pte19971104005 in Business
Gentests: Segen oder Fluch?
Viele Getesteten können mit dem Ergebnis nicht umgehen
Boston (pte) (pte005/04.11.1997/17:10)
Zwei defekte Gene bei Brustkrebs, ein paar bei Alzheimer, einige mögliche bei Depressionen - immer häufiger finden Biologen und Genetiker Fehler im Erbgut, die zu Krankheiten führen. Doch was für die Grundlagenforschung nützlich sein kann, wird problematisch in der angewandten Medizin. Denn sobald ein Genfehler für eine Krankheit ausgemacht wurde, möchten sich Menschen daraufhin testen lassen: Werde auch ich Alzheimer bekommen? Oder Krebs?Das Problem der Testung liegt keineswegs in der Durchführung, sondern vielmehr in den psychologischen Folgen. Viele Getesteten können mit dem Ergebnis nicht umgehen. "Die Betroffen liegen nicht im Bett, mit dem Kissen über dem Kopf", sagt Andrea Patenaude, Psychologin am Dana Farber Cancer Institute Boston, USA. "Aber der Hälfte nimmt das Testergebnis den Mut und das Selbstvertrauen. Die Menschen haben Probleme, mit dem Wissen zu leben."
Oft wird der Test gemacht, um sich selbst zu beruhigen. Doch ein eindeutiges Ergebnis gibt es bei Gen-Tests kaum: Ein klares "Nein" ist äußerst selten. Viel häufiger werden den Neugierigen Risiken genannt. "Die Menschen tauschen dabei eine Unsicherheit nur für eine andere ein", resümiert Patenaude.
"Menschen nehmen Risiken anders wahr, als dies Computer tun", sagt Hank Greely, Vorsitzender der Ethik-Kommission an der Universität Stanford (USA). Eine Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent könne Menschen nicht beruhigen, meint Greely, obwohl dies eigentlich ein hoffnungsvoller Wert sei.
Nicht nur die psychologischen Folgen sprechen gegen Gen-Tests. Die Ergebnisse könnten auch finanzielle Folgen nach sich ziehen. Denn Unternehmen und Versicherungen zeigen zunehmend Interesse an den Gentest-Ergebnissen ihrer Arbeit- und Versicherungsnehmer: Wer ein zu hohes Erkrankungsrisiko hat, fliegt raus. Zudem führen Erbgut-Tests bislang nicht zu einer besseren Behandlung. Für die meisten Erkrankungen - wie für den Morbus Alzheimer oder für den Brustkrebs - sind noch keine Therapien in Sicht. Quelle: USA today, http://www.usatoday.com/life/health/brain/degen/lhbde010.htm (Ende)
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