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Deutsche Löhne steigen überdurchschnittlich

Tarifbericht der Hans-Böckler-Stiftung verweist jedoch auf Probleme im Niedriglohnbereich

Euros: Deutschland profitiert von guter Konjunktur (Foto: Paulwip, pixelio.de)
Euros: Deutschland profitiert von guter Konjunktur (Foto: Paulwip, pixelio.de)

Düsseldorf (pte024/06.09.2018/11:30) - Die Löhne in Deutschland liegen mit einem Reallohnzuwachs von 0,9 Prozent 2017 und prognostizierten 1,5 Prozent 2018 deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Das zeigt der "Europäische Tarifbericht" des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung http://boeckler.de . Die Experten führen dies auf die gute Konjunktur zurück. Zum Vergleich: 2017 legten die realen Effektivlöhne im EU-Schnitt nur um 0,4 Prozent zu, in neun von 28 EU-Ländern sanken sie sogar. Im laufenden Jahr dürften die Reallöhne um durchschnittlich ein Prozent steigen, leichte Verluste werden noch in Spanien und Kroatien erwartet.

Ungleichheiten aktiv bekämpfen

Die WSI-Ökonomen relativieren die erfreuliche Situation in Deutschland aber: "Angesichts des stabilen Aufschwungs und der relativ niedrigen Arbeitslosigkeit fallen die inflationsbereinigten Zuwächse aber auch hier moderat aus. Zudem ist der Niedriglohnsektor weiterhin groß, von soliden Zuwächsen bei den Tariflöhnen kommt im Niedriglohnbereich mangels Tarifbindung nur ein Teil an", heißt es in dem Bericht.

Damit Europa einen nachhaltigen und inklusiven Wachstumspfad beschreiten und die Ungleichheit bekämpfen könne, sei eine höhere Reichweite von Tarifverträgen unerlässlich, schreiben die WSI-Forscher Malte Lübker und Thorsten Schulten. Im europäischen Vergleich ergibt sich dazu nach Analyse der Experten ein eindeutiger Befund: Länder mit geringer Lohnungleichheit - allen voran Schweden, Belgien, Finnland und Dänemark - erreichen dies durch eine hohe Tarifbindung und starke Zentralisierung der Tarifverhandlungen. Demgegenüber deutlich höher falle die Lohnungleichheit in Osteuropa aus, wo vergleichbare Institutionen für kollektive Lohnverhandlungen fehlten.

"In Rumänien, Bulgarien und Lettland sind die Gehälter der Besserverdienenden mindestens viermal so hoch wie die der Geringverdiener, verglichen mit einem Faktor von 2,3 in Schweden. Deutschland lag im Jahr 2016 nach OECD-Angaben mit einem Wert von 3,3 im europäischen Mittelfeld", so Lübker und Schulten. "Die Lohnspreizung ist einer der wesentlichen Einflussfaktoren für die gesamtgesellschaftliche Ungleichheit", heißt es. Sie verweisen zusätzlich auf Veränderungen in der Lohnquote. Besonders stark sank der Anteil der Lohneinkommen an den Gesamteinkommen in Zypern, Finnland, Portugal oder Spanien.

Ausgeglichene Verteilungsbilanzen

Aktuell hält in vielen EU-Ländern die Lohnentwicklung mit der besseren Konjunktur und der anziehenden Inflation nur mühsam Schritt, sagen die Forscher. Zwar prognostiziere die EU-Kommission, dass sich die nominalen Lohnzuwächse 2018 in 22 von 28 Staaten beschleunigen. Doch der neutrale Verteilungsspielraum, der sich aus der Summe von Inflation und Produktivitätszunahme ergibt, werde 2018 in immerhin zwölf Ländern nicht ausgeschöpft. 2017 traf das sogar auf 17 EU-Staaten zu. Deutschland stehe hier besser da: 2015 und 2016 war die Verteilungsbilanz zwischen Löhnen und Gewinnen aus Arbeitnehmersicht deutlich positiv, 2017 und wohl auch 2018 wird der Verteilungsspielraum ebenfalls ausgeschöpft.

(Ende)
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