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pte19971102002 in Business

Antibiotika werden zum Umweltkiller

Deutsche Forschergruppe weist Antibiotika in Flüssen nach


Wiesbaden (pte) (pte002/02.11.1997/22:09)

Der übertriebene Einsatz von Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft wird immer mehr zu einem Umweltproblem. Eine Wiesbadener Forschungsgruppe konnte die Mittel in Oberflächengewässern und Kläranlagenabläufen nachweisen. Mit der Gülle von Nutzvieh gelangen Antibiotika wahrscheinlich auch auf Ackerflächen. Die Folge sind resistente Krankheitserreger und damit Infektionen, die medikamentös nicht mehr behandelt werden können.

Jedes Jahr verschreiben deutsche Ärzte mehr als 40 Millionen Mal Antibiotika. Über die Toiletten gelangt das Wundermittel von einst in die Kläranlagen. In welchem Ausmaß das geschieht, hat Thomas Ternes vom ESWE-Institut für Wasserforschung und Wassertechnologie in Wiesbaden untersucht: "Uns ist es erstmals gelungen, auch Antibiotika in der Umwelt nachzuweisen, in Oberflächengewässern und Kläranlagenabläufen. Nachweisbar waren hier verschiedene Makrolidantibiotika, Erythromycin und Roxithromycin in Konzentrationen von bis zu fünf Mikrogramm pro Liter bei den Kläranlagen und zwei Mikrogramm in Oberflächengewässern."

Bis dato fanden die Analytiker zwar keine Antibiotika in Grund- und Trinkwasser, sie suchten aber auch nur nach Wirkstoffen, die in der Humanmedizin eingesetzt werden. Viel größer jedoch ist der Einsatz in der Landwirtschaft. Ternes: "Dort sind sie permanent dem Futter zugemischt und werden oft unverändert wieder ausgeschieden. Es ist zu erwarten, daß die Substanzen über die Gülle das Ackerland kontaminieren und von dort ins Grundwasser gelangen."

Der übermäßige Einsatz von Antibiotika sorgt auch dafür, daß gefährliche Krankheitserreger immun werden. So nimmt beispielsweise die Zahl der antibiotikaresistenten Pneumokokken zu. Infektionen, die nicht mehr medikamentös behandelt werden können, treten deshalb immer häufiger auf. Heinrich Gaiss, Mikrobiologe am Hygieneinstitut in Heidelberg: "Das bekannteste Beispiel ist die Entwicklung der Penicillinresistenz in Ungarn. 30 bis 40 Prozent aller Pneumokokken wurden plötzlich resistent. Der Grund war exzessiver Gebrauch eines Antibiotikums, das im freien Verkauf auch im Laden an der Ecke zu bekommen war."

Noch streiten die Wissenschaftler um die Antibiotikakonzentration, die bei Keimen schließlich Resistenzen auslösen kann. Fest steht hingegen, daß Milligramm-Mengen wie sie mitunter in Fleisch nachweisbar sind, ausreichen. Die Opfer sind hauptsächlich immungeschwächte Personen wie HIV-Infizierte oder Chemotherapierte. (Quellen: G. Haiber, T. Ternes, H. Gaiss) (Ende)
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