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pts20160830042 Medizin/Wellness, Sport/Events

Neue Studien zeigen: Alkohol schützt Herz und Gefäße doch nicht

Keine Hinweise auf Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall


Rom/Beer Sheva/Kopenhagen/ Wien (pts042/30.08.2016/14:30) "Eine Reihe von neuen Studien kommen zum Ergebnis, dass niedriger bis moderater Alkoholkonsum offenbar doch keine herz- und gefäßschützende Funktion hat", berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger (KH Rudolfstiftung, Wien), Pressesprecher der Österreichischen Kardiologengesellschaft (ÖKG) vom Europäischen Kardiologenkongress (ESC).

So zeigte eine über 20 Jahre laufende dänische Studie mit fast 19.000 Krankenschwestern ("The danish nurses'cohort study") nach der Bereinigung um Gesundheits-, Lebensstil- und psychosoziale Faktoren keine Hinweise auf einen signifikanten günstigen Zusammenhang zwischen niedrigem oder moderatem Alkoholkonsum und der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Kombinierter Endpunkt war die Schlaganfall-, Herzinfarkt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Prof. Weidinger: "Die Studienautoren fanden auch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigem bis mittlerem Alkoholkonsum mit den separaten Endpunkten Schlaganfall und Herzinfarkt."

Ausgewertet wurden Fragebögen zum individuellen Alkoholkonsum in Kombination mit dem dänischen Diagnose-spezifischen Krankenhausentlassungs-Register, Todesursachen und Gesundheitsstatus.

Keine signifikante Wirkung auf Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader oder Gefäßwand-Volumen

Eine auf dem ESC-Kongress präsentierte Studie aus Israel und den USA untersuchte den Einfluss moderaten Alkoholkonsums auf das Fortschreiten der Atherosklerose der Halsschlagader (Carotis) bei Patienten mit gut kontrolliertem Diabetes Typ 2, die ansonsten keinen Alkohol zu sich nahmen. Während der zweijährigen Untersuchungsdauer der CASCADE-Studie wurden die Probanden in drei Gruppen aufgeteilt und erhielten täglich entweder 150 Milliliter Mineralwasser, Weißwein oder Rotwein. Alle Studienteilnehmer unterzogen sich einer mediterranen Diät ohne Beschränkung der Kalorienzahl.

Zu Studienbeginn und nach zwei Jahren wurden das Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader und das Gefäßwandvolumen mittels 3D-Ultraschall gemessen. Es lagen verwertbare Ultraschall-Bilder von 174 Patienten vor, bei der Erstuntersuchung wurden bei 55 Prozent Plaque in der Halsschlagader gefunden. Das durchschnittliche Gesamt-Plaque-Volumen veränderte sich in der Gesamtgruppe nicht signifikant, ebenso wenig in den Kontrollgruppen. Allerdings ergab eine Detailanalyse der 78 Patienten mit zu Studienbeginn feststellbarer Plaque, dass im Drittel mit der stärksten Plaque der Weinkonsum mit einer etwas stärkeren Plaque-Reduktion assoziiert war. Bezüglich des Gefäßwand-Volumens zeigten sich keine signifikante Veränderungen in den drei Gruppen.

"Wir konnten in unserer zweijährigen Studie keine signifikante Wirkung des Weinkonsums auf die Gesamt-Plaque-Volumen der Halsschlagader oder das Gefäßwand-Volumen in der Gesamtgruppe feststellen", so die Studienautoren zusammenfassend. "Der schwache Hinweis auf die etwas stärkere Verringerung des Gesamt-Plaque-Volumens der Halsschlagader durch Weinkonsum bei den Patienten, die zu Studienbeginn das größte Plaque-Volumen aufwiesen, sollte in größeren Studien weiter untersucht werden."

"Es gibt seit mehreren Jahren immer wieder Untersuchungsergebnisse über den möglicher Weise günstigen Einfluss eines moderaten Konsums unterschiedlicher alkoholischen Getränken, speziell von Wein, auf die Herz- und Gefäßgesundheit. Andere Studien wiederum bestätigten diese günstige Wirkung nicht, die Datenlage ist also widersprüchlich. Eine eventuell ungünstige Wirkung maßvollen Weintrinkens auf die Herzgesundheit ließ sich allerdings auch nicht zweifelsfrei belegen. Ungeklärt sind auch die oft behaupteten Mechanismen eines möglichen Herzschutzes, die manchmal auf den Alkohol selbst, dann wieder zum Bespiel auf sekundäre Pflanzeninhaltstoffe der Traube zurückgeführt werden", so Prof. Weidinger. "Wer also für seine Herz- und Gefäßgesundheit etwas Positives tun möchte, braucht dafür keinen Alkohol zu trinken. Starker Alkoholkonsum kann sich negativ auf viele Organe auswirken, auch auf das Herz, und sollte deshalb vermieden werden."

Quellen: J. Heberg et al.: Low to moderate alcohole consumption ist not associated with a reduction in cardiovascular events - The danish nurses'cohort study; R. Golan et al.: The effect of moderate wine intake on carotid atherosclerosis in type 2 diabetes; a 2-jear intervebtion study

(Ende)
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