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Ramingstein - Kultur Ansatzpunkt für die Gemeindeentwicklung

"Wer nach seinen Wurzeln forscht, wird den Weg in die Zukunft entdecken"


Ramingstein (pts030/27.12.2000/16:24)

Als eine der finanz- und strukturschwächsten Gemeinden des Landes Salzburg schien die Zukunft kaum bewältigbar, jedenfalls triste und ohne Perspektiven. Das permanente Jammern über das Schicksal ein untauglicher Versuch, den Frust loszuwerden.

Die Erkenntnis, dass eine Lösung niemals von außen erwartet werden kann, sondern im eigenen Bereich gefunden werden muss, war vorerst kaum tröstlich, immerhin aber der realistische Ansatz. Ein Blick in die dörfliche wie regionale Geschichte gibt Aufschluss. Die Bergbauzeit des Mittelalters, wo sich je nach Fündigkeit des begehrten Silbererzes, Blütezeit mit Armut wechselten, riesigen Naturkatastrophen folgten Zeiten der wirtschaftlichen und kulturellen Prosperität. So waren aber schmerzliche Zäsuren stets Ausgangspunkt für neue Entwicklungen.

Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und der daraus entwickelten Kulturprojekte, veränderte auch die Einstellung der Menschen. Plötzlich waren erreichbare Ziele, waren Perspektiven erkennbar. Das Silberbergwerk wurde begehbar gemacht, die historischen Erzwege wieder gefunden, das in Vergessenheit geratene "David-und-Goliathspiel" wiederbelebt. Die Theaterinitiativen, die im heuer preisgekrönten Stück in der alten Papierfabrik ihren Höhepunkt fanden, die parallel dazu eingerichtete Ausstellung "Papier für China", haben nicht nur über die regionalen Grenzen hinaus Beachtung gefunden, sondern eine Aufbruchstimmung erzeugt, die für die Zukunft einiges erwarten lässt

Eine positive Grundstimmung war auch die Voraussetzung, dass sich seit langem wieder junge Leute bei uns ansiedeln. Nicht weniger als 20 Wohnbauten hatten wir in den letzten paar Jahren. Zwei Betriebe haben sich angesiedelt, das bestehende Baustoffwerk ISO-SPAN wird zudem erweitert und damit der Mitarbeiterstand um ein Drittel aufgestockt. Eine derartige Bautätigkeit hat es bei uns noch nie gegeben. Gerade die ständige Abwanderung der jungen Familien konnte gestoppt werden.

Der innovative Geist der Weiterentwicklung, der Einsatz neuer Technologien und die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen, lässt wieder den Wert der kleineren Einheit schätzen.

Eine internationale Tagung im Rahmen des Hertha-Firnberg-Forschungsprojektes "Environmental History: Towards an Understanding of Man's Relation to Nature" der Universität Wien hat im vergangenen Oktober führende Wissenschafter Europas in Ramingstein zusammengeführt, Thema: Interdisziplinäre Brückenschläge zwischen Konzeptionen von Mensch, Gesellschaft und Natur. Eine Publikation darüber ist in Ausarbeitung. Ein Projekt der Kulturlandschaftsforschung "Ramingsteiner Wege" ist in Aussicht gestellt, die nächstjährige Tagung bereits gesichert.

Natürlich sind noch nicht alle Hürden überwunden. Weil trotz enormem persönlichen Einsatz Geld notwendig ist. Immer noch sind wir Bittsteller beim Gemeindeausgleichsfond. Viel zu oft werden Gesetze und Bestimmungen für Städte und Ballungsräume gemacht. Zu hoch sind noch immer die Bundesländergrenzen. Mein mühseliger Kampf beispielsweise, was die Wohnbauförderung betrifft, hatte erst Erfolg, als ich mit dem Gang zum Verfassungsgerichtshof drohte. Bislang war es nicht möglich, dass beispielsweise ein Steirer, wenn er zu uns ins Bundesland Salzburg zog, die Wohnbauförderung erhielt. - Das in einem Europa ohne Grenzen.

Dass Kultur von und für den Menschen ist, hat sich in Ramingstein eindrucksvoll bewahrheitet. So ist sie zum entscheidenden Ansatzpunkt für die Zukunft geworden. Die "Ramingsteiner Wege" sind Zeugnis dafür.

Hans Bogensberger
Bürgermeister (Ende)
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