pte20030911023 in Leben

Wissenschaft braucht Geld vom Bund

Seit Juni konnte FWF keine Projekte mehr bewilligen


Wien (pte023/11.09.2003/14:10) Dem Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) http://www.fwf.ac.at fehlen ca. 30 Mio. Euro, um 2003 ausgeglichen bilanzieren zu können. Im Gegensatz zum Vorjahresbudget von 92,2 Mio. Euro muss der FWF in diesem Jahr mit 75,9 Mio. Euro auskommen. Seit Jahresbeginn wurden 639 Neuanträge gestellt, mehr als im gesamten Jahr 2000. Als Folge des Finanzlochs konnten jedoch seit Juni keine neuen Projekte mehr bewilligt werden. "Es muss etwas passieren, sonst wird Österreichs Forschung schweren Schaden nehmen", unterstrich FWF-Präsident Georg Wick heute, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz seine Forderung nach höheren Bundesmitteln.

Neben Wick drückten auch noch die Molekularbiologin Andrea Barta, der Pharmakologe Michael Freissmuth, der Mediziner Rudolf Valenta, der Physiker Anton Zeilinger, der Historiker Walter Pohl und der Genetiker Josef Penninger ihre Besorgnis zur Situation der Forschungsförderung aus. "Gute Leute sind flexibel. Sie gehen dorthin, wo sie arbeiten können", erklärt der Physiker Zeilinger. "Wenn es nicht gelingt, kontinuierliche Perspektiven zu schaffen, werden sich immer mehr junge Leute entmutigt abwenden." Abwenden bedeutet für junge Wissenschafter oft, den Schritt ins Ausland zu wagen oder einen finanziell attraktiven Posten in der Industrie anzutreten.

Doch auch die Infrastruktur leidet am Geldmangel. So musste die Aktion zur Ergänzung der Grundausstattung, eine Maßnahme zur Verbesserung der Infrastruktur von Forschungsstätten, in die 2002 noch 4,34 Mio. Euro geflossen waren, 2003 eingestellt werden. Und für künftig anstehende Projekte wie das Programm "Translational Research", in dessen Rahmen erfolgversprechende Ideen aus der Grundlagenforschung in nutzbringende Anwendungen verarbeitet werden sollen, sehe es aufgrund der finanziellen Lage des FWF ebenfalls nicht besonders gut aus.

Handlungsbedarf sieht nicht nur der FWF, sondern auch eine Vielzahl österreichischer Wissenschafter, was durch das enorme Echo auf eine Resolution des Pharmakologen Freissmuth bewiesen wird. Seine am vergangenen Freitag gestartete Kampagne, in der er die Wahrung der Unabhängigkeit des FWF, eine adäquate finanzielle Ausstattung und eine adäquate jährliche Steigerung des Budgets, welches im internationalen Vergleich viel zu niedrig dotiert sei, fordert, wird österreichweit bereits von mehr als 1.500 Wissenschaftern unterstützt.

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