pte19971008007 in Business
Künstliche Netzhaut nicht in Sicht
Ernüchternde Bilanz eines Forschungsprojekts deutscher Ophthalmologen
München (pte) (pte007/08.10.1997/19:45)
Erste Erfolge auf dem Weg zur Sehprotese sind zwar ermutigend, doch sollten sich Patienten keine Hoffnungen auf baldige Heilung machen. Wenn Zähne und Knochen, Gelenke oder Herzklappen ihren Dienst quittieren, können Ärzte für künstlichen Ersatz sorgen. Verliert ein Patient jedoch sein Augenlicht, weil zum Beispiel die Netzhaut allmählich degeneriert, müssen die Mediziner machtlos zusehen. Unter der Retinitis pigmentosa genannten Erbkrankheit leiden in Österreich rund 4.000 Menschen.Eine künstliche Netzhaut könnte diesen schwer sehgestörten oder erblindeten Patienten wenigstens einen schwachen Schimmer von ihrer Umgebung vermitteln. Deshalb investierte das deutsche Forschungsministeriums vor zwei Jahren etliche Millionen DM in die Entwicklung zweier unterschiedlicher Protesentypen, die optische Eindrücke als elektrische Impulse an die noch intakten Augennerven weitergiben. Jetzt zogen die Netzhaut-Entwickler auf der 95. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft eine etwas ernüchternde Bilanz.
Das Projekt EPI-RET hat eine Protese zum Ziel, die als Mittler zwischen einer externen Kamera und der Netzhaut fungiert. Die Kamera soll dabei so klein sein, daß sie in ein Brillengestell integriert werden kann. Sie nimmt die Umgebung auf und sendet die "Bilder" an einen Miniaturcomputer, der die Signale aufbereitet. Der Computer schickt die Daten an die Netzhautprotese, die in Form einer hauchdünnen Folie auf der Netzhaut liegt. Über elektronische Kontaktstellen gibt die Folie die Signale an den Sehnerv weiter, der sie zum Sehzentrum des Gehirns weiterleitet, wo, so hoffen die Forscher, dann ein Seheindruck entsteht.
Bisher ließ sich in Experimenten immerhin zeigen, daß Kaninchenaugen das Folienmaterial gut vertragen. Auch fanden die Wissenschaftler eine befriedigende Methode, die Folie auf der Netzhaut zu fixieren: Sie nageln sie fest.
Ein zweites Projekt, SUB-RET genannt, geht noch weiter als EPI-RET: Die hier nicht auf, sondern unter die Netzhaut implantierte Protese soll nicht nur den Kontakt zum Sehnerven herstellen, sondern auch noch die Rolle der Kamera und des Computers übernehmen. Die Vorteile des Verfahrens: Die Linse des Auges und die neuronale Verknüpfungen der Netzhaut übernehmen bereits Kamera- und Computeraufgaben. Erfolge erzielten die Forscher auch bei diesem Projekt vor allem mit den Materialen, die sowohl bioverträglich sind, als auch den technikfeindlichen Verhältnissen im Auge trotzen. Den Sehnerv tatsächlich zu stimulieren, gelang den Wissenschaftlern mit den ersten Prototypen dagegen noch nicht. [Quelle: Christian Weymayr] (Ende)
| Aussender: | pressetext.austria |
| Ansprechpartner: | ws, email: <A HREF=mailto:redaktion@pressetext.at>redaktion@pressetext.at</A>, Tel. 01/402 48 51 |
| Website: | pressetext.at |
