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pts20260615015 in Business

Klimaausfall am Wochenende: Wie Sommerhitze im Serverraum zum Datenverlust führt

Datenretter beschreibt die typische Verkettung aus Kühlungsausfall, RAID-Degradierung und Defekt


Symbolbild: Serverrack in einem Rechenzentrum mit roten Warnleuchten
Symbolbild: Serverrack in einem Rechenzentrum mit roten Warnleuchten

Leipzig (pts015/15.06.2026/13:25)

Der Ablauf ist fast immer derselbe. Freitagabend fällt in einem kleinen Unternehmen das Klimagerät im Serverraum aus, einem ehemaligen Abstellraum, in dem ein einzelnes Gerät die gesamte Kühlung übernimmt. Niemand bemerkt es, denn am Wochenende ist das Büro leer und eine automatische Temperaturalarmierung gibt es nicht. Über Stunden klettert die Raumtemperatur, im Inneren der Geräte liegen die Werte bald deutlich höher. Ein Laufwerk, das schon länger erhöhte Fehlerraten zeigte, versagt als erstes. Der RAID-Verbund läuft weiter, jetzt allerdings im degradierten Zustand und ohne Reserve. Am Montag startet ein Mitarbeiter den Rebuild, unter Volllast und bei immer noch erhöhter Temperatur. Dabei fällt das nächste Laufwerk aus, und aus einem Kühlungsproblem ist ein Datenverlust geworden.

Diese Verkettung beschäftigt das Labor von DATA REVERSE® in Leipzig jeden Sommer aufs Neue. Spektakuläre Einzeldefekte sind dabei die Ausnahme, typisch ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die einzeln beherrschbar gewesen wären.

Die physikalischen Hintergründe sind gut dokumentiert. Schon ab rund 30 Grad Raumtemperatur geraten ungekühlte Systeme unter Stress, in den Gehäusen von Servern und NAS-Systemen werden schnell über 45 Grad erreicht. Mechanische Festplatten reagieren empfindlich: Die Flughöhe der Schreib-Leseköpfe verändert sich, Lager und Schmierung verschleißen schneller, und im ungünstigsten Fall endet das in einem Head-Crash mit dauerhaft beschädigter Magnetschicht.

Bei SSDs und NVMe-Laufwerken greift zunächst die thermische Drosselung, die die Leistung reduziert, um den Controller zu schützen. Wochenlanger Betrieb am thermischen Limit führt jedoch zu erhöhten Latenzen, sporadischen Erkennungsproblemen und vermehrten Datenfehlern. Für RAID-Verbünde bedeutet das ein doppeltes Risiko, denn thermisch gestresste Laufwerke fallen häufiger aus dem Verbund, und gerade der anschließende Rebuild erzeugt die höchste Last auf den verbleibenden Platten.

Unterbrechen lässt sich die Kette an jedem ihrer Glieder. Eine Temperaturüberwachung mit Alarmierung, die auch am Wochenende jemanden erreicht, hätte den Klimaausfall am Freitagabend gemeldet. Ein Blick auf die SMART-Werte, über die Festplatten und SSDs ihre Betriebstemperatur fortlaufend protokollieren, hätte das angeschlagene Laufwerk Wochen vorher auffällig gemacht, denn steigende Laufwerkstemperaturen bei gleichbleibender Last deuten auf nachlassende Wärmeabfuhr hin. Und ein Rebuild bei über 30 Grad Raumtemperatur ist vermeidbar, wenn solche Lastspitzen in kühlere Nachtstunden verlegt werden. Dazu kommen die Grundlagen: Serverräume dauerhaft unter 27 Grad halten, Geräten Abstand für die Luftzirkulation geben, Lüfter und Filter regelmäßig von Staub befreien.

Ist der Schaden eingetreten, entscheidet das Verhalten in den ersten Minuten über die Erfolgsaussichten. Ein überhitztes Laufwerk, das klackert oder schleift, gehört nicht wieder ans Netz, denn bei mechanischen Schäden ist die Zahl der möglichen Wiederherstellungsversuche begrenzt und jeder Startvorgang kann die Datenoberflächen weiter beschädigen. Die Rekonstruktion solcher Laufwerke erfolgt im Reinraumlabor, wo defekte Komponenten unter kontrollierten Bedingungen getauscht und die Daten anschließend ausgelesen werden.

(Ende)
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