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pts20210924013 Kultur/Lifestyle, Tourismus/Reisen

Ihr wahres Leben war fast noch aufregender als das erfundene

Pfälzer Legende Kunigunde Kirchner feiert am 6.10. ihren 350. Geburtstag - eine Spurensuche


Neustadt an der Weinstraße (pts013/24.09.2021/12:15) - Die Legende um die Kurpfälzerin Kunigunde Barbara Kirchner (1671-1709) ist einfach zu schön, um gänzlich wahr zu sein. Aus Liebe zu ihr soll der französische Kriegskommissar Johann Peter de Werth im Jahr 1689, also während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688-1697), Neustadt vor der Zerstörung bewahrt haben.

Wahr ist: Kunigunde hat tatsächlich gelebt. Sie wurde nachweislich am 6. Oktober 1671 in Heidelberg getauft. Dieser Tag ist vermutlich auch ihr Geburtstag. Neustadt feiert ihren diesjährigen 350. Geburtstag mit etlichen kulturellen Veranstaltungen.

Wahr ist ebenfalls, dass sie, die Protestantin, den katholischen Kriegskommissar de Werth nicht nur gekannt, sondern 1704 auch geheiratet hat. Nur fünf Jahre später, am 16. Februar 1709, stirbt sie im hessischen Homburg v. d. Höhe und wird dort in der lutherischen Kirche beigesetzt.

1789 wird Kunigunde zur Legende. Heute ist sie in Neustadt a.d.W. eine touristische Attraktion

80 Jahre später, im Jahr der Französischen Revolution, begründet Friedrich Wilhelm Kuhlmann durch eine Schrift über die Zerstörung Speyers durch die Franzosen im Jahr 1689 ihre Legende. Heute ist die Tochter des Heidelberger Archivars und Hofgerichtsrats Theobald Paul Kirchner und seiner Frau Katharina in Neustadt eine touristische Attraktion. In der Altstadt gibt es seit 1896 die Kunigundenstraße, wo seit dem Jahr 2000 auch die Kunigunden-Bildnissäule des Künstlers Bernhard Mathäss steht, in Sichtweite zur Skulptur ihres Mannes de Werth in der Hauptstraße. Es gibt ein Kunigunden-Restaurant samt Kunigunden-Biergarten, die Braumanufaktur Kunigunde und den Weihnachtsmarkt der Kunigunde.

Der Hambacher Winzer Ludwik Adamé Haass nennt ihr zu Ehren einen trockenen Chardonnay des Jahres 2018 "Der Kuss der Kunigunde" und möchte aus der 21er-Lese eine Geburtstags-Jubiläums-Edition keltern. Äußerst beliebt ist auch die Kunigunden-Torte des Neustadter Patissiers Jochen Müller. Dieser hat in Gedenken an Neustadts Retterin eine köstliche Mandel-Vanille-Kreation geschaffen, verfeinert mit eingelegten Feigen und gebacken mit Kastanienmehl. In der Kunigundenstraße Nr. 1 kommt Neustadts Legende dagegen auf den Hund. Der dortige Hundesalon nennt sich "KunigHunde".

Dichtung und Wahrheit: Neustadts Kultur-Botschafter Gerhard Hofmann war auf Spurensuche

"Ihr wahres Leben war fast noch aufregender als das erfundene" sagt der Neustadter Künstler Gerhard Hofmann, der auch Kulturbotschafter der Stadt ist. In mehrjähriger, aufwändiger Recherche hat er zusammengetragen, was - nach heutigem Kenntnisstand - über Kunigunde wahr ist und was Fiktion. Die Ergebnisse veröffentlicht er demnächst in einer 45seitigen Broschüre mit dem Titel "Kunigunde Kirchner. Auf den Spuren einer Legende" (Preis: 7,50 Eur). Am 6. Oktober 2021 (Beginn: 19 Uhr) wird Hofmann in der Stiftskirche Neustadt darüber einen Vortrag halten.

Seine Spurensuche zeigt: Kunigundes wahres Leben ist filmreif und bester Stoff für einen Roman. Darüber hinaus zeigt ihre kurze Vita auf verblüffende Weise immer wieder, wie ihr Leben durch das ihrer noch weitaus berühmteren Landsmännin Liselotte von der Pfalz (1652-1722) beeinflusst wurde. Die selbstbewusste, fast schon emanzipierte Tochter des Kurfürsten war, wie Kunigunde, eine gebürtige Heidelbergerin. In Kunigundes Geburtsjahr 1671 heiratete Liselotte Herzog Philippe I. von Orléans, den einzigen Bruder Ludwigs XIV. und wurde somit Schwägerin des "Sonnenkönigs". Ihr Schicksal wollte es, dass sie später, im Jahre 1688, völlig unverschuldet zum Auslöser des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde, der Kunigundes Leben maßgeblich bestimmte und sie in der Folgezeit auch zur Legende machte.

Wie Kunigunde Kirchner zweimal zu Francoise-Marie de Bourbon wurde, der unehelichen Tochter Ludwigs XIV.

Die Titelseite von Hofmanns Kunigunden-Broschüre ziert die kolorierte Fotografie eines Ölgemäldes aus dem Erbe des Neustadter Bankiers Georg Friedrich Grohé-Henrich. Es erschien am 24. April 1858 in der Neustadter Zeitung und wurde damals als "Portrait der Kunigunde Kirchner, Retterin von Neustadt bei der Belagerung durch die Franzosen im Reunionskriege von 1689" angeboten. Heute ist belegt, dass dieses Bild in Wahrheit Francoise-Marie de Bourbon (1677-1749) zeigt, die uneheliche Tochter des "Sonnenkönigs" und seiner Mätresse Madame des Montespan. Mehr noch: Ludwig XIV verehelichte ebendiese Francoise-Marie 1692 mit Liselottes Sohn Philippe. Eine Mesalliance, die auch die selbstbewusste Liselotte von der Pfalz nicht verhindern konnte.

Im 19. Jahrhundert wurde jedenfalls dieses Bild zum Inbegriff der Kunigunde, weshalb es Hofmann jetzt auch zum Titel seiner Broschüre machte. 1933 setzte sich Kunigundes visuelle Geschichts-Klitterung fort, als Heinrich Jacobi, Museumsdirektor aus Homburg v. d. Höhe, per Gutachten auch ein Porträt aus dem hessischen Schloss Romrod der kurpfälzischen Bürgerstochter zuordnete. 1950 kam das Bild ins Neustadter Heimatmuseum. Heute ist belegt, dass kurioserweise auch dieses Bild Francoise-Marie zeigt. Hofmann hat an dieser Erkenntnis maßgeblich mitgewirkt. Somit ist wohl endgültig die Hoffnung geschwunden, dass die Nachwelt sich ein authentisches Bild der Kunigunde machen kann.

Schon der Heimatforscher Lukas Grünwald hatte das 1902 befürchtet. Er war es auch, der mit seinem Aufsatz "War Kunigunde Kirchner die Retterin von Neustadt an der Haardt im Jahre 1689" diese Legende "in das Reich der phantasievoll ausgeschmückten, geschichtlichen Sagen" verwies. Der Neustadter Kultur-Botschafter Gerhard Hofmann hat anlässlich von Kunigundes 350. Geburtstag jetzt alle Fakten zusammengetragen, die über das wahre Leben der Bürgerstochter bekannt sind. Und das ist auch ohne Legendenbildung eine ereignisreiche Geschichte, wenngleich auch eine mit einem traurigen Ende im hessischen Homburg a. d. Höhe, das zu Kunigundes Zeiten vom Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg regiert wurde. Ebenjener, den Heinrich von Kleist später als "Prinz von Homburg" unsterblich machte.

Was anlässlich ihres 350. Geburtstags über das wahre Leben der Kunigunde bekannt ist...

"Das, was zu lesen ist" bedeutet das aus dem Lateinischen abgeleitete Wort Legende. Hofmann hat die Fakten aus Kunigundes nur 37 Jahre währendem Leben ermittelt. Was derzeit belegbar ist, liest sich wie folgt:

Kunigunde wird am 6. Oktober 1671 als Kunigunde Barbara Kirchner in Heidelberg getauft. Ihr Vater ist der Archivar, Hofgerichtsrat und Lehenprobst Theobald Paul Kirchner. Ihre Mutter ist Katharina Kirchner, eine geborene Zinkgräf und zweite Frau des Heidelberger Protestanten. Eine Kopie des Taufeintrags aus den Heidelberger Kirchenbüchern liegt zu ihrem 350. Geburtstag jetzt im Neustadter Stadtarchiv vor. Das Originaldokument befindet sich im Landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe.

Zwei Jahre zuvor wurde ihr Bruder Paul Philipp geboren, zwei Jahre nach Kunigunde ihre Schwester Susanna Catharina.

Kunigunde ist erst elf Jahre alt, als ihr Vater 1682 stirbt. Spätestens in diesem Jahr wird Kunigunde zu einer Neustadterin, das belegt ein Taufeintrag ihrer Mutter als Patin im reformierten Taufregister der Stadt. Kunigunde selbst ist in den Jahren 1693 bis 1696 viermal in diesem Taufregister als Patin unter ihrem Familiennamen Kirchner eingetragen.

Im Juni 1703 verstirbt auch ihre Mutter. Gut ein Jahr später, am 13. August 1704, ist ein weiteres Ereignis aus Kunigundes Leben dokumentiert. An jenem Tag heiratet sie in Albersweiler den 54-jährigen Kriegskommissar und Oberamtmann in der Kurpfalz, Johann Peter de Werth. Dieser ist Katholik. Durch seine Ehe mit einer Protestantin gerät De Werth 1705 in Konflikt mit den Obrigkeiten. Seine Güter werden eingezogen. Noch im selben Jahr zieht De Werth mit seiner Frau ins hessische Homburg a. d. Höhe und tritt in die Dienste des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg.

Für Kunigunde, die schon mit 32 Jahren zur Vollwaise wurde, überschlagen sich jetzt die Ereignisse. 1706 wird ihr Sohn Joseph geboren, ein Jahr später ihre Tochter Friderica Sophia, die aber bald nach der Geburt stirbt. Und nur wenige Monate später, am 13. Januar 1708, stirbt auch ihr Mann. Aber noch im September desselben Jahres heiratet Kunigunde den Hofmeister Baron Antonius Claudius de La Vallée. Dieser ist auch als Alchimist bekannt. Wiederum fünf Monate später verstirbt auch Kunigunde. Sie wird in der lutherischen Kirche in Homburg v. d. Höhe beigesetzt.

Kunigunde hinterlässt ein beträchtliches Vermögen. Zu diesem gehören auch Grundstücke in Neustadt. Die Ursachen für ihren Tod sind nicht dokumentiert, aber eine Gerüchteküche über den findigen Alchimisten de La Vallée hat es wohl gegeben. Jedenfalls: mit dem Tod de la Vallées am 14. Februar 1737 geht das gesamte Vermögen an die Prinzessin Eleonore Margarete von Hessen-Homburg. Sein Stiefsohn Joseph von Werth geht leer aus und stirbt verarmt 1772 in Homburg v. d. Höhe.

Ein Drama aus der Pfalz mit drei Hauptdarstellern und einem Happy-End

Eine Neustadter Postkarte aus dem Jahr 1898 zeigt die 15-jährige Mademoiselle Kirchner, wie sie im Zimmer des Generals Baron de Montclar vor ihm und seinen Offizieren kniend um die Schonung der Stadt Neustadt bittet. Das sei Anfang des Jahres 1689 gewesen, als Montclar bereits große Teile von Mannheim, Speyer und anderen Orten in der Kurpfalz in Schutt und Asche gelegt hatte. Aus Dankbarkeit, das Montclar die Stadt nicht niederbrannte, sei sie dann mit ihm nach Paris gegangen.

Für den Kniefall gibt es keinerlei Belege. Wahr ist dagegen, dass der französische General Montclar ein Jahr später in Landau verstarb und dort im Chor der Stiftskirche begraben wurde. Wahr ist ebenfalls - und kann als bittere Ironie in Kunigundes Vita gesehen werden - das ausgerechnet dieser Baron de Montclar ein großer Förderer ihres späteren Mannes Johann Peter de Werth war.

Und so schließt sich ein Drama, das drei Hauptdarsteller hat: Liselotte, Kunigunde und Johann. Und dessen Schicksale auf tragische Weise miteinander verwoben sind. Liselotte, die ihre Heimat nicht vor der Machtgier und der Zerstörungswut ihres Schwagers Ludwig XIV. retten konnte. Johann de Werth, der als Kriegskommissar und Montclars Protegé Teil dieses Vernichtungskrieges war. Und Kunigunde, die mittendrin ihr kurzes Leben lebte und qua Legende zur Heldin und Retterin von Neustadt wurde.

Dass es rein militärische Gründe waren, wonach Neustadt verschont blieb (die Franzosen wollten im Fall eines Rückzugs am Haardtrand einen befestigten Stützpunkt haben), das kann diese wunderbare Legende in keiner Weise schmälern.

Kunigunde sei dieses Happy-End nach ihrem an Schicksalsschlägen übervollen Leben vergönnt.

Text und Redaktion dieser Pressemeldung
gika-press Giesbert Karnebogen, Paul-Friedländer-Str. 1, 65203 Wiesbaden, Tel.: 0611-18683-90, mobil: 0171-6106861, E-Mail: gk@gika-press.de, Webseite: https://www.usecomm.de - btte jederzeit melden, wenn Sie weitere Bildmotive oder Informationen zu diesem Thema benötigen.

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