pts20070515019 Bildung/Karriere, Forschung/Entwicklung

Die Raketenwissenschaftler - internationaler Schüler-Wettbewerb

Abschluss des Wissenschaftswettbewerbs "Innovative Technologien bewegen Europa"


Oberhausen (pts019/15.05.2007/11:11) Bei der Abschlussveranstaltung des Wissenschaftswettbewerbs überzeugen die Schülerteams durch ausgereifte Technik und Originalität. Pinkwart: "Die Internationalität zeichnet diesen Wettbewerb gegenüber "Jugend forscht" aus."

Eine elektrische Fliegenfalle als Zündungsmechanismus, Bestandteile alter Fahrräder für eine Energie erzeugende Treppe oder eine Computermaus als Schwingungsmesser: Dies sind nur einige Beispiele der Kreativität der Schüler auf der Abschlussveranstaltung des internationalen Schüler-Wettbewerbs "Innovative Technologien bewegen Europa". Der gemeinsam von Science on Stage Deutschland e.V. und dem Oberhausener Unternehmen Lenord + Bauer ins Leben gerufene Wettbewerb verfolgt das Ziel, Schüler mit ungewöhnlichen Projekten für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern - Bereiche, in denen bundesweit ein akuter Fachkräftemangel herrscht. So präsentierten denn auch die Teilnehmer aus Lemgo, Leverkusen, Oberhausen und Borken, aber auch aus den Niederlanden, Belgien und der Tschechischen Republik am 11. Mai vor stimmiger Kulisse im Rheinischen Industriemuseum Oberhausen die Ergebnisse ihrer monatelangen Tüftelarbeit.

Mit Volldampf und Getöse voraus

Die Schüler konnten zwischen drei Aufgabenstellungen wählen: entweder sie entwarfen ein Fahrzeug, das sich nur mit der Hilfe von einem Liter Wasser antreibt, stellten chaotische Bewegung in einem System ihrer Wahl dar oder bauten ein funktionierendes Modell einer Anlage, das regenerative Energie in Strom umwandelt. Alles selbst erdacht und konstruiert - und in englischer Sprache vorgestellt, damit auch die Konkurrenz aus dem europäischen Ausland alles versteht. Entsprechend begeistert zeigte sich auch Professor Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie: "Der Reiz dieses Wettbewerbs liegt darin, dass sich die Schüler mit Naturwissenschaft und Technik beschäftigen. Und wenn sie dann auch noch solche Ergebnisse erzielen, wie wir sie hier sehen - so vermittelbar! - dann ist das die Voraussetzung dafür, dass wir als Land der klugen Köpfe eine Zukunft haben. Das ist genau das, was wir wollen." Diese Einschätzung teilte auch die hochkarätig besetzte Jury: Den Damen und Herren um Dr. Wolfgang Welz von der Bezirksregierung Köln und Dr.-Ing. Wolfgang Brockerhoff aus dem Fachbereich Elektrotechnik der Universität Duisburg-Essen fiel die Entscheidung sichtlich schwer.

Schließlich konnten sie aber doch für alle drei Kategorien einen Gewinner bekannt geben: In der Kategorie "Fahrzeug" gewann das Team des Borkener Gymnasiums Remigianum. Ihre wasserbetriebene Straßenrakete überzeugte durch eine ausgefeilte Steuerung und eindrucksvoll sowie lautstark zurückgelegte vier Meter Wegstrecke auf dem Boden des Industriemuseums. Trotzdem zeigte sich der 20-jährige Johannes Hoppenau aus dem Borkener Team zu Beginn der Veranstaltung noch zurückhaltend: "Unser Fahrzeug ist unserer Meinung nach zwar super, aber wir kennen die Kriterien der Jury ja nicht so gut. Letztes Jahr sind wir mit einer guten Idee schließlich auch zweite geworden." Diese Zurückhaltung ist nach der Bekanntgabe des Sieges jedoch verschwunden: "Es war ja gestern schon toll, als unsere Rakete das erste Mal gefahren ist, aber der erste Platz heute toppt das noch um Längen!", begeistert sich Hoppenau. Auch sein Teamkollege Tobias Finke freut sich über den Erfolg. Im Zuge des Wettbewerbs lernte er das Unternehmen Lenord + Bauer kennen und bewarb sich erfolgreich für eine Ausbildung bei dem Automatisierungsspezialisten in Kombination mit einem Maschi-nenbau-Studium. "Einen Gehaltsbonus bekomme ich wahrscheinlich nicht", grinst Finke, "aber durch meine Teilnahme hier habe ich ja auch noch mal gezeigt, wie viel Interesse ich wirklich an Technik habe. Und das kann meiner Ausbildung ja nicht schaden."

Das Treppenkraftwerk

Gleich zwei Erstplatzierte gab es in der Kategorie "Chaos". Zwei Schülerinnen des Lemgoer Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums gewannen mit ihrer Idee des chaotischen Wasserrades: Rund um eine aufrecht stehende Fahrradfelge hatten die Tüftlerinnen Schälchen mit kleinen Löchern im Boden befestigt. Von oben strömte stetig Wasser auf die Konstruktion und setzte das Rad irgendwann in Bewegung. Durch die Löcher leerten sich die Schalen jedoch immer wieder - das Rad blieb stehen - um dann vielleicht in die andere Richtung wieder loszulaufen. Chaotisch eben. Ebenfalls Erste in dieser Kategorie wurden die Schüler aus Prag mit ihrer simplen und dadurch gut nachvollziehbaren Chaos-Darstellung: An den Rand eines Zahnrades hatten sie eine Metallfeder montiert, an deren Ende ein Tennisball hing. Wurde das Rad in Bewegung gesetzt, pendelte der Tennisball unvorhersehbar in alle Richtungen.

Gleich zwei Siege - den in der Kategorie "Energie" und auch den Gesamtsieg - errang das Team aus Belgien. Die drei Schüler entwarfen eine Treppe mit beweglichen Stufen - wie bei einem Stepper aus dem Fitness-Studio. Trat man auf die Stufen, so senkten sie sich bis in die Waagrechte herab und trieben dabei über Fahrradketten unterhalb der Treppe einen Generator zur Stromerzeugung an. "Da kann man nichts machen", resümierte Marc Meierkord vom zweitplatzierten Team des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums aus Lemgo. "Ihr Projekt ist wirklich überragend, und deshalb haben sie den Sieg auch ehrlich verdient." Sein Teamkollege Lars Künkel kann das nur bestätigen: "Uns ging es ja nicht hauptsächlich um den Sieg. Das Tolle an diesem Wettbewerb ist ja, dass man alleine tüfteln und bauen kann, ohne - wie im Unterricht - für alles eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung zu haben."

Pinkwart lobt Internationalität

Diese künstlerische - oder eher technische - Freiheit fasziniert offenbar alle Teilnehmer gleichermaßen: Nach der Abschlussveranstaltung im vergangenen Jahr ruhten sich die Gesamtsieger des Wettbewerbs vom Leverkusener Landrat-Lucas-Gymnasium nicht etwa auf ihren Lorbeeren aus, sondern verbesserten ihr Projekt stetig weiter. So konnten sie beim diesjährigen Abschluss außer Konkurrenz ihr sehr professionell anmutendes, verbessertes Rasterkraftmikroskop vorstellen, mit dem sie soeben Landessieger bei "Jugend forscht" geworden sind. Nun hoffen sie auf den Sieg beim Bundeswettbewerb vom 17.-20. Mai. Ein weiteres Zeichen dafür, dass "Innovative Technologien bewegen Europa" den Vergleich mit "Jugend forscht" durchaus nicht scheuen muss, wie schon Peter Langer vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW im Jahr 2006 bekannt gab. In diesem Jahr stellte Minister Pinkwart den Oberhausener Wettbewerb sogar ausdrücklich in den Vordergrund: "Das Spannende hier ist doch auch die Internationalität. Damit hebt sich dieser Wettbewerb sogar noch von "Jugend forscht" ab."

Projekt-Koordination
Lenord + Bauer
Björn Schlüter
Dohlenstr. 32
46145 Oberhausen
Tel.: 0208 9963-315
http://www.lenord.de
bschlueter@lenord.de

Science on Stage Deutschland e.V.
Stefanie Zweifel (Geschäftsführerin)
In den Kurfürstenhöfen
Poststr. 4/5
10178 Berlin
Tel.: 030 400067-40
http://www.science-on-stage.de
s.zweifel@science-on-stage.de

(Ende)
Aussender: pts - Presseinformation (D)
Ansprechpartner: Michael Bokelmann
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