pts19990527021 in Business
Elektro-/Elektronikindustrie 98 trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich
Fachverband fordert Modernisierung der Entlohnungssysteme für die Zukunft
Wien (pts021/27.05.1999/18:00)
Generell blickt Österreichs forschungs- und technologieorientierteste Branche auf ein Jahr zurück, in dem die heimischen Unternehmen ihre Produktion trotz härtestem internationalem Wettbewerb weiter zu steigern vermochten: Mit einem Jahresproduktionswert von rund 114 Mrd. Schilling 1998 konnte das Vorjahrsresultat um 6,5 % übertroffen werden. Im Export, der gerade in dieser Branche einen besonderen Stellenwert einnimmt, wurde - trotz internationaler Wirtschaftskrisen - sogar ein Plus von 8,6 % erzielt.Der zunehmende Kostendruck, der auf allen Unternehmen lastete, ist für den Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie Anlaß, die Politiker nachdrücklich zur weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen - vor allem im Bereich der Arbeitskosten - aufzufordern. Im übrigen will man auch selbst die Unternehmer entlasten und sieht in den nächsten Jahren eine schrittweise Senkung der Mitgliedsbeiträge um ein Viertel vor.
Umsatzwachstum durch gute Auftragslage
In Summe kann die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Trotz härtester internationaler Wettbewerbssituation und den damit verbundenen massiven Preisproblemen konnte die Branche ihre Umsätze von 107 Mrd. Schilling (1997) auf 114 Mrd. steigern. Dieser Zuwachs ist der generell guten Auftragslage zu verdanken, die vor allem auf eine positive Entwicklung des Inlandsmarktes zurückzuführen ist. Die internationalen Märkte dagegen zeigten aufgrund der Wirtschaftskrisen in Rußland und Asien ab Jahresmitte 98 allgemein einen merkbaren Rückgang.
Wachstumsmotor Export muß erhalten bleiben
Trotz der schwierigen Bedingungen konnte der Export seinen Aufwärtstrend auch 1998 fortsetzen und die letztjährigen Zahlen um 8,6% übertroffen. Die Einbußen durch die genannten Wirtschaftskrisen konnten durch die gute Konjunktur in den USA und vor allem in der EU - in die über die Hälfte aller Exporte flossen - mehr als wettgemacht werden.
Die mit diesem Ergebnis demonstrierte internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Elektro- und Elektronikindustrie ist aber durch die überproportional hohe Steigerung der Arbeitskosten in Österreich zunehmend gefährdet. 1998 konnten die Unternehmen den Preisdruck noch mit Optimierungen in den Produktionsabläufen, verstärkter Automatisierung und Teilverlagerungen in Billiglohnländer kompensieren, hier ist die Decke aber bald erreicht. "Weltweite Preiserosionen müssen bei Lohnverhandlungen in Hinkunft mitberücksichtigt werden", fordert daher Dr. Heinz Raschka, FEEI-Geschäftsführer, "insbesondere bei einer so exportorientierten Branche wie der Elektro- und Elektronikindustrie!"
Flexible Arbeitsmodelle gefragt
Wenn österreichische Unternehmen auch weiterhin am Weltmarkt mitmischen wollen, dann sind dafür neue, flexible Lohnsysteme erforderlich", ergänzt der Vorsteher des Fachverbandes, DI Albert Hochleitner und hält fest: "Die Optionsklausel mit differenzierten Abschlüssen ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber um Österreich langfristig als attraktiven Wirtschaftsstandort zu sichern, werden weitreichendere Änderungen erforderlich sein. In Hinkunft müssen ertragsrelevante Komponenten wie z.B. Preisverfall bei Kollektivverhandlungen herangezogen werden, und nicht nur Produktivitätsentwicklungen, wie es derzeit der Fall ist!" Gerade im Jahresrückblick 98 zeigte sich in den meisten Sparten, wie die jüngste internationale Preisentwicklung die Gewinnsituation der österreichischen Unternehmen trotz gesteigerter Umsätze beeinträchtigt hat.
Die Prognosen für 1999 - Verschärfung des Wirtschaftsklimas
"Alle Einschätzungen signalisieren eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Vor allem die Krisen in Rußland, Asien und Südamerika werden heuer erst richtig zum Tragen kommen und vor allem bei den Exporten ins Gewicht fallen", prognostiziert Raschka. Eng damit verbunden sei die für die Branche so wichtige Bereitschaft zu Investitionen, die angesichts der Entwicklung weiterhin verhalten bleiben dürfte. Dem sollte seitens der politisch Verantwortlichen mit einer weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen begegnet werden - durch Unterstützung des Wachstums und der Beschäftigung und z. B. auch durch eine Verstärkung der Innovationsförderung. "Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit Österreich auch weiterhin ein attraktiver Industriestandort bleibt. Dafür wird es auch erforderlich sein, die Quote für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt zumindest auf den europäischen Durchschnitt zu heben", postuliert Raschka abschließend.
Neue Aufgaben für den FEEI
Angesichts der skizzierten Entwicklungen verwundert es nicht, wenn auch der Fachverband in seiner Gesamtorientierung auf die geänderten Rahmenbedingungen reagiert. Um derart wichtige politische Ziele zu verfolgen gilt es, die gesamte Branche sukzessive unter einem Dach zu vereinen. "Denn analog zur gesellschaftlichen Entwicklung hat auch die Elektro- und Elektronikindustrie in den letzten Jahren einen Strukturwandel vollzogen. Wir haben uns von einer Produktionsgesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, was bedeutet, daß in Hinkunft industrienahen Dienstleistungen - so z. B. Engeneering, Constructing sowie dem gesamten Softwarebereich - verstärkte Bedeutung zukommen wird. Das sollte sich auch in der Organisationsstruktur des FEEI widerspiegeln", führt Hochleitner aus.
Neben dieser angestrebten Verbreiterung der Basis wird sich der FEEI hinkünftig bei der Interessenvertretung der Mitglieder verstärkt auf seine Kernthemen konzentrieren - z.B. bei der Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt. Auch will man den Verband in Richtung serviceorientiertes Dienstleistungsunternehmen modernisieren, weshalb in Hinkunft die Verbandsleistungen kontinuierlich auf ihre zielgruppenspezifische Relevanz überprüft werden sollen. Das bedeutet weiters, verstärkt Synergien zu nutzen, Allianzen und Kooperationen zu bilden sowie Doppelgleisigkeiten auszumerzen, um insgesamt noch effizienter zu werden.
Vor allem hinsichtlich der Effizienzverbesserung hat man sich im FEEI hohe Ziele gesetzt, schließlich will man in den nächsten Jahren die Mitgliedsbeiträge schrittweise um ein Viertel senken. "Damit gehen wir mit gutem Beispiel voran und unterstützen die Unternehmen bei ihren Sparmaßnahmen", so Hochleitner.
Konzentration auf die Interessen der Unternehmen
Aber auch sonst werden die Mitgliedsunternehmen verstärkt von den Leistungen des FEEI profitieren: "Gerade der Unterstützung unserer Mitglieder in branchenspezifischen Fragen - vor allem auf EU-Ebene - kommt in Hinkunft verstärkte Bedeutung zu", kündigt Raschka an und sieht die Aufgaben des Verbandes in der Funktion eines "Frühwarnsystems" für bevorstehende Entwicklungen sowie in der zeitgerechten Meinungsbildung und im Lobbying auf nationaler und internationaler Ebene. Und Hochleitner faßt zusammen: "Die Intensivierung unserer Basisleistungen für die einzelnen Sparten, verstärkte Konzentration auf die Erfordernisse von Klein- und Mittelunternehmen und last but not least Verbesserung der Technik-Akzeptanz in der Öffentlichkeit - das sind die Eckpfeiler, auf denen die Arbeit des FEEI in der weiteren Zukunft basieren wird." (Ende)
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