Seltene Insel-Spezies deutlich unterschätzt
Biodiversität auf Inseln schlägt Festland neun zu eins
Bonn (pte032/13.05.2009/13:50) Seltene Tiere und Pflanzen, die auf Inseln leben, sind mehr denn je vom Aussterben bedroht, denn bisherige Bemühungen die Artenvielfalt auf den Eilanden zu erhalten, sind im Vergleich zum Festland zu gering gewesen. Ein Forscherteam der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de und Kollegen von der University of California in San Diego http://www.ucsd.edu berichten nun im Wissenschaftsmagazin PNAS, wie wertvoll die Natur dort ist. Vergleicht man die biologische Vielfalt der Inseln mit dem Festland, beträgt das Verhältnis neun zu eins für die Eilande.
"Etwa 70.000 Pflanzenarten leben auf den ozeanischen Inseln. Das entspricht in etwa einem Viertel der weltweit rund 315.000 bekannten Arten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Inseln aber nur vier Prozent der gesamten Landfläche der Erde umfassen, ist der Anteil beträchtlich", so Studien-Leitautor Gerold Kier von der Universität Bonn im pressetext-Interview. "Spitzenreiter unter den Inseln ist das knapp 20.000 Quadratkilometer große Eiland Neukaledonien im Südpazifik." Hier leben 3.270 Pflanzenarten. Davon sind 2.432 endemisch - das heißt sie kommen weltweit nur dort vor. "Insgesamt 14 ozeanische Inselgruppen haben wir genau unter die Lupe genommen", erklärt Kier. "Karten wie unsere hatte es bislang nur für einzelne Kontinente gegeben", so der Experte. "Inseln sind zwar schon seit Charles Darwin für ihre einmalige Pflanzen- und Tierwelt bekannt. Aber es fehlte bislang an einer weltweiten Analyse, die ihren Wert im Hinblick auf den Naturschutz mit Kontinenten vergleicht", meint Studien Co-Autor Holger Kreft von der University of California in San Diego.
"Die auf Inseln so einmalig ausgeprägte Vielfalt wird insbesondere durch eingeschleppte Tier und Pflanzenarten verdrängt", so Kier. Mit der Einschleppung steigen zwar die Artenzahlen, dadurch nehme auch die Vielfalt zu. Das bedeute aber nicht, dass auch der Wert steige. "In Hawaii wurden beispielsweise 861 Arten eingeschleppt. Im selben Zeitraum sind allerdings 106 Pflanzen ausgestorben, von denen 90 Prozent ausschließlich auf der Inselgruppe vorkamen", rechnet der Forscher vor. Der von Forschern verwendete Biodiversitäts-Index misst das Verhältnis der selten vorkommenden Spezies im Vergleich zu jenen, die weltweit häufig vorkommen. "Das ist so als vergleiche man ein den Wert eines Spezialitätenlokals mit jenem einer Fastfood-Kette", so Kier. Für Hawaii bedeute das, dass der Biodiversitäts-Wert trotz der Zunahme der Arten drastisch gefallen sei.
"Wir haben jetzt neue, wichtige Daten an der Hand, aber weiterhin keine einfachen Patentrezepte für den Naturschutz", meint Kreft. "Insbesondere müssen wir die Frage beantworten, wie sich Schutzgebiete in ihrer Tier- und Pflanzenwelt am besten gegenseitig ergänzen können. Auch Leistungen der Ökosysteme, etwa ihre Fähigkeit zur Bindung von CO2 oder ihre Beiträge zum großräumigen Wasserhaushalt, sollten verstärkt berücksichtigt werden." Es mache aber keinen Sinn, Schutzbestrebungen jetzt nur einseitig auf Inseln zu konzentrieren, denn drei Viertel aller Pflanzenarten entfallen weiterhin auf das kontinentale Festland. "Dennoch sollten Inseln besondere Aufmerksamkeit beim Artenschutz genießen", meint Kier abschließend im pressetext-Interview.
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