pts20000120006 in Business
Berufsbildende Schulen werden "kundenfreundlicher"
Am 3. Februar werden die ersten 20 Lehrer als ÖVQ-Auditoren zertifiziert
Wien (pts006/20.01.2000/09:00)
An den Berufsbildenden Höheren Schulen soll bald umfassendes Qualitätsmanagement (QM) einziehen, wenn es nach dem Wiener Landesschulinspektor Mag. Walter Grafinger geht. Gemeinsam mit der Österreichischen Vereinigung für Qualitätssicherung (ÖVQ) hat Grafinger einen Pilotlehrgang unter dem Titel "Prozessdenken in der Organisation Schule" eingerichtet. Die ersten 20 Lehrer, die nach ihrer Qualitätsmanagement-Schulung nun auch zu Auditoren ausgebildet wurden, erhalten am 3. Februar in Wien von Präsident Dr. Kurt Scholz ihr ÖVQ-Zertifikat.Durch den Einsatz professioneller Qualitätsmanagementmethoden sollen die Bildungsanstalten "kunden-", also schüler- und elternfreundlicher werden, erklärt Grafinger. Der Lehrgang ist Teil einer Qualitätsinitiative der Wiener Berufsbildenden Schulen und des Pädagogischen Instituts des Bundes, die im Rahmen der Aktion "Qualität in Schulen" (QIS) des Unterrichtsministeriums vor drei Jahren gestartet wurde. "Die ÖVQ hat uns von allen Ausbildungsorganisationen das attraktivste Maßnahmenprogramm vorgeschlagen", betont Grafinger.
"Wir wollen mit der Ausbildung einerseits QM als Unterrichtsinhalt etablieren, andererseits soll QM auch in der Schulorganisation zum Tragen kommen", sagt Grafinger. So soll etwa als Folgeprojekt ein Freigegenstand entstehen, der mit einer Prüfung bei der ÖVQ abschließt. "Jede Schule soll sich mit Qualität beschäftigen", erklärt Grafinger. Daher wurden bewusst auch zwei Schulleiter in den Lehrgang geschickt, die in weiterer Folge die Lehrer "ins Boot" holen sollen.
Derzeit führen Qualitätsbeauftragte an Schulen noch ein Einzelkämpfer-Dasein. Künftig soll es nicht nur einen "Qualitätsbeauftragten" pro HAK, HASCH oder Pädak geben, bestätigt auch Mag. Dieter Wlcek, einer der Schulleiter, die im Rahmen des ÖVQ-Lehrganges ausgebildet wurden. Auch er ist überzeugt, dass QM nur im Team möglich ist - nicht zuletzt, weil es sich dabei um ein "demokratisches Führungsmittel" handelt.
Mag. Anneliese Rotter, eine der ausgebildeteten Lehrerinnen, wird in ihrem Fach Betriebswirtschaft QM-Denken und -Ansätze als aktuellen Schwerpunkt im Rahmen des Lehrplans setzen und will damit den Unterricht noch praxisgerechter machen. "Zudem arbeite ich an einem Lehrplan für einen Freigegenstand Qualitätsmanagement mit, der ab 2001 in allen Handelsakademien angeboten werden soll", so Rotter. Schließlich soll auch an der Josef Schumpeter-Handelsakademie Wien 13, wo Rotter derzeit unterrichtet, QM in der Schulorganisation eingesetzt werden. "Ich ziehe auch einen Einsatz bei der ÖQS als Auditorin in Erwägung", zeigt sich Rotter von ihrer Ausbildung überzeugt.
Verpflichtung zur Teilnahme an Folgeprojekten
Die Teilnehmer wurden aus allen Schulbereichen ausgewählt - vom Schulleiter über Mitarbeiter der Pädagogischen Institute bis zum Lehrer - und haben sich verpflichtet, an Folgeprojekten mitzuarbeiten. Sie sind nach ihrer Ausbildung qualifiziert, QM-Systeme in Form von internen und externen Audits zu bewerten, Verbesserungspotentiale zu erkennen und Korrekturmaßnahmen einzuleiten.
Hauptanliegen der Initiative "Qualität in Schulen" (QIS) ist es, die Kernkompetenz des "Dienstlei-stungsbetriebs namens Schule", also den Unterricht, qualitativ hochwertig zu gestalten, wobei das Prozessdenken aller Beteiligten aktiviert werden soll. "Qualität soll an allen Schulen ein Diskussi-onsthema werden", erklärt Grafinger. Ständige Qualitätsverbesserung soll das Handeln aller be-stimmen, die an Schulen beschäftigt sind. So können Schulen das EFQM-Modell - ein sehr umfang-reiches Total Quality Management- Modell - gänzlich übernehmen oder lediglich auf einen Teilbereich anwenden, den es zu verbessern gilt. In diesem Sinne sollen sich Schulen an Methoden messen, die in Unternehmen angewandt werden und sich also der ISO-Gedankenwelt zuwenden. Schließlich ist zyklisches Denken angesagt: "Die Beteiligten sollen sich dann fragen, ob sie ihr Ziel erreicht haben oder nicht und ob dies auch messbar ist", so Grafinger.
Wlcek hat im International Business College Hetzendorf bereits vor drei Jahren ein QM-System nach EFQM eingeführt. Nun wird auch der für bestimmte Teilbereiche effizientere ISO-Ansatz zur Anwendung kommen, wie etwa beim Prozessmanagement (Behandlung von Schülerbeschwerden, Karriereplanung der Lehrer), der Organisation einer Lehrmittelsammlung oder im administrativen Bereich. Die Einbeziehung der Schüler erfolgt durch Mitarbeit in Arbeitsgruppen, wie etwa zu den Themen "Leistungsbeurteilung" oder "Schülerrechte". "Ein Ende dieser Entwicklung hin zu einer höheren Qualität in der Schule ist nicht abzusehen", erläutert Wlcek. "Wenn ein angestrebter Ideal-zustand erreicht ist, wird wieder ein neuer gesucht."
Information: Österreichische Vereinigung für Qualitätssicherung (ÖVQ), TR Ing. Viktor Seitschek, Gonzagagasse 1/24, 1010 Wien, Tel. 01/5333052, Fax 5333055, E-mail: office@oevq.at http://www.oevq.at/ Stadtschulrat für Wien/Abt. III/Berufsbildende Schulen, Mag. Walter Grafinger, Hütteldorfer Str. 7-17, 1150 Wien, Tel.: 01/525 25/77301 Fax: 01/525 25/99/77301 E-Mail: walter.grafinger@ssr.magwien.gv.at (Ende)
| Aussender: | Oesterreichische Vereinigung für Qualitätssicherung (ÖVQ) |
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| Tel.: | 01/402 48 51 |
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| Website: | www.oevq.co.at/oevq/ |
