pte19971102003 in Business
Skorpiongift verspricht Hilfe gegen Hirntumore
Erste Tierversuche erfolgversprechend
New Orleans (pte) (pte003/02.11.1997/22:15)
Ein Peptid aus dem Gift eines Skorpions könnte zur Grundlage für Medikamente gegen Hirntumoren werden. US-Forscher stellten die Substanz auf dem Weltkongreß der Neurowissenschaftler in New Orleans vor, dessen Schwerpunktthema neue Konzepte gegen diese Karzinome waren.Harald Sontheimer vom Neurobiologischen Zentrum der Universität von Alabama hatte Oberflächeneiweiße von Hirntumorzellen untersucht. Dabei fand er eine typische Eiweißstruktur, die es auf anderen Zellen nicht gibt. Es handelt sich um einen Kanal, der Chlorionen aus der Zelle hinaus befördert. Sontheimer erkannte: Wenn es gelänge, einen Stoff zu finden, der sich gezielt an diese Kanäle bindet, könnte man daraus ein Medikament gegen Hirntumoren entwickeln: eine sogenannte Zauberkugel, die gesunde Zellen verschont, die Tumorzellen aber trifft. Fündig wurde er jetzt im Giftgemisch eines Skorpions.
Schon seit Jahrzehnten suchen Neuroforscher im Gift von Spinnen, Bienen oder Skorpionen nach Substanzen, die bestimmte Prozesse im Nervensystem stören. "Besonders bei Spinnen und Skorpionen hat man solche Stoffe entdeckt, die Ionenkanäle blockieren", erklärt Sontheimer. "Auch das Peptid aus dem Skorpiongift wurde schon vor sechs Jahren entdeckt. Wir haben nun herausgefunden, daß es gezielt an einen für Hirntumoren typischen Kanal bindet." Mit diesem Peptid könnten Ärzte beispielsweise Tumorzellen aufspüren und markieren. Man müßte dazu das Peptid nur mit einer Strahlenquelle verbinden.
Ebenso könnte ein Medikament gegen Tumore entwickelt werden. Das Peptid selbst ist für menschliche Zellen ungiftig. Ein zusätzlicher Giftstoff müßte angehängt werden. Sontheimer hat es bereits getestet: "Wir haben Tumorzellen im Reagenzglas mit einem kombinierten Wirkstoff aus dem Skorpionpeptid und einem Zellgift behandelt. Die Zellen nahmen den Wirkstoff tatsächlich auf und starben. Nun versuchen wir, die Moleküle so zu verbessern, daß sie im Organismus stabil bleiben." Erste Tierversuche sind erfolgversprechend verlaufen. [Quellen: Michael Lange, Harald Sontheimer]
* Englische Wissenschaftler testen Zauberkugel gegen Krebs *
Bei den "Zauberkugeln" wird der Tumor zerstört, indem tödliches Gift in die entarteten Zellen injiziert wird. Die englischen Forscher hoffen mit dieser neuen Therapie die häufigsten Krebserkrankungen um die Hälfte reduzieren zu können. Erste Tests im Labor haben gezeigt, daß diese "Kugeln" Krebszellen in der Lunge und im Darm sowie in der Prostata, den Eierstöcken und der Brust zerstören können. Innerhalb der nächsten 15 Monate sollen die ersten klinischen Versuche mit Darmkrebspatienten beginnen.
Bis dato sind klinische Studien daran gescheitert, daß die Kugeln zwar die Krebszellen lokalisieren konnten, jedoch nicht in sie eindringen und sie zerstören konnten, ohne dabei die gesunden Zellen ebenfalls zu schädigen. Jetzt ist es gelungen, ein Bindungsprotein zu entwickeln, das die Krebszellen isoliert und das bakterielle Gift tatsächlich in diese Zellen einbringt. Das Toxin wurde dafür so verändert, daß sich das Immunsystem bei einer normalen Bakterieninfektion weiterhin noch wehren kann. [Quelle: New Scientist]
* Herzmedikamente können Brustkrebsrisiko steigern *
Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzkrankheiten können das Brustkrebsrisiko erhöhen, belegt eine aktuelle Untersuchung. Die Fachzeitschrift "The Lancet" berichtet von einer Studie mit 3000 Frauen, die nach der Menopause wegen Bluthochdruck oder Herzkrankheiten behandelt wurden. Bei denjenigen, die Medikamente bekamen, die den Kalziumkanal der Zellen blockieren, verdoppelte sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. [Quelle: The Lancet] (Ende)
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