pte19980226006 in Business
Mit Gentherapie zu verträglicherer Organtransplantation
Amerikanische Forscher tricksen zeitweise das Immunsystem aus
London (pte) (pte006/26.02.1998/10:07)
Für viele Menschen ist die Implantation eines Spenderorgans die letzte Rettung. Doch die Organeinpflanzung hat eine Reihe von Nachteilen. Einer der gravierendsten ist die Immunreaktion des Körpers auf das Implantat. Forscher der Universität von Pennsylvania entwickeln derzeit eine Gentherapie, mit der das Immunsystem überlistet werden kann. Ziel ist, die körpereigene Abwehr künftig nicht dauerhaft außer Gefecht zu setzen, sondern an das neue Organ zu gewöhnen.Professor Abraham Shaked arbeitet mit Ratten, denen Spenderlebern eingepflanzt wurden. Mit einem Schnupfenvirus schleust der Forscher das Gen für ein spezielles Protein in die Leberzellen ein. "Es ist ein sehr interessanten Eiweiß, das die Kommunikation zwischen verschiedenen Abwehrzellen unterbinden kann", erläutert der Wissenschaftler. Das Protein blockiert den Informationsaustausch zwischen den Zellen des Immunsystems, die das fremde Organ entdeckt haben, und denjenigen, die es zerstören sollen.
Die amerikanischen Forscher stehen jedoch vor demselben Problem, das weltweit den Befürwortern der Gentherapie zu schaffen macht: Nach kurzer Zeit ist das eingeschleuste Gen aus den Körperzellen wieder verschwunden oder deaktiviert. Auch in Shakeds Laborratten sind die eingeschleusten Gene nur ein paar Tage aktiv. Die Versuchstiere zeigen jedoch keine Abstoßungsreaktion gegenüber dem fremden Organ, selbst wenn das schützende Protein nicht mehr gebildet wird. "Wir bewirken bei der Transplantation eine kurzfristige Veränderung", so Shaked, "aber diese kurzfristige Veränderung führt zu einem langanhaltenden Ergebnis." Denn das fremde Organ wird vom Empfängerorganismus toleriert, ohne daß dessen Immunsystem unterdrückt werden muß.
Offenbar fällt die Entscheidung, ob die Körperabwehr angreift oder den fremden Stoff akzeptiert, relativ schnell nach dessen Eindringen und ist später nicht mehr zu ändern. Offenbar ist es auch eine grundsätzliche Entscheidung, alle Organe desselben Typs zu akzeptieren. Denn als der amerikanische Wissenschaftler einer seiner Laborratten später ein Herz desselben Spendertyps einpflanzte, kam es zu keiner Abstoßung. Bis diese Gentherapie auch bei Menschen eingesetzt werden kann, werden allerdings nach Schätzungen von Abraham Shaked noch einige Jahre Laborarbeit vergehen. [Quelle: Volkart Wildermuth, Abraham Shaked] (Ende)
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