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pts20210210016 Sport/Events

Warum es im österreichischen Boxsport brodelt

Ohne internationale Titel oder Olympia-Medaillen gibt es keinen Lohn für hohen Trainingsaufwand


Wien (pts016/10.02.2021/11:00) - Im österreichischen Boxsport brodelt es. Mitglieder des österreichischen A-Kaders forderten die Absetzung von Teamchef Daniel Nader. Der Konflikt weitete sich schnell auch auf den Österreichischen Boxverband aus. Nach heftigen Angriffen ohne Beweise in der Öffentlichkeit wurden drei der AthletInnen lebenslang aus dem Verband ausgeschlossen. Was steckt hinter diesem Konflikt? Eine Analyse.

Boxen ist in Österreich ein undankbarer Leistungssport. Man muss so intensiv trainieren wie Fußballprofis von Bayern München und auf alle Annehmlichkeiten des Lebens verzichten. Im Gegensatz zu Alaba und Co gibt es dafür jedoch keinen Lohn. Es sei denn, man gewinnt Titel oder Podiumsplätze bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften oder Medaillen bei Olympischen Spielen. Und auch dann ist der Ertrag denkbar gering.

IBF-Titelträger Marcos Nader zum Beispiel muss für seinen relativen Wohlstand hart arbeiten. Neben dem Boxtraining ist er als Trainer in seinem Boxclub unterwegs. Dazu muss er Medien- und Sponsorentermine wahrnehmen und immer präsent sein. 16-Stunden-Arbeittage sind da keine Seltenheit.

Auch Ex-Weltmeisterin Eva Voraberger und Titelträgerin Nicole Wesner können dank Sponsoren von ihrem Sport leben. Ebenso Gogi Knezevic, der sich seit Jahren sehr geschickt selbst vermarktet. Reich werden sie damit alle nicht.

Olympische Boxer und Boxerinnen kämpfen um ihre Existenz

Olympische BoxerInnen, früher "Amateure" genannt, haben es noch schwerer. Sie brauchen internationale Erfolge, um Heeressportler zu werden oder in ein anderes öffentliches Sportförderprogramm zu fallen. Der Österreichische Boxverband, der für Olympisches Boxen in Österreich zuständig ist, bekommt öffentliche Förderungen lediglich für den Aufwand bzw. für Spesen von Trainingsmaßnahmen wie zum Beispiel Trainingslager. Von einer Finanzierung des Lebensunterhalts für Olympische Boxer, wie das etwa in Russland oder Großbritannien der Fall ist, können die Österreicher nur träumen. In diesen Ländern ist dafür der interne Ausleseprozess wesentlich schärfer als hierzulande.

Die meisten Boxer in Österreich haben daher nur zwei Alternativen: Sie müssen entweder einem anderen Brot-Beruf nachgehen und damit wertvolle Zeit für ihr Training verlieren, oder sie schrammen trotz des hohen Trainingsaufwands knapp am Existenzminimum entlang, lediglich mit der Hoffnung auf Titel oder Olympiamedaillen ausgestattet.

Wenn Träume zu zerplatzen drohen

Unter diesen Rahmenbedingungen muss man die Frustration jener Sportler sehen, die kürzlich den Aufstand gegen Bundestrainer Daniel Nader und in weiterer Folge gegen den Österreichischen Boxverband geprobt haben und dafür prompt lebenslänglich gesperrt wurden. Wenn erhoffte internationale Erfolge ausbleiben und einzelne Boxer nicht länger als Heeressportler im Bundesheer unterstützt werden oder wenn das Trainerteam mitteilen muss, dass das Niveau für die Qualifikation zur Teilnahme an Olympischen Spiele noch nicht ausreicht, ist das für Sportler, die jahrelang Entbehrungen auf sich genommen haben, ziemlich niederschmetternd.

Richtig explosiv wird diese Mischung, wenn plötzlich bei diesen Sportlern jemand auftaucht, der ihnen erklärt, sie hätten all die Jahre eigentlich Anspruch auf finanzielle Unterstützung gehabt. Noch explosiver wird es, wenn dieser "Jemand" behauptet, der Trainer hätte ihnen dieses Geld vorenthalten und möglicherweise in die eigene Tasche gesteckt. Man kann sich vorstellen, wie von einer Minute auf die andere aus einer vormaligen Vaterfigur geradezu ein Hassobjekt wird.

Genau vor dieser Situation steht derzeit der österreichische Boxsport. Sportler wie Umar Dzambekov, der international zwar schon Beachtung gefunden, den großen Erfolg jedoch noch nicht erreicht hat oder Marcel Rumpler, der in Österreich neben Leuten wie Alex Mraovic, Howig Gregorjan oder Ahmed Hagag zu den etablierten Boxern in Österreich gehört, fühlen sich plötzlich um dringend benötigte finanzielle Unterstützung gebracht. Von einer Minute auf die andere ist alles schlecht, was man zuvor positiv wahrgenommen hat. Mit einer geschickten Social Media Kampagne ist es diesen Leuten gelungen, weitere ehemalige Boxkollegen zu finden, die sich mit ihnen solidarisch erklären.

Rebellen werden ihre Karten offenlegen müssen

Wo und wie konkret den Boxern Geld vorenthalten worden sein soll, darüber hüllen sich die Sportler (noch) in Schweigen. Damit ist auch noch unklar, von wem die Vorwürfe ursprünglich stammen. Mit ihren bisherigen öffentlichen Auftritten haben sich Deshire Kurtaj, eine Boxerin, die noch keinen einzigen Kampf außerhalb von Österreich gewonnen hat, Rumpler und Dzambekov jedoch unter Zugzwang gebracht. Die Drei haben Strafanzeigen angekündigt. Spätestens vor dem Staatsanwalt müssen sie ihre Karten offenlegen. Dann wird auch schnell klar werden, wer der Anstifter zu dieser Rebellion ist.

Erfolgsgeheimnis des Boxclubs Bounce

In einem irren die Sportler auf jeden Fall. Die Behauptung, Teamchef Daniel Nader hätte die Athleten benützt, um auf ihre Kosten Geld zu verdienen bzw um seinen Boxclub zu pushen, lässt sich sehr einfach widerlegen. Der Aufschwung des Boxclubs Bounce, geht auf das Jahr 2014 zurück. Damals wurde aus einem kleinen Boxclub ein großes Box-Zentrum mit mehr als 2.000 Quadratmetern Trainingsfläche, ausgestattet mit modernsten Geräten sowie Räumlichkeiten für Masseure und Physiotherapeuten.

Der Eröffnung wohnten als Ehrengäste unter anderem Fußballer David Alaba, Kickbox-Weltmeisterin Nicole Trimmel und zahlreiche Prominenz aus Wirtschaft und Politik bei. Das Aushängeschild im Boxbereich war damals einzig und allein Marcos Nader. Ab diesem Zeitpunkt stiegen die Mitgliedszahlen des Boxclubs sehr rasch auf rund 800 bis 1.000 Mitglieder an. Von Kurtaj, Rumpler, Mraovic oder Dzambekov war damals noch keine Rede. Hätte sich Daniel Nader damals ausschließlich auf den Breitensport konzentriert, hätte er heute vermutlich ein unbeschwerteres Leben mit weniger Arbeit und höherem Einkommen. Noch heute könnte er sich ohne Probleme auf diese bequemere Position zurückziehen, würde sein sportlicher Ehrgeiz dies zulassen.

Leistungssport hat kein Geld gebracht

Der Aufbau eines Kaders für den Leistungssport hat dem Boxclub Bounce noch nie Geld gebracht, sondern nur Geld gekostet. Daniel Nader hat es dennoch aus Begeisterung für den Boxsport getan. Als einziger in Österreich, gemeinsam mit ÖBV-Sportchef Marius Korner hat er internationale Kurse und Prüfungen auf sich genommen, um die Lizenz zu erhalten, auch bei internationalen Wettkämpfen in der Ringecke stehen zu können.

Ein weiterer Irrtum der Boxer, die jetzt gegen Daniel Nader zu Feld ziehen: Die Bounce Fight Night, die erstmals seit vielen Jahren den österreichischen Boxsport wieder einer breiten Öffentlichkeit zugeführt hat, ist kein Geschäft. Bei einem ausverkauften Haus ohne verschenkte Karten kann Daniel Nader als Veranstalter bestenfalls mit einer schwarzen Null aussteigen. Das finanzielle Risiko für den Fall, dass weniger Zuseher kommen, trägt Nader ganz allein.

Österreichischer Boxverband hat jahrelange Auseinandersetzungen überwunden

Dass so viel Eigeninitiatve in Österreich Neider auf den Plan ruft, ist verständlich. Das Ergebnis waren jahrelange Auseinandersetzungen innerhalb des Österreichischen Boxverbandes, die allerdings nie an die Öffentlichkeit getragen wurden.

Erst dem neugewählten Präsidenten Daniel Fleissner ist es gelungen, die unterschiedlichen Interessen der Landesverbände wieder unter einen Hut zu bringen. Auch damit haben die rebellierenden BoxerInnen nicht gerechnet. Der Vorstandsbeschluss zur lebenslangen Sperre fiel einstimmig. Was bleibt ist ein Scherbenhaufen, dessen Ursache wohl die Gerichte klären müssen. Am Ende ist der Österreichische Boxverband deshalb noch lange nicht. Auch wenn die drei ausgeschlossenen SportlerInnen zu Österreichs Elite gezählt haben. Der Leistungskader des Boxverbandes umfasst noch immer 26 Athletinnen und Athleten.

Dr. Christoph Bruckner war bis zum Jahr 2018 selbstständiger Kommunikationsberater und hat unter anderem den Österreichischen Boxverband, aber auch den Boxclub Bounce beraten. Seit drei Jahren befindet er sich im Ruhestand.

(Ende)
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