Krebs-Experte: Aushungern von Tumoren hat bald Klinikreife
Chemische Gifte verursachen weiterhin die meisten Krebsarten
Heidelberg (pte024/04.04.2001/12:22) Das Aushungern von Tumorzellen kann nach Aussagen des Präsidenten der Abteilung Experimentelle Krebsforschung (AEK) der Deutschen Krebsgesellschaft http://www.krebsgesellschaft.de , Helmut Gabbert, in wenigen Jahren in Kliniken angewandt werden. "Diese Methode im Kampf gegen Krebs wird in ein paar Jahren Klinikreife haben", so Gabbert. Die Antiangiogenese sei der erfolgversprechendste Ansatz in der Krebsforschung. Dahinter stehe das Wissen, dass jeder Tumor ein Gefäßnetz braucht, das ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Erste vorklinische Studien seien bereits gelaufen".
Als sehr erfolgversprechend bezeichnet der Wissenschaftler auch andere Ansätze der Krebsbehandlung. Dazu zählt zum Beispiel das Forschungsgebiet der "Apoptose" , einer Art "Selbstmord-Programm" von Körperzellen. "Vielversprechend für die Chemotherapie, gentechnisch aber noch Zukunftsmusik". Hintergrund ist der Schutzmechanismus von Körperzellen, den sie gegen genetische Schädigungen haben und das Tradieren des Defektes über Generationen verhindert. Die Störung dieses Programms der Körperzellen sei ein wesentlicher Grund, warum viele Tumore auf die Chemotherapie nicht reagieren, erklärt der Krebsexperte. Diesen Mechanismus gelte es also während der Chemobehandlung mit anzustoßen.
Der Experte dämpfte zugleich aber auch übersteigerte Erwartungen an die Gentherapie für Krebskranke. "Derzeit gibt es erst 360 Studien weltweit. Bis Gentherapie in die Nähe einer Standardtherapie kommt, müssen wir uns noch fünf bis zehn Jahre gedulden." Die Wissenschaftler stünden derzeit vor dem Problem, wie sie ein gesundes Gen an die "richtige" Stelle des krebs-defekten Gens bringen können. "Es ist auch unklar, wie der Erbgutträger auf Dauer eingebaut und zum Funktionieren im Organ gebracht werden kann", meint Gabbert. Erschwert werde dies dadurch, dass für Tumor-Erkrankungen grundsätzlich mehrere defekte Gene charakteristisch seien.
Der Forscher bezeichnet die Entschlüsselung des genetischen Codes als einen entscheidender Durchbruch für die Krebsforschung. "Die Zeit, wo wir nur im Dunkeln gestochert haben, ist nun vorbei. Wir können gezielt nach molekularen Gründen der Krankheit suchen", so Gabbert. Die wissenschaftliche Beschreibung der Gen-Defekte bereite die Basis für gentherapeutische Tumor-Therapie. Die Krebsforschung werde dabei allerdings keine sensationellen Fortschritte zu vermelden haben. "Statt dessen liegt ein Weg der kleinen Schritte und Erfolge vor uns."
Der Tumorexperte ist davon überzeugt, dass chemische Gifte weiter die meisten Krebsarten verursachen. Neben Asbest sei das Gift der Zigaretten eine Hauptursache für eine Erkrankung. "Es ist dramatisch, dass trotz dieses Wissens immer mehr Frauen durch Rauchen an Lungenkrebs erkranken, während die Zahl lungenkrebskranker Männern durch Nikotinabstinenz zurückgeht." (ddp)
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