pte20091027025 in Business

Finanzprodukte: Banken haben nichts dazu gelernt

Mehr Transparenz und Verbesserung der Beratungsqualität gefordert


Arbeiterkammer für mehr Anlegerrechte (Foto: RainerSturm)
Arbeiterkammer für mehr Anlegerrechte (Foto: RainerSturm)

Wien (pte025/27.10.2009/12:10) "Viele Finanzprodukte, die ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers von den Banken auf den Markt gebracht werden, sind noch immer sehr kompliziert, teils intransparent und versprechen in der Realität oft nicht das, wofür sie beworben werden." Zu diesem Schluss gelangt Harald Glatz von der Österreichischen Arbeiterkammer http://www.arbeiterkammer.at anlässlich der präsentierten Untersuchung von acht neuen Spar- und Veranlagungsprodukten. Da Verbraucherbeschwerden zunehmen, fordert Glatz von den Banken eine bessere Beratung.

Produkte selbst für Bankangestellte undurchschaubar

"Gespräche mit Bankangestellten, die tagtäglich mit Kunden im Gespräch sind und Produkte vertreiben, haben gezeigt, dass selbst sie die Finanzkonstruktionen häufig nicht verstehen. So bleibt letztlich der Kunde auf der Strecke", sagt Glatz im pressetext-Gespräch. Der Fachmann verweist darauf, dass Konsumenten zwar mit der Einfachheit, Kapitalgarantie und einer hohen Verzinsung angelockt werden. Die Realität schaue aber anders aus. Der Anlegerschutz sollte danach mit mehr Rechten und einer anbieterunabhängigen Beratung stark verbessert werden. Dies bezieht sich sowohl auf die Produktkosten als auch auf die zu Grunde liegenden AGB.

Dokumentationspflichten und Finanzproduktampel im Gespräch

Ausführliche Dokumentationspflichten, wie sie ab 2010 für Gespräche mit Kunden geplant sind (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090827029/), hält Glatz hingegen für ein "zweischneidiges Schwert". Vielmehr denke man an eine Kennzeichnungspflicht, die in Form einer Ampel konsumentennah auf Spekulationsrisiken bei Finanzprodukten hinweist. "Standardisierte Produktinformationen wären gut. Diese müssen für Laien aber verständlich sein. Man gewinnt sonst den Eindruck, die Banken hätten nichts dazu gelernt", meint Glatz.

Um mehr Rechte für die Anleger realisieren zu können, fordert die Arbeiterkammer auch die möglichst rasche Umsetzung von Gruppen- bzw. Sammelklagen, die in Österreich bereits für das kommende Jahr angekündigt sind. Gruppenklagen bieten den Vorteil, dass sich mehrere Konsumenten zusammenschließen können, um gemeinsam und damit kostengünstiger gleiche oder gleichartige Ansprüche gegen dasselbe Unternehmen einzuklagen. Auf diese Weise wäre es möglich, dass Konsumenten zukünftig direkt und ohne Umwege ihre Ansprüche einklagen könnten und diese nicht mehr wie bisher an einen Kläger wie die Arbeiterkammer oder den Verein für Konsumenteninformation http://www.vki.at abtreten müssten.

(Ende)
Aussender: pressetext.austria
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