Deutsche Unternehmen federn Subprime-Langzeitfolgen ab
"Amerikaner haben Verluste in die ganze Welt verkauft"
Berlin/Wien (pte022/28.05.2008/12:10) Der Wirtschaftsstandort Deutschland droht zwar nicht von einer Insolvenzwelle überrollt zu werden, die Subprime-Krise ziehe derzeit jedoch noch unabsehbare, langfristige Folgen nach sich. Diese könnten sich in Form von Insolvenzen direkt auf die Unternehmen auswirken. "Wenn ein Gesamtabschreibungsbedarf von nahezu 1.000 Mrd. Dollar kolportiert wird, der zu einem erheblichen Anteil nicht in den USA, sondern in Europa anfällt, dann kann man sich ausmalen und zum Teil schon beobachten, wie destabilisierend sich diese Krise auswirkt", schreibt der Gläubigerschutzverband KSV http://www.ksv.at . Eine Verknappung der Kredite sei in Deutschland durchaus im Bereich des Möglichen. "Im Grunde haben die Amerikaner ihre Verluste in die ganze Welt verkauft", meint Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte beim KSV, im Gespräch mit pressetext.
Während sich die Insolvenzen in Deutschland 2007 mit einem Minus von 14,6 Prozent rückläufig verhielten und auch 2008 aufgrund der stabilen Wirtschaftslage nicht mit einem Anstieg der Insolvenzen zu rechnen sei, würden sich die Langzeitauswirkungen von Subprime- und Finanzkrise erst in den Folgejahren bemerkbar machen. "Insolvenzen laufen der Konjunktur immer um etwa zwei Jahre hinterher", erklärt der Experte. So habe die Entwicklung auch 2007 noch von der durch die Fußball-Weltmeisterschaft des Vorjahres ausgelösten Euphorie profitiert. "Zuvor war Deutschland in eine emotional geprägte Krise gerutscht, die von einem Mangel an Selbstvertrauen gekennzeichnet war. Die Weltmeisterschaft 2006 wirkte sich wie ein Zündfunke aus. Seither herrscht ein völlig anderes Klima", so Kantner gegenüber pressetext. Dennoch sei es möglich, dass sich die durch die Krise bedingten Mrd.-Abschreibungen ebenso erst später auswirken.
Die anhaltende Dollar-Schwäche machte sich im Vorjahr in ganz Europa bemerkbar. Trotzdem konnten sowohl ost- als auch westeuropäische Länder insgesamt einen deutlichen Rückgang an Insolvenzen verzeichnen. Während in Westeuropa mit 129.773 gegenüber sieben Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2006 (139.505) angemeldet wurden, erzielte Osteuropa mit rund 53.000 Insolvenzen sogar ein Minus von 48,6 Prozent. Die positive Entwicklung in CEE wurde hauptsächlich vom Wirtschaftsboom in Russland getragen. Demgegenüber machte sich die Wirtschaftsschwäche in den USA bereits 2007 bemerkbar: Über 28.000 Insolvenzen stehen einer Zahl von knapp 20.000 im Jahr davor gegenüber, was einem Anstieg von 43,8 Prozent entspricht. Deutschland liegt europaweit weiterhin an zweiter Stelle hinter Frankreich. Mit 29.160 Insolvenzen verbucht der Wirtschaftsstandort mehr Insolvenzen als die gesamten USA.
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