pts20161014021 Unternehmen/Wirtschaft, Umwelt/Energie

EEÖ: Keine Versorgungssicherheit durch Atomstrom

Österreichs Antiatompolitik braucht 100 Prozent Ökostrom bis 2030


Wien (pts021/14.10.2016/15:00) Der EEÖ zeigt bei der heutigen Pressekonferenz auf, wie rasch Österreich von einem einstigen Stromexportland zu einem Stromimportland geworden ist, und dabei vor allem aus Deutschland und Tschechien Strom importiert. Aus einem Stromimportüberschuss im Jahr 1980 von 12,3 % wurde 2015 ein Nettostromimport von 16,4 % des gesamten Inlandsstromverbrauchs über rund 10 TWh. "Damit übersteigen die Stromimporte die seit 2003 in Österreich ausgebaute Ökostrommenge aus Kleinwasserkraft, Wind, Biomasse, Biogas und Photovoltaik von 9,2 TWh", kritisiert Peter Molnar, Geschäftsführer des EEÖ. Rund 800 Mio Euro werden pro Jahr für die Netto-Stromimporte aus Deutschland und Tschechien bezahlt.

Während Österreichs Anti-Atombewegung gegen den Ausbau grenznaher AKW rund um Österreich protestiert steigen die Importe aus grenznahen Kohle- und Atomkraftwerken nach Österreich in den letzten Jahren dramatisch an. Auch die Kohlestromimporte verlagern nur das CO2-Problem ins Ausland und untergraben die Glaubwürdigkeit der österreichischen Klimaschutzpolitik. Der Abbau der Stromimporte bis 2030, der zusätzliche Strombedarf für die E-Mobilität und industrielle Verfahrensumstellungen erfordert eine wesentliche Erhöhung des Ausbautempos aller erneuerbaren Stromerzeugungstechnologien. Die Versorgungslücke von derzeit 16,4 % würde bei derzeitigen Ökostrom-Zubauraten auf circa 40 % bis 2030 ansteigen. Eine derartig hohe Importabhängigkeit steht im krassen Gegensatz zu den Autarkiebestrebungen der österreichischen Bundesländer.

"Österreichs Autofahrer haben ein Recht darauf, dass ihre zukünftigen Elektro-Autos nicht mit importiertem Atom- oder Kohlestrom betrieben werden", meint Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie. Der Ersatz der bisherigen Stromimporte durch österreichischen Ökostrom kann auch die notwendigen Anti-Atominitiativen der Bundesregierung, des Parlaments, der Bundesländer und der Zivilgesellschaft unterstützen.

"Das derzeitige System der Stromkennzeichnung in Österreich führte nur zu einem Ablasshandel mit skandinavischen Herkunftsnachweisen", kritisiert Erwin Mayer, stv. Geschäftsführer des EEÖ. Die vom Strom getrennt handelbaren Wasserkraft-Zertifikate geben leider keine Auskunft über die wahre Herkunft des Stromes. Es werden nur Wasserkraftzertifikate als "Feigenblätter" aus Norwegen und Schweden zu Dumpingpreisen nach Österreich importiert. Daher ist Österreich alles andere als "atomstromfrei".

"Die anstehenden Novellen des Ökostromgesetzes werden daran zu messen sein, wie weit sie geeignet sind den Ökostromausbau in Österreich weiter zu beschleunigen und die Versorgungslücke zu schließen", so der EEÖ abschließend.

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