können, etwa zwischen Gesundheits- und Vermögenssorge.
- Bevorzugen Sie professionelle Anbieter: Angebote, hinter denen anwaltliche Expertise steht, bieten oft höhere Sicherheitsstandards bezüglich Haftung und Verschwiegenheit.
- Beratung in Anspruch nehmen: Bei komplexen Vermögensverhältnissen oder schwierigen familiären Konstellationen kann kein Online-Tool die individuelle Beratung durch zertifizierte Finanzplaner (CFP®-Professionals) oder Fachanwälte ersetzen.
Die detaillierte Analyse steht unter https://fpsb.de/fuer-verbraucher/vorsorgevollmachten.html zum Download zur Verfügung.
Über den FPSB Deutschland e.V.
Das Financial Planning Standards Board Ltd. - FPSB ist ein globales Netzwerk mit derzeit 28 Mitgliedsländern und über 236.000 Zertifikatsträgern. Dessen Ziel ist es, den weltweiten Berufsstandard für Financial Planning zu verbreiten und das öffentliche Vertrauen in Financial Planner zu fördern. Das Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland) mit Sitz in Frankfurt/Main gehört seit 1997 als Vollmitglied dieser Organisation an.
Zentrale Aufgabe des FPSB Deutschland ist die Zertifizierung von Finanz- und Nachfolgeplanern nach international einheitlich definierten Regeln. Wichtige Gütesiegel sind der CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professional, der CERTIFIED FOUNDATION AND ESTATE PLANNER, der EFPA European Financial Advisor® EFA und der CGA® CERTIFIED GENERATIONS ADVISOR. Der FPSB Deutschland hat ferner den Anspruch, Standards zur Methodik der ganzheitlichen Finanzberatung zu setzen. Dafür arbeitet der FPSB Deutschland eng mit Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, Wissenschaft und Forschung, Verbraucherschützern sowie Presse und interessierter Öffentlichkeit zusammen.
Ein weiteres Anliegen des FPSB Deutschland ist die Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung. Zu diesem Zweck hat der Verband den Verbraucher-Blog https://www.frueher-planen.de lanciert. Er informiert neutral, anbieterunabhängig und werbefrei über alle relevanten finanziellen Themen und beinhaltet drei Online-Rechner zur Berechnung der Altersrente und der Basisrente sowie zur Optimierung der Fondsanlage.
Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.fpsb.de
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(Ende)
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