pts20260224016 in Forschung

Herausforderungen von gewaltbetroffenen Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung

Bachelorarbeit der Hochschule Burgenland beleuchtet mehrere Perspektiven


Eisenstadt (pts016/24.02.2026/10:00)

Was sind die Erfahrungen von gewaltbetroffenen Migrantinnen und denjenigen, die ihnen helfen wollen? Die mit dem Burgenländischen Hochschulpreis ausgezeichnete Bachelorarbeit von Larissa Fink aus dem Studiengang Soziale Arbeit der Hochschule Burgenland beschäftigt sich mit den Herausforderungen rund um Gewaltschutz, Empowerment, Feminismus und der Lebensrealität von Frauen mit Gewalt- und Migrationserfahrung.

Gewaltschutz für Frauen ist ein allgegenwärtiges Thema. Mit welchen Hürden er verbunden ist, versuchte Larissa Fink, Absolventin des Bachelors Soziale Arbeit der Hochschule Burgenland, in ihrer Abschlussarbeit zu ergründen. Gelungen ist ihr eine mit dem Burgenländischen Hochschulpreis in der Kategorie Bachelorarbeiten ausgezeichnete Bestandsaufnahme, die den Raum für weitere Forschung öffnet.

Denn, es gibt Frauen, die die zur Unterstützung vermeintlich ausgestreckte Hand nicht nehmen können. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Eingeschränkter Zugang zu Schutz und Hilfe: Sprachbarrieren, fehlende oder unverständliche Informationen, zu wenig mehrsprachige Angebote und bürokratische Hürden schrecken Betroffene davon ab, Hilfe zu suchen.
  • Aufenthalts- und sozialrechtliche Unsicherheit: Angst vor aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen schränkt gewaltbetroffene Frauen ein. Teilweise sind Unterstützungsnagebote (z.B.: Frauenhäuser) an den rechtlichen Status geknüpft.
  • Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen: Sorge vor Ablehnung, Stigmatisierung oder negativen Folgen erschwert die Inanspruchnahme von Hilfe.
  • Tief verankerte Prägungen erschweren Veränderung.

Die Absolventin sprach auch mit Sozialarbeiter*innen über ihre Erfahrungen. Deren Herausforderungen lassen sich wie folgt skizzieren:

  • Spannungsfeld Anspruch vs. Realität: Empowernde, kultursensible Praxis wird von den Professionistinnen angestrebt, während rassistische Muster, Othering Prozesse (also Bewertungen) und institutionelle Machtverhältnisse jedoch fortbestehen.
  • Brücke zur Lebenswelt: Sensibilisierung reicht meist nicht aus, um die Diskrepanz zur komplexen Lebensrealität (Trauma, Abhängigkeiten, Identitätsprozesse) vollständig zu überbrücken.
  • Rollenvielfalt und Grenzmanagement: Sozialarbeiter*innen sollen gleichzeitig Unterstützer*in, Übersetzer*in, Brückenbauer*in und politische Akteur*in sein – bei begrenzten Ressourcen und Zeit.

Einen Lösungsansatz sieht Larissa Fink, die selbst in einem Frauenhaus in Wien tätig ist, im Bereich der Organisationsentwicklung: "Interkulturelle Teams, gendersensible Schulungen und machtkritische Strukturen zu verankern kann dazu beitragen, um Reproduktionen von Othering und Rassismus zu vermeiden", rät sie.

Was strukturell helfen würde:

Schutz für alle, unabhängig vom Aufenthaltsstatus: Frauenhaus und Beratung ohne Hürden; niederschwellige Infos in mehreren Sprachen, Ausbau von Gewaltpräventionsprogrammen, erweiterte Öffentlichkeitsarbeit, um die reale Lebenswelt aller Menschen sichtbar zu machen.

Profis stärken: Pflichtschulungen zu Trauma und Rassismus, regelmäßige Supervision, vielfältige Teams, bessere und sensiblere Zusammenarbeit zwischen Frauenhilfe, Polizei und Behörden.

Community einbinden: Peer-Berater*innen und Kulturmittler*innen, mobile und leicht erreichbare Angebote, Gender-Tandem-Trainings, Angebote gemeinsam mit Betroffenen entwickeln.

"Gewaltschutz ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das die Frage nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Solidarität in den Mittelpunkt rücken soll. Denn soziale Gerechtigkeit beginnt dort, wo Unterschiede nicht als Defizite gelesen, sondern als Ausgangspunkt für solidarisches Handeln begriffen werden", so Fink.

Facts zum Studium
Bachelorstudium Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Dauer: 6 Semester; Akademischer Grad: Bachelor of Arts in Social Sciences – BA; Organisationsform: Berufsermöglichend (Montag bis Donnerstag); Studienplätze: 56; Studienort: Eisenstadt; Sprache: Deutsch (erforderliches Sprachniveau mind. B2), einzelne Lehrveranstaltungen können auch in Englisch gehalten werden (erforderliches Sprachniveau mind. B2); Studiengebühren: keine. Mehr Informationen und die Möglichkeit, sich um einen Studienplatz zu bewerben unter: www.hochschule-burgenland.at

(Ende)
Aussender: Hochschule Burgenland
Ansprechpartner: Mag. Christiane Staab
Tel.: +43 57707 3537
E-Mail: christiane.staab@hochschule-burgenland.at
Website: www.hochschule-burgenland.at
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