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pte19980302005 in Business

Headhunting im alten Mesopotamien

Alamdimmu: "Männer mit langem Kinn sind Unruhestifter"


Berlin (pte) (pte005/02.03.1998/09:08)

Immer wieder hat es Menschen gereizt, aus den körperlichen Merkmalen eines Menschen seinen Charakter oder seine Zukunft zu ergründen. In Deutschland ist die Physiognomik, d.h. die Lehre von den aus dem Gesichtsausdruck zu erschließenden Eigenschaften, besonders durch Johann Caspar Lavater (1741-1801) bekannt geworden, der vier Bände "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" herausgebracht hatte.

Weniger um die Menschenliebe ging es offenbar im alten Mesopotamien, wo die Rückschlüsse von körperlichen Merkmalen auf Charakter und Zukunft vor allem der Einschätzung von Bewerbern um höhere Ämter oder der Einschätzung einer Frau auf ihre Gebärfähigkeit dienten. Man zog für diesen Zweck das physiognomische Handbuch "Alamdimmu" zu Rate, in dem auf Tontafeln ungefähr 10.000 Omina (Vorzeichen) verzeichnet sind.

Die Omina beschreiben die Gestalt bestimmter Körperteile oder Gesichtszüge und verknüpfen damit eine bestimmte Bedeutung, die in "Wenn-dann"-Form gegeben wird: "Wenn die Augenbrauen eines Mannes buschig sind, dann wird ihn die Armut packen. Wenn ein Mann ein langes Kinn hat, dann ist er ein Unruhestifter." Oder bei einer Frau: "Wenn der Bauchnabel einer Frau hart ist, dann hat sie Schwierigkeiten bei der Geburt." In jenen Fällen, wo die Charakterisierung für einen Stellenbewerber vorgenommen werden sollte, wurden einzelne Gutachter oder größere Expertenkommissionen mit dieser Aufgabe betraut. Das "Alamdimmu" wurde als Nachschlagewerk zugrundegelegt.

Ob auch einfache Bürger sich dieses Wissens bedienten, ist nicht bekannt. Da aber die Texte auf den Tontafeln in Keilschrift abgefaßt waren und diese Keilschrift nur wenigen Experten der damaligen Zeit verständlich war, ist anzunehmen, daß der Normalbürger das "Alamdimmu" gar nicht lesen konnte. Die Altorientalistin Barbara Böck von der Freien Universität Berlin hat die Omina-Sammlung im Rahmen ihrer Dissertation untersucht und erhielt dafür den mit 10.000 D-Mark dotierten Ernst-Reuter-Preis 1997 der Freien Universität. [Quelle: Doris Marszk, Berliner Morgenpost] (Ende)
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