pte20000419010 in Forschung
Computerstimmen verraten Emotionen
Computer sollen gefühlsbetontes Sprechen lernen
Berlin (pte010/19.04.2000/11:15)
Menschen erkennen bei einem Gespräch am Klang der Stimme, ob ihr Gegenüber gut gelaunt, traurig oder gelangweilt ist. Synthetische Computerstimmen hingegen klingen emotionslos und kalt. Forscher der TU Berlin haben nun in Stimmanalysen die klanglichen Merkmale des emotionalen Sprechens ermittelt. Anhand der gefundenen Kriterien entwickelten sie Computerstimmen, die Gefühle zeigen können.Walter Sendlmeier, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität in Berlin, hat gründlich studiert, wie Menschen reden: "Die grundlegende Frage ist, was sich eigentlich an unserer Sprechweise ändert, wenn wir in ärgerlicher, in freudiger oder in ängstlicher Weise sprechen." Um das herauszufinden, ließ er Schauspieler neutrale Sätze mit unterschiedlichem Gefühlsausdruck sprechen. Bei der Analyse der Aufnahmen untersuchte er zunächst die so genannten Basisemotionen Wut, Trauer, Freude und Angst. Er stellte fest, dass Klang und Höhe der Stimme, das Sprechtempo, die Deutlichkeit der Aussprache und die Satzmelodie zusammenwirken, wenn man als Zuhörer die Stimmung des Sprechers erkennt.
Mit diesem Wissen kann Sendlmeier Computerstimmen nun so programmieren, dass sie klingen, als hätte der Rechner echte Gefühle. Auch Computerspezialisten interessieren sich für seine Technik. Sie könnte helfen, einige gravierende Probleme bei der sprachlichen Kommunikation zwischen Mensch und Maschine in den Griff zu bekommen. Denn ganz gleich ob Computer Sprache einfach nur verstehen oder eine bestimmte Person identifizieren sollen: "Die Systeme brechen mehr oder weniger zusammen, wenn Benutzer in sehr erregter Weise mit dem System kommunizieren", weiß Sendlmeier. Einen solchen Kollaps könnte man vielleicht verhindern, indem man Sprachsysteme mit den akustischen Merkmalen der verschiedenen Gefühlszustände füttert. Ein Rechner könnte dann die Abweichungen von der neutralen Sprechweise berechnen und den Sprecher auch dann verstehen, wenn er sehr aufgeregt ist. (dradio) (Ende)
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