Andere Leitwährung als Dollar wäre Desaster
Mindy Xiaolan von der Texas McCombs School of Business verweist auf zwei historische Beispiele
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Mindy Xiaolan sieht Gefahren auf Dollar-Anleger zukommen (Foto: mccombs.utexas.edu) |
Austin (pte003/19.01.2026/06:10)
Die Ablösung des Dollars als Leitwährung der Welt würde Anleger schädigen und den Wohlstand von US-Bürgern gefährden. Davor warnt Mindy Xiaolan von der Texas McCombs School of Business. In den vergangenen 25 Jahren habe sich die Staatsverschuldung der USA gemessen am Bruttoinlandsprodukt laut dem Congressional Budget Office fast verdreifacht und liege nun bei 98 Prozent. Bis 2054 soll sie 166 Prozent erreichen.
Dollar-Dominanz wichtig
Die US-Regierung konnte diese Schulden zum Teil deshalb aufbauen, weil Investoren weltweit bereit sind, ihre Schuldscheine zu kaufen. Allein 2024 versteigerte das US-Finanzministerium Wertpapiere im Wert von 28 Bio. Dollar. So spendabel werden Investoren nicht immer sein, so Xiaolan.
Laut der Expertin hängt die fiskalische Kapazität der US-Regierung - ihre Fähigkeit, Geld zu beschaffen - von der Dominanz des US-Dollars ab. Auf Dollar lautende Vermögenswerte machten 57 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus, und 88 Prozent der Devisentransaktionen würden in Dollar abgewickelt.
"Wenn sich die finanzpolitischen Fundamentaldaten eines Landes verschlechtern und seine Währung ihren privilegierten Status verliert, kann die Kreditaufnahmekapazität seiner Regierung eingeschränkt werden. Der Marktwert seiner Schulden wird sinken, und die Anleihegläubiger werden Verluste erleiden", sagt Xiaolan.
"Billionen-Dollar-Frage"
Ob das auch die USA treffen könnte, sei "eine Billionen.-Dollar-Frage". Dabei verweist Xiaolan auf zwei historische Beispiele. Zusammen mit Zefeng Chen von der Peking-Universität, Zhengyang Jiang von der Northwestern University, Hanno Lustig von der Stanford University und Stijn Van Nieuwerburgh von der Columbia University verglich sie in ihrer Studie die finanzielle Entwicklung der USA mit der zweier anderer Länder, die einst die Welt-Leitwährungen stellten.
Im 17. und 18. Jahrhundert dominierten die Niederlande und ihr Gulden den internationalen Handel. Nach 1800 übernahmen das Vereinigte Königreich und das Pfund diese Rolle - bis zum Zweiten Weltkrieg, als der Dollar diesen Platz einnahm. Als diese Länder auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen, betrachteten Investoren deren Anleihen als die sichersten Vermögenswerte der Welt.
Bei der Analyse historischer Preise hat Xiaolan festgestellt, dass Investoren für niederländische und britische Staatsanleihen einen Aufschlag von einem bis 1,5 Prozent gegenüber denen anderer Länder zahlten. Im Laufe der Zeit verschaffte die Nachfrage der Anleger nach sicheren Anlagen beiden Ländern Spielraum, über ihre primären Haushaltsüberschüsse hinaus Kredite aufzunehmen, in der Regel zur Finanzierung von Kriegen. Die Verschuldung der Niederlande erreichte während der Napoleonischen Ära mehr als 200 Prozent seines BIP, während die des Vereinigten Königreichs am Ende des Zweiten Weltkriegs 130 Prozent des BIP überstieg.
Bis zu 70 Prozent Verlust
"Als jedoch beide Währungen von ihrem Sockel fielen, kam es zu einer wirtschaftlichen Abrechnung", meint Xiaolan. Die Gläubiger erlitten große Verluste. Niederländische Anleihen wurden 70 Prozent unter ihrem Nennwert gehandelt, während britische Anleihen 61 Prozent an Wert verloren. Heute beschreite die US-Regierung einen ähnlichen Weg. Ihre fiskalische Kapazität scheine über das hinauszugehen, was durch ihre zugrunde liegenden fiskalischen Fundamentaldaten gerechtfertigt sei.
Derzeit ließen globale Investoren noch zu, dass die USA mehr Schulden machten, als sie sich leisten könnten - ein Phänomen, das sie als "exorbitantes Privileg" bezeichnet. Sie sieht jedoch Anzeichen dafür, dass globale Investoren die Geduld verlieren. Der Marktwert der US-Staatsverschuldung, der widerspiegelt, was Investoren bereit sind, dafür zu zahlen, sei seit seinem Höchststand im Jahr 2020 um mehr als 15 Prozent gefallen.
Aktuell habe der Dollar allerdings noch einen Vorteil: Es gebe keine Konkurrenz. Als die Niederlande und Großbritannien ins Straucheln gerieten, standen andere Länder und Währungen bereit, um ihren Platz einzunehmen. Im Gegensatz dazu litten potenzielle Konkurrenten wie China und die Eurozone unter wirtschaftlichen Problemen.
Die Geschichte mahne jedoch, dass diese Stärke nicht unbedingt von Dauer sein werde. "Ich glaube, unsere Botschaft lautet, dass wir als Land vielleicht etwas vorsichtig sein sollten. Wir werden diesen privilegierten Status möglicherweise nicht dauerhaft genießen können", schließt Xiaolan.
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