pts19980121007 in Business
Pensions-Monate zum Okkasions-Tarif
Sozialversicherungsträger versuchen, geringfügig Beschäftigte
Wien (pts007/21.01.1998/12:56)
Wien, 22.1. - Börsen-Kurier - Gezielte Desinformation und Behinderung wirft der Börsen-Kurier den österreichischen Sozialversicherungsträgern vor. Es werde versucht, meint das Blatt, geringfügig Beschäftigte davon abzuhalten, durch Einzahlung des Dienstgeberanteils ihren Pensionsanspruch zu sichern.Der Börsen-Kurier nennt konkrete Beispiele für Behinderung:
Während die Sozialversicherungsträger normalerweise Verwal-tungs-Arbeiten auf die Arbeitgeber abwälzen, müssem geringfügig Beschäftigte der Krankenkasse ihren Dienstnehmeranteil persönlich abliefern, ja förmlich aufdrängen. Versuche von Dienstgebern, ihren Angestellten diesen Weg abzunehmen, wurden in konkreten Fällen von der Wiener Gebietskrankenkasse abgeblockt.
Die Formulare für den Dientnehmeranteil sind bei der Wiener Gebietskrankenkasse nur in der Hauptanstalt zu beheben. Zusendung wurde in einem konkreten Fall nicht angeboten.
Eine Aussendung der Krankenkasse in Sachen freiwilliger Sozialversicherung ist so formuliert, daß man den Hinweis auf den Pensionsanspruch leicht übersehen kann. Alles klingt so, als gehe es nur um die Krankenversicherung, die zum Beispiel viele Studenten ohnehin als Mitversicherte bei ihren Eltern ge-nießen.
Der Börsen-Kurier vermutet hinter diesem Vorgehen die Angst der Sozialversicherungsträger, spätestens in 40 Jahren, in manchen Fällen aber auch schon früher, mit vollen Pensionen für die zum Okkasions-Tarif erworbenen Versicherungsmonate geradestehen zu müssen. Die Rechnung des Börsen-Kurier: Dienstnehmeranteil (einschließlich Krankenversicherung) für einen 18-jährigen, geringfügig Beschäftigten Studenten: 522,80 Schilling pro Monat, Nachkauf eines Studienmonats für die Pensionsversicherung durch einen 75-jährigen Mann: 14.172,50 Schilling.
Das ergebe, errechnet der Börsen-Kurier, innerhalb 40 Jahren eine Nettoverzinsung von 9 Prozent, was sich unter Berücksichtigung von Inflation und Kapitalertragssteuer auf 14 Prozent Jahres-Rendite summiere.
Andererseits biete der Verzicht der Dienstnehmer auf ihre Rech-te den Sozialversicherungsträgern einen Windfall-Profit. Sie kassieren die Dienstgeberbeiträge, ohne dafür die (an den Beitrag der Dienstnehmer gekoppelte) Gegenleistung erbringen zu müssen. + + + (Ende)
| Aussender: | Börsen-Kurier / OBSERVER |
| Ansprechpartner: | Dr. Herbert Laszo, Tel. 213 220 |
