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pte20220112003 Medien/Kommunikation, Technologie/Digitalisierung

Männer eher scharf auf schlechte News

"Doomscrolling": Medien mit einem Hang zu Katastrophen-Titeln könnten abgestraft werden


Schockierend: so viele Negativ-Nachrichten (Foto: Sammy-Sander, pixabay.com)
Schockierend: so viele Negativ-Nachrichten (Foto: Sammy-Sander, pixabay.com)

Gainesville (pte003/12.01.2022/06:15) -

„Doomscrolling", ein zwanghaftes Binge-Lesen schlechter Nachrichten, gibt es wirklich, und Männer sowie jüngere Menschen sind eher betroffen. Das besagt eine aktuelle Studie der University of Florida (UFL) https://ufl.edu . Die Angst, etwas zu verpassen, und das ständige Online-Sein dank Smartphone dürften solche Verhalten begünstigen. Medien sollte das aber nicht zu noch mehr Negativ-Schlagzeilen auf sozialen Medien verleiten. Denn wenn Betroffene ihr Problem bemerken, könnten sie Quellen mit einem Überhang and Katastrophen-Headlines abstrafen.

Echter Negativ-Zwang

Das UFL-Team wollte zunächst klären, ob es Doomscrolling wirklich gibt oder vielleicht doch nur eine neue Clickbait-Phrase ist. „Es ist eine Obsession damit, all unseren Krisen einen Sinn zu geben", meint nun Benjamin K. Johnson, Professor für Werbung. Zum Verhängnis wird Betroffenen die Kombination aus Krise und Smartphone mit nie endendem Newsfeed. „Er geht immer weiter, also scrollen wir weiter." Was genau so ein Verhalten auslöst, bleibt allerdings unklar. Die Angst, etwas zu verpassen, scheint jedenfalls oft eine Rolle zu spielen.

Ob jemand zum Doomscrolling neigt, ist dabei offenbar unabhängig von politischer Gesinnung; ein größeres Interesse an Politik begünstigt das Verhalten aber. Zudem sind es eher jüngere Menschen, die schlechte Nachrichten bingen. Männer neigen stärker dazu. Gerade letzteres sei eine überraschende Erkenntnis gewesen, so UFL-Forschungsassistentin Bhakti Sharma. „Ich dachte nicht, dass Gender eine Rolle spielt." Den Forschern zufolge scheinen Doomscrolling und Ängste sich gegenseitig zu verstärken, doch sei zunächst nicht klar, was dabei Ursache und was Wirkung ist. Das müsse weitere Forschung klären.

Gefahr für Negativ-Medien

Johnson zufolge merken Betroffene auf Dauer, dass sie zu viel Negativ-News konsumieren und reagieren darauf. „Ihnen wird bewusst: ‚Dadurch fühle ich mich schlecht‘, und sie können daran arbeiten, neue Mediengewohnheiten zu entwickeln." Ganz konkret zeigte die Studie, dass solche Nutzer ein Misstrauen gegenüber Social-Media-Accounts entwicklen können, die unverhältnismäßig viel Negativ-Inhalte posten – und daher letztlich Medien meiden, die in sozialen Medien zu sehr auf Negativ-Schlagzeilen setzen.

Nachrichtenmedien sollten daher beim ihren Social-Media-Auftritten auf eine ausgewogene Mischung aus guten und schlechten Nachrichten setzen, so Johnson. Er hofft zudem, dass die Plattformen auf das Phänomen Doomscrolling reagieren, indem sie Nutzern mehr Kontrolle über den Newsfeed geben – was es Usern leichter machen würde, Negativ-Medien auszublenden.

(Ende)
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