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pts20201124037 Bildung/Karriere, Medien/Kommunikation

Frauen besonders von Gewalt im Internet betroffen

Online-Symposium im Rahmen der Aktion "16 Tage gegen Gewalt an Frauen"


St. Pölten (pts037/24.11.2020/14:05) - Wie Opfern von Gewalt im Netz besonders in der aktuellen Ausnahmesituation geholfen werden kann, damit beschäftigte sich gestern eine gemeinsame Onlinekonferenz der Fachstelle für Gewaltprävention des Amtes der NÖ Landesregierung und der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich unter dem Titel "Verantwortungsbewusstes Miteinander - analog & digital".

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, die das Symposium eröffnet hat, appelliert gleich zu Beginn an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Präventionsarbeit zu leisten und interdisziplinär zusammenzuarbeiten: "Wir wollen dafür sorgen, dass eine Frau weiß, wohin sie sich wenden kann, wenn sie von Gewalt betroffen ist."

Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig sieht in der allgegenwärtigen Digitalisierung einerseits einen Segen, weil dadurch Beraterinnen und Berater mit Klientinnen und Klienten auch in Pandemiezeiten sehr einfach in Kontakt treten können. Auf der anderen Seite sei es in der digitalen Welt teilweise noch einfacher, Gewalt auszuüben.

Cyberstalking und Cybergrooming

Genau über diese Cyberkriminalität und insbesondere die Gefahren für Frauen referiert Edith Huber von der Donau-Universität Krems. Sie differenzierte in ihrem Vortrag die Begriffe Cyberstalking und Cybergrooming. Von letzterem ist die Rede, wenn sich Erwachsene als Jugendliche ausgeben, um Kontakt herzustellen.

Ziel sei dabei stets, Nacktfotos zu bekommen, so Huber. Hat eine Jugendliche bzw. ein Jugendlicher dem vermeintlich ebenfalls jugendlichen Gegenüber dann nach einigen vertrauensbildenden Chats ein derartiges Foto geschickt, komme es oft zu einer Erpressung durch den Erwachsenen: "Wenn du mir nicht weitere Fotos schickst, stelle ich die Bilder online." Hier sei Präventions- und Aufklärungsarbeit extrem wichtig, so Huber.

Derzeitige Gesetzeslage nicht zufriedenstellend

Michaela Schnell, die leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, bemängelt in ihrem Impulsreferat die schwammige Formulierung in Gesetzestexten, die es für Staatsanwaltschaft oft schwierig machen, Täter zur Rechenschaft zu ziehen. So stehe etwa im so genannten Cybermobbing-Paragraphen, dass nur dann ein Strafbestand bestehe, wenn das Mobbing über längere Zeit hindurch geschehe. In der Praxis würden Nacktfotos oder Fotos mit sexueller Handlung aber meist nur einmal ins Netz gestellt und stehen gelassen, ohne weitere aktive Strafhandlungen.

Damit sei der Passus "über eine längere Zeit hindurch" nicht erfüllt und der Täter komme in der Regel straffrei davon. Dazu sei es sehr schwierig, eine Löschung von Content durch die SocialMedia Plattformen selbst zu erwirken, weil die Kontaktaufnahme mit diesen sehr schwierig sei. "Vom Täter kann ich zwar eine Löschung fordern, aber wir wissen ja alle: das Internet vergisst nie", so die Staatsanwältin. Eine endgültige Löschung zu garantieren, sei also nicht möglich.

Über "Cybergewalt gegen Frauen als Herausforderung der Zukunft" diskutieren schließlich zum Abschluss des Vormittags die Landesrätinnen Christiane Teschl-Hofmeister und Ulrike Königsberger-Ludwig sowie Elisabeth Cinatl (Vorsitzende des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen), Michaela Egger (Leiterin des Gewaltschutzzentrums NÖ), Doris Wagner (Leiterin des Bereichs Pädagogischer Dienst in der Niederösterreichischen Bildungsdirektion) und Landespolizeidirektor Franz Popp.

Pädagogische Online-Seelsorger sind gefragt

Am Nachmittag stehen virtuelle Workshops zu verschiedenen Bereichen der Gewaltpräventionsarbeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf dem Programm. Der Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich Erwin Rauscher ging in seinen Grußworten auf den aktuellen Ausnahmezustand durch den Lockdown ein. Virtuelle Kommunikation könne reale nur partiell ersetzen, so der Rektor.

Sein Aufruf: "Ergänzen wir physical distancing nicht nur um social solidarity, sondern auch um spritual care." Pädagogische Online-Seelsorger seien gefragt, nicht nur digitale Übungszettelschreiber. Und noch einen Auftrag sieht er für Schulen und Pädagoginnen und Pädagogen im postfaktischen Zeitalter: "Wer, wenn nicht unsere Schulen, sind Echokammern der Wirklichkeit gegenüber den Filterblasen der Medien?"

Präventionsarbeit durch Herzensbildung

Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig kritisiert in ihrem Fachvortrag, dass von Cyber-Gewalt Betroffenen sehr oft der Ratschlag gegeben werde, sich aus dem virtuellen Raum zurückzuziehen, anstatt gegen die Täter vorzugehen. Durch diesen Ratschlag bestehe die Gefahr, dass der oder die Jugendliche trotzdem weiter online ist, aber nicht mehr über die Gewalterfahrungen spricht. Besonders von verbaler Gewalt im Internet betroffen seien Frauen. Sie besonders schnell mit sexistischen Angriffen konfrontiert.

Als Faktoren, die verbale Enthemmung im Netz fördern konstatiert die Journalistin und Buchautorin eine gefühlte Anonymität der User: "Ich sehe das Gegenüber nicht und sehe daher nicht, was ich dadurch auslöse". Und: Es fehlen Autoritätsfiguren: "In Offline-Kontexten haben wir jemanden, der verantwortlich ist oder aufpasst." Plattformen im Internet hingegen seien meist unmoderiert.

Den Pädagoginnen und Pädagogen empfiehlt Brodnig, mit den Schülerinnen und Schülern über die Problematiken Sozialer Medien zu sprechen, auch wenn sie nicht jede Plattform selbst kennen: "Sie werden nie alle Details der Kanäle verstehen, können aber trotzdem mit den Schülern darüber reden, sich das eine oder andere von ihnen erklären lassen."

Im Zentrum der pädagogischen Arbeit stehe die Förderung von Empathie, so Brodnig: "Bildung kann zu einem gewissen Grad auch Herzensbildung sein. Wir können nicht davon ausgehen, dass alle Jugendliche in ihrem Umfeld die Herzensbildung mitbekommen."

Synergien stärken

Das gemeinsame Symposium der Fachstelle für Gewaltprävention und der Pädagogischen Hochschule findet jedes Jahr Ende November im Rahmen der Internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" und der "Nationalen Strategie zur schulischen Gewaltprävention" statt. Ziel der Veranstaltung ist es, Synergien im Bereich der Gewaltprävention für Frauen und Kinder und im Bereich der Lebenswelt Schule zu schaffen.

(Ende)
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