pte20240516019 Medien/Kommunikation, Technologie/Digitalisierung

Medien lenken Risikowahrnehmung begrenzt

Neue Studie der Technischen Universität München räumt mit gängigen Forschungsmythen auf


Thorsten Pachur widerlegt alte Annahme zur Risikowahrnehmung (Foto: tum.de, Andreas Heddergott)
Thorsten Pachur widerlegt alte Annahme zur Risikowahrnehmung (Foto: tum.de, Andreas Heddergott)

München (pte019/16.05.2024/12:30)

Zwar sind dramatische Todesursachen in den Nachrichten überrepräsentiert. Wichtiger für die Risikobewertung von Menschen sind jedoch Todesfälle im persönlichen Umfeld und nicht ausschließlich die durch die Medien beeinflusste Wahrnehmung. Zu dem Schluss kommt eine neue Untersuchung der Technischen Universität München (TUM).

Paradigmenwechsel

Die in der Forschung bislang gängigen Annahmen zur Risikowahrnehmung stellt Studienleiter Thorsten Pachur infrage. Zwar bestätigt die Auswertung, dass die Probanden einer Studie von 1978 spektakulär wirkende Risiken falsch einschätzten. Dieses Ergebnis lasse sich jedoch mit den Daten der jüngeren Studien nicht wiederholen.

Ob die Menschen ein Risiko über- oder unterschätzten, hing nicht davon ab, ob es sich um eine dramatische oder eine undramatische Todesursache handelte. Dieses Fazit ergibt sich auch dann, wenn die Daten von drei Studien aggregiert auswertet werden. Und auch als Pachur weitere Studien einbezog, bestätigte sich das Ergebnis.

Soziales Umfeld wichtig

Pachur: "Die Erkenntnisse stellen nicht grundsätzlich infrage, dass Medien Einfluss auf die Wahrnehmung von Risiken haben können. Aber wir sollten aufhören zu glauben, dass eine Verzerrung in der Berichterstattung notwendigerweise zu einer Verzerrung in der Risikowahrnehmung führt", erklärt der TUM-Wissenschaftler.

Die Zahl der Todesfälle, die Menschen persönlich kennen, hat einen deutlich stärkeren Einfluss darauf, wie groß das Risiko für die jeweilige Todesursache eingeschätzt wird, als die Medien es haben. "Wir sind den Verzerrungen der Berichterstattung nicht hilflos ausgeliefert. Die Menschen sind offenbar durchaus in der Lage, reflektiert mit den Nachrichten umzugehen und andere Quellen in ihr Urteil einzubeziehen", schließt Pachur.

(Ende)
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