pte20000529009 in Forschung
Wandfarben reinigen Luft in Straßentunnels
Atemluft bleibt frei von Kohlenmonoxid
Erlangen-Nürnberg (pte009/29.05.2000/11:00)
Trotz Staus im Straßentunnel zirkuliert saubere Luft statt dem äußerst giftigen Kohlenmonoxid, denn der Wandanstrich fischt das gefährliche Gas aus der Luft. Noch liegt ein solches Szenario in der Zukunft, doch unwahrscheinlich ist es nicht: der Farbe könnten Substanzen beigemischt werden, die dafür sorgen, dass das Atemgift schnell unschädlich gemacht wird.Am Lehrstuhl für Allgemeine und Anorganische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg http://www.chemie.uni-erlangen.de/ hat die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Horst Kisch einen Katalysator entwickelt, der dies bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit leistet. Zusammen mit dem Humboldt-Stipendiaten Dr. Ling Zang ist es dem Team damit gelungen, ein lange ungelöstes Problem zu klären.
Die meisten Katalysatoren arbeiten bei Hochtemperatur, wie z.B. der Dreiwege-Katalysator für Automobile, und es gibt nur wenige Verbindungen, die eine Niedertemperaturoxidation ermöglichen. So ist bekannt, dass verschiedene Edelmetalle die Oxidation von CO bei 30 bis 75°C katalysieren. Die meisten dieser Katalysatoren sind in feuchter Luft allerdings empfindlich gegenüber Oxidation, wodurch ein technischer Einsatz ausgeschlossen ist.
Im Gegensatz dazu ist der in Erlangen entwickelte Katalysator nicht nur in feuchter Luft stabil, sondern besitzt nur unter diesen Bedingungen auch die höchste katalytische Aktivität. So sinkt ein anfänglicher CO-Gehalt von 0,8 Volumsprozent innerhalb von 20 Minuten um die Hälfte, wenn 2,4 Liter dieser stark belasteten Luft mit einer Katalysatorschicht von etwa 40 cm2 bei Raumtemperatur in Kontakt stehen.
Außer reaktiven Wandfarben - auch "Sicherheitsfarben" genannt -, die zur Luftverbesserung in Tiefgaragen und Straßentunnels eingesetzt werden könnten, ist ein breites Feld weiterer Anwendungen denkbar. Interessant wäre beispielsweise die Entfernung von Kohlenmonoxid aus der mit Methanol betriebenen Brennstoffzelle, die in ihrer ansonsten derzeit stürmischen Entwicklung gebremst wird, weil selbst kleine Mengen dieses Gases den Katalysator der kalten Verbrennung vergiften. Auch der Einsatz in Luftfiltern für Wärmekraftwerke, Automobile und Klimaanlagen wäre möglich. Informationen: Prof. Dr. Horst Kisch, E-Mail: Kisch@chemie.uni-erlangen.de (idw) (Ende)
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