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Radfahren mit Unterstützung: Ein unterschätzter Hebel für vier Krisen im ländlichen Raum


Vier Krisen im ländlichen Raum (Bild: Harald Maier/ambi)
Vier Krisen im ländlichen Raum (Bild: Harald Maier/ambi)

Hof (pts001/18.02.2026/06:00)

Ländliche Regionen stehen vor mehreren, miteinander verflochtenen Herausforderungen: Junge Menschen wandern ab, Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig, ältere Menschen verlieren an Selbstständigkeit, und gleichzeitig geraten kommunale Budgets zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen sind kein Zufall, sondern Ausdruck sinkender Alltagsqualität im Lebensraum – und sie lassen sich mit klassischen Einzelmaßnahmen nur begrenzt adressieren.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Radfahren mit Unterstützung, vom Alltags-E-Bike bis zum E-Mountainbike, eine neue strategische Bedeutung. Nicht als Sportangebot, sondern als niederschwelliger Hebel, der Bewegung, Mobilität und soziale Teilhabe im Alltag verbindet.

Der entscheidende Perspektivenwechsel liegt dabei nicht in der Frage sportlicher Leistungsfähigkeit, sondern in der Aktivierung breiter Bevölkerungsgruppen. Während klassische Sportprogramme vor allem jene erreichen, die ohnehin bewegungsaffin sind, senkt elektrische Unterstützung Hürden für Menschen, die sonst kaum oder gar nicht in regelmäßige Bewegung kommen. Sie nimmt Angst vor Überforderung, macht Distanzen überwindbar und Bewegung alltagstauglich – auch in hügeligen Regionen und außerhalb urbaner Zentren.

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diesen Effekt. Zwar erreichen konventionelle Radfahrerinnen und Radfahrer häufiger sportliche Intensitätsziele, E-Bike-Nutzerinnen und -Nutzer sind jedoch im Durchschnitt älter, gesundheitlich vorbelasteter und ohne Unterstützung deutlich weniger aktiv. Entscheidend ist daher nicht der Vergleich einzelner Leistungswerte, sondern der Zugewinn an zusätzlicher Bewegungszeit: Radfahren mit Unterstützung aktiviert Menschen, die sonst im Alltag weitgehend bewegungsinaktiv bleiben würden.

Diese Aktivierungswirkung hat unmittelbare Relevanz für zentrale Zukunftsfragen des ländlichen Raums:
- Abwanderung junger Menschen: Lebensqualität entsteht im Alltag. Wo eigenständige Mobilität, Bewegung und Begegnung möglich sind, steigt die emotionale Bindung an den Wohnort.
- Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen: Niederschwellige Radangebote können Bewegungszwang in selbstbestimmte Aktivität verwandeln – insbesondere für Gruppen, die sich vom klassischen Vereinssport abwenden.
- Vereinsamung älterer Menschen: Elektrisch unterstütztes Radfahren verlängert Selbstständigkeit und erhält soziale Teilhabe, ohne zusätzliche Betreuungsstrukturen zu benötigen.
- Dauerhaft knappe Budgets: Präventive Alltagsbewegung wirkt langfristig auf Gesundheits-, Mobilitäts- und Sozialkosten – mit vergleichsweise geringem infrastrukturellem Aufwand.

Das E-Mountainbike ist damit kein Heilsversprechen, aber ein realistisches Werkzeug. Es verbindet gesundheitliche Wirkung, soziale Anschlussfähigkeit und überschaubare Infrastrukturkosten – und eröffnet Gemeinden die Möglichkeit, mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren, ohne neue Abhängigkeiten oder komplexe Förderprogramme.

Das ambi Austrian Mountainbike Institute (ambi) beschäftigt sich mit genau dieser erweiterten Perspektive auf Radfahren mit Unterstützung: als Bestandteil von Lebensraumgestaltung, Gesundheitsprävention und regionaler Entwicklung. Diese Fragen werden unter anderem im Rahmen des Mountainbike Kongress Österreich diskutiert, wo Akteure aus Gemeinden, Regionen, Bildung, Gesundheit und Planung gemeinsam nach alltagstauglichen Lösungsansätzen suchen.

(Ende)
Aussender: ambi austrian mountainbike institute
Ansprechpartner: Harald Maier
E-Mail: office@mountainbike.at
Website: www.mountainbike.at
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