pte19971108003 in Business
"Vater" der Gentherapie warnt vor zu großen Hoffnungen
Friedmann: Klinische Erfolge erst im nächsten Jahrtausend
Düsseldorf (pte) (pte003/08.11.1997/19:41)
Der renommierte US-Genforscher Theodore Friedmann hat vor allzu großen Erwartungen in der somatischen Gentherapie gewarnt. Auf einem Symposium des Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen sagte Friedmann, effiziente Transportmechanismen für die Genübertragung stünden erst seit kurzem bereit. Therapeutische Erfolge könne man daher zur Zeit noch nicht vorweisen.Die somatische Gentherapie umfaßt alle gezielten Veränderungen am Erbgut von Körperzellen, die nicht vererbt werden. Dabei sollen in den Körper des Patienten eingeschleuste Gene defektes Erbgut ersetzen, "abschalten" oder ergänzen. Drei Viertel aller Verfahren richten sich gegen verschiedene Krebsformen, weitere Ansatzpunkte bilden Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen wie Parkinson sowie die Immunschwäche Aids. Entsprechende Vehikel in Form von Vektoren oder Liposomen sind jedoch erst seit kurzem verfügbar, so daß die Forscher noch keine durchschlagenden Erfolge vermelden konnten.
Friedmann gab sich dennoch zuversichtlich, daß bereits in einigen Jahren wegweisende Ergebnisse vorliegen werden. Der Forscher, der als Vater der Gentherapie gilt, beklagte indes das geringe Interesse der Industrie und mangelndes Engagement der Regierungen, die für eine breite Aufklärung der Öffentlichkeit über den Nutzen der Biotechnologie zuständig seien.
Auch hierzulande bisher verbotene Eingriffe in die Keimbahn dürfen nach Ansicht von Friedmann kein Tabu darstellen. Dabei werden im Gegensatz zur somatischen Therapie die Erbgutveränderungen an die nachfolgenden Generationen vererbbar gemacht. "Es wäre ein Fehler, die Diskussion hinauszuschieben", warnte der Experte. Für solche Eingriffe beim Menschen sei jedoch eine perfekte Technik nötig, "die wohl erst in ferner Zukunft erreichbar ist". [Quellen: Ellen Norten, Theodore Friedmann]
* Kosmische Strahlung verursacht Schäden im Erbgut *
Eine internationale Forschergruppe hat Blutproben von zwei Astronauten untersucht, die sich vier Monate lang auf der Raumstation Mir aufgehalten haben. Nach dem Mir-Aufenthalt fanden die Forscher in den weißen Blutkörperchen der Astronauten doppelt so viele Chromosomen-Schäden wie in den Blutproben vor der Weltraumexpedition. Während der vier Monate im All hätten sie eine Dosis an Alpha-Strahlung aufgenommen, die siebenmal so hoch ist, wie die von der IAEA in Wien erlaubte Jahres-Höchstdosis für Beschäftigte in Atomanlagen. Im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung habe sich das Krebsrisiko der Astronauten um rund ein Prozent erhöht, heißt es im Wissenschaftsmagazin "New Scientist".
[Quelle: New Scientist] (Ende)
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