pte19970929005 in Business
Chemiker beklagen Panscherei bei Lebensmitteln
Internationale Tagung: Manipulation auf der Tagesordnung
Interlaken (pte) (pte005/29.09.1997/18:22)
Strecken, Panschen und Verfälschen und was man dagegen tun kann waren die Themen der Euro Food Chem IX, einer internationalen Tagung von Lebensmittelchemikern, die am vergangenen Wochenende im Schweizer Interlaken stattfand. Demnach zählt zu den beliebtesten Essenzen bei der Fälschung von Lebensmitteln nach wie vor das Wasser.So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Fälle der Verwässerung teurer Fruchtsäfte, etwa aus Trauben oder Orangen, bekannt. Inzwischen ist die Analytik zur Aufdeckung solcher Panschereien zwar weiter - so läßt sich zum Beispiel das Strecken des Saftes anhand der Konzentration des Orangeninhaltstoffes Hesperidin überprüfen, aber dennoch bleiben solche Manipulationsversuche ein ernstes Problem.
Beispiel Orangensaft: Er stammt aus Übersee, vorzugsweise aus Brasilien oder Florida, und wird dann per Schiff nach Europa gebracht. Werner Baltes, Professor an der TU Berlin erklärt: "Um Transportkosten zu sparen, wird der Saft dort konzentriert und wird hier in Europa wieder auf den ursprünglichen Wassergehalt verdünnt. Man muß also nur zehn Prozent zuviel Wasser hinzugeben und das durch etwas Zitronensäure und Zucker kompensieren."
Die Lebensmittelchemiker beklagen, daß solche Betrügereien immer noch an der Tagesordnung seien. Ein Grund dafür ist auch, daß etwa Untersuchungen der Isotopenzusammensetzung, mit der Wasser- oder Zuckerzusätze nachgewiesen werden können, für den Routineeinsatz zu teuer sind.
Auch im Bereich der teuren Speiseöle bemühen sich die Lebensmitteldetektive oft vergeblich. Eine besonders beliebte Zutat ist hier das Rapsöl, weil es nahezu geruchs-, geschmack- und farblos, vor allem aber billig ist. So landet es immer wieder in teuren Walnuß-, Distel- oder Maiskeimölen.
Immerhin sind diese Manipulationen aber meßtechnisch einwandfrei nachzuweisen, da jedes Öl so etwas wie einen eigenen Fingerabdruck besitzt, der sich aus der individuellen Fettsäurezusammensetzung, aus dem Gehalt an sogenannten pflanzlichen Steroiden und aus der Lichtdurchlässigkeit ergibt. (Ende)
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