pte19980125002 in Business
Intel mit Microsoft-Methoden
Neue Marketing-Kampagne stößt auf Widerstand
New York (pte) (pte002/25.01.1998/13:27)
Die neue Intel-Marketingkampagne mit dem Titel "Optimized Content" hat unter Internet-Content-Providern in den USA Empörung ausgelöst. Intel bietet ihnen darin einen 25-prozentigen Zuschuß an, sofern sie ihre Internet-Seiten mit Elementen versehen, die nur auf Rechnern beschleunigt dargestellt werden, die mit Intels neuesten und teuersten Chips ausgestattet sind - Nutzer von Rechnern mit weniger leistungsfähigen Prozessoren müssen dagegen mit einem verzögerten Seitenaufbau rechnen. Nach eigenen Angaben will Intel so die Verbreitung von Seiten fördern, auf denen Internet-Nutzern dreidimensionale Virtual Reality-Umgebungen angeboten werden. http://www.intel.comDie Content-Provider werfen dem Unternehmen jedoch einen Eingriff in ihre redaktionelle Unabhängigkeit vor, da Intel sie zwinge, das Seitenangebot für die Mehrzahl von Nutzern weniger komfortabel zu machen. Intel verlangt von den Teilnehmern des Marketing-Programms "deutlich sichtbare" Hinweise auf das Vorhandensein von "Optimized Content"-Angeboten. Mit Hilfe dieser Marketingkampagne will Intel die Konsumenten vom Kauf sogenannter Low-Cost PCs mit weniger leistungsfähigen Prozessoren abbringen und von den Intel-Chips überzeugen, die dem Nutzer mehr Leistung und Intel mehr Profit bringen.[Wall Street Journal]
* Übernehmen Programmierer die Aufgaben von Juristen? *
Bürgerrechtler sind der Ansicht, daß der neue technische Filterungs-Standard mit dem Namen PICS [Platform of Internet Content Selection], der die Auswahl netz-basierter Inhalte erleich-
tern soll, dem World Wide Web Consortium [http://www.w3c.org], das den Standard entwickelt hat, zu viel Macht verleihe. Barry Steinhardt von der amerikanischen Vereinigung für Bürgerrechte sagte: "Das W3C übernimmt in dieser Sache praktisch Regierungsaufgaben. Da die von ihm unterstützten Standards zu grundlegenden Standards für das Internet werden, hat das W3C mehr Einfluß als die meisten nationalen Regierungen."
Es gehe hier nicht nur um technische Standards, die von Technikern entwickelt werden sollten; diese neue Plattform werfe grundlegende Fragen zum Thema freie Meinungsaeusserung auf, die öffentlich diskutiert werden sollten, forderte Steinhardt. Tim Berners-Lee, Direktor des W3C und Entwickler des WWW, entgegnete, daß es nicht das Ziel des technischen Standards sei, "ein Werkzeug für Kontrollen durch die Regierung zu sein. Es handelt sich um ein Werkzeug, das eine Kontrolle durch die Nutzer ermöglicht und so dazu beitraegt, daß die Regierung nicht aktiv werden muß.
Die meisten Menschen, die im Netz arbeiten, tun dies nicht, weil sie fanatische Programmierer sind; sie tun es, weil sie eine Vision einer besseren Gesellschaft haben. Entscheidend ist, daß man soziale Veraenderungen heute durch die Entwicklung von Technologien ermöglichen kann, während man dies früher höchstens durch die Schaffung neuer Gesetze erreichen konnte". [New York Times] (Ende)
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