Nicht-invasive Neurostimulation bei Alzheimer, Parkinson und Depression: Die Zeit ist reif
TPS, rTMS & Co.: Warum Millionen Betroffene kaum von den modernsten Behandlungs-Verfahren wissen
|
|
Neurostimulation: Wissenschaftlich anerkannt - und doch unbekannt (Bild: Alzheimer Deutschland)
|
Salzburg (pts005/14.05.2026/16:45)
Es herrscht nach wie vor ein deutliches Ungleichgewicht in der Bekanntheit der verschiedenen modernen Therapiewege bei Alzheimer, Parkinson, aber auch für Depressionen: Während die Hoffnungen auf die neuen Alzheimer-Antikörper wie Lecanemab oder Donanemab, vormals entsprechend "gehypt", zunehmend Ernüchterung auslösen, entwickelt sich seit Jahren parallel ein völlig anderes, längst großes medizinisches Feld in Neurologie und Psychiatrie – die verschiedenen Methoden der sogenannten nicht-invasiven Hirnstimulation (kurz aus dem Englischen: NIBS), auch als Neurostimulation bezeichnet. Doch obwohl längst tausende (!) Studien, internationale Forschungsprogramme und etliche spezialisierte Zentren existieren, die diese Methoden erfolgreich anwenden, wissen Millionen Betroffene bis heute kaum etwas darüber.
Genau dies kritisiert nun ein umfangreicher Übersichtsartikel des Informationsportals "Alzheimer Deutschland" von der "Ärztlichen Interessensgemeinschaft TPS". Denn während Begriffe wie "Lecanemab" mittlerweile selbst vielen Laien bekannt sind, bleiben Verfahren wie die Transkranielle Magnetstimulation (TMS), die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) oder die bekannteste unter ihnen, die Transkranielle Pulsstimulation (TPS), für die Öffentlichkeit nach wie vor ein regelrechter blinder Fleck – obwohl sie zu den spannendsten und wirksamsten Entwicklungen der modernen Neuromedizin zählen.
Einige dieser Verfahren sind daher auch längst in den medizinischen Leitlinien angekommen, also wissenschaftlich anerkannt und evidenzbasiert. So empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie "Unipolare Depression" etwa die rTMS (repetitive transkranielle Magnetstimulation) ausdrücklich bei therapieresistenter Depression. Dennoch, so formulierte es Springer Medizin treffend, führe die Magnetstimulation in Deutschland "noch immer ein Schattendasein".
Tausende Studien, große Behandlungserfolge – und dennoch kaum öffentliche Bekanntheit
Die moderne nicht-invasive Hirnstimulation basiert auf einem Grundgedanken, der in den Neurowissenschaften längst angekommen ist: Das Gehirn ist kein statisches Organ. Es ist plastisch, regulierbar und sogar regenerationsfähig. Genau deshalb beschäftigen sich weltweit mittlerweile tausende wissenschaftliche Studien mit den verschiedenen Verfahren der nicht-invasiven Neurostimulation – etwa bei Alzheimer, Parkinson, Depressionen, Schlaganfällen, chronischen Schmerzen oder Long Covid.
Besonders stark in den Fokus gerückt ist dabei in den vergangenen Jahren die Transkranielle Pulsstimulation (TPS). Die 2018 CE-zugelassene Stoßwellen-Methode mit dem System Neurolith arbeitet nicht mit Strom oder Magnetfeldern, sondern mit ultrakurzen fokussierten Stoßwellen-Impulsen, die tief und präzise in das Gehirn eindringen können. Über den biologischen Mechanismus der sogenannten Mechanotransduktion sollen dabei neuronale Netzwerke aktiviert sowie regenerative und neuroplastische Prozesse angeregt werden. Was erst einmal kühl und technisch klingt, ist für die Patienten real eine angenehme Behandlungsmethode: Sie wird rein ambulant durchgeführt, dauert gerade mal 30 Minuten, und – dies zeigen auch die klinischen Studien – hat im Gegensatz zu den neuen Medikamenten keinerlei relevante Nebenwirkungen.
Mittlerweile wird die TPS-Therapie vor allem in Deutschland, aber auch weltweit in spezialisierten Zentren mit rasch steigender Tendenz eingesetzt und hat sich – auch durch Fernsehberichte, wissenschaftliche Veröffentlichungen, internationale Kongresse sowie die Arbeit der "Ärztlichen Interessensgemeinschaft TPS" des Informationsportals "Alzheimer Deutschland" – wohl zum bekanntesten Verfahren der modernen nicht-invasiven Hirnstimulation entwickelt. Dennoch wissen viele Betroffene bis heute kaum, dass solche Therapieoptionen überhaupt existieren.
Zentrale Frage von Patienten und Angehörigen: "Warum haben wir nicht früher davon erfahren?"
Nach Angaben von "Alzheimer Deutschland" zählt genau diese Frage zu den häufigsten Reaktionen von Betroffenen und Angehörigen. Denn obwohl die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) mittlerweile deutlich bekannter geworden ist, erfahren viele Patienten oft erst spät – und oft per Zufall - von Behandlungsmöglichkeiten dieser Art. Auch die meisten Hausärzte, meist erste Ansprechpartner im Falle von einer Demenz- oder anderen neurophysiologischen Erkrankung zeigen sich bislang kaum informiert.
Dabei arbeiten immer mehr renommierte Kliniken und Facharzt-Praxen mit der TPS (allein im deutschsprachigen Raum sind es an die 100 Kliniken und Praxen), die dieser rein ambulanten Behandlungsmethode, hohe, auch dauerhafte Erfolgsquoten bescheinigen, die sich mit den Ergebnissen der ebenfalls rasch zunehmenden Studienlage decken. Einige der Wissenschaftler und Anwender kommen im Artikel entsprechend auch zu Wort.
Gesundheitssysteme unter Druck – und dennoch spielen die NIBS politisch kaum eine Rolle
Der Grundsatz-Artikel kritisiert jedoch nicht nur die mangelnde öffentliche Präsenz, sondern auch die augenscheinliche gesundheitspolitische Ignorierung vieler NIBS-Verfahren. Denn bemerkenswert ist: Obwohl manche NIBS-Methoden eben längst in den Leitlinien angekommen sind, werden deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen bis heute nicht oder nur sehr eingeschränkt in Sonderfällen übernommen. Private Krankenversicherungen zeigen sich hier mittlerweile deutlich offener und scheinen erkannt zu haben, dass der möglichst lange Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität ihrer Versicherungsnehmer langfristig auch ihnen selbst erhebliche Folgekosten vermeiden kann.
Warum die nicht-invasive Hirnstimulation trotz tausender Studien, wachsender klinischer Erfahrung und zunehmender internationaler Bedeutung in Fachkreisen dennoch ein solches Schattendasein führt, bleibt eine offene Frage. Ob hierbei möglicherweise auch die wirtschaftliche und politische Macht anderer Bereiche der Gesundheitsindustrie beziehungsweise ein genereller Lobbyismus eine Rolle spielt, darüber kann jedenfalls spekuliert werden.
Gerade angesichts explodierender Pflegekosten, überlasteter Gesundheitssysteme und dramatisch steigender Erkrankungszahlen erscheint die derzeitige Situation jedoch zunehmend kurzsichtig. Denn auf Dauer könnten die verschiedenen Neurostimulations-Verfahren nicht nur Millionen betroffenen Patienten helfen, Symptome zu reduzieren, Selbstständigkeit länger zu erhalten und Krankheitsverläufe zu verlangsamen – sie wären auch dazu geeignet, die Gesundheitssysteme, die Pflege - und auch die hunderttausenden Angehörigen, die ihre Familienmitglieder zu Hause pflegen, deutlich zu entlasten.
NIBS: Ein Bruchteil der Kosten von Lecanemab – bei spürbarer Wirksamkeit bei den Patienten
Während moderne Antikörper-Therapien wie Lecanemab, von denen die Patienten bekanntermaßen nichts spüren, Kosten von rund 30.000 Euro pro Jahr und Patient verursachen können – notwendige MRT-Kontrollen und Begleitmaßnahmen noch nicht eingerechnet – bewegt sich etwa die TPS-Therapie derzeit meist in einem Bereich von rund 2.000 bis 3.000 Euro. Gleichzeitig kostet ein Pflegeheimplatz in Deutschland Betroffene mittlerweile durchschnittlich rund 4.000 Euro - an Eigenanteil pro Monat, wohlgemerkt. Nicht selten müssen Angehörige deshalb ihre finanziellen Ersparnisse auflösen und Haus und Hof verkaufen. Wenn das nicht mehr reicht, muss der Sozialstaat übernehmen - ein Faß ohne Boden. Genau deshalb stellt "Alzheimer Deutschland" eine zentrale gesellschaftliche Frage: Wie lange kann es sich unsere Gesellschaft eigentlich noch leisten, moderne Neurostimulationsverfahren weiterhin so konsequent zu übersehen?
Was Neurostimulation beziehungsweise nicht-invasive Hirnstimulation (NIBS) überhaupt ist, wie weit der Stand der Forschung ist, was Experten fordern, weshalb immerhin bereits zehntausende Patienten von Therapien wie der TPS profitieren konnten und woran es derzeit noch mangelt, lesen Sie auf "Alzheimer Deutschland": www.alzheimer-deutschland.de/aktuelles/beitraege/neurostimulation-alzheimer-parkinson-depression-die-zeit-ist-reif
(Ende)| Aussender: | Ärztliche Interessensgemeinschaft TPS - Alzheimer Deutschland |
| Ansprechpartner: | Katja C. Schmidt |
| Tel.: | +49 1579 24 54 388 |
| E-Mail: | info@alzheimer-deutschland.de |
| Website: | www.alzheimer-deutschland.de |
