pts19991021013 in Business
ÖKV: Lohn- und Zinsanstieg beeinflusst Insolvenzen
Klein- und Mittelbetriebe am meisten gefährdet
Wien (pts013/21.10.1999/11:00)
Die Lohnerhöhungen des heurigen Herbstes und das Ansteigen der Zinsen, das von Finanzexperten spätestens nach dem Jahreswechsel erwartet wird, könnten zu einer Zunahme der Insolvenzen in Österreich und in ganz Europa führen.Das befürchtet die Österreichische Kreditversicherungs-AG, die Unternehmen gegen Zahlungsausfall und -verzug ihrer in- und ausländischen Abnehmer versichert.
Das günstige Zinsniveau und die Zurückhaltung bei den Löhnen sind nämlich die wichtigsten Gründe für den europaweiten Rückgang der Insolvenzen seit Mitte der Neunzigerjahre gewesen. Da in Österreich entgegen dem europäischen Trend heuer sogar ein Insolvenzrekord erwartet wird, würden hohe Lohnabschlüsse und eine gleichzeitige Zinserhöhung hierzulande noch größere Auswirkungen haben.
Lohn-/Stückkosten ausschlaggebend
Eine Erhöhung der Löhne trifft vor allem die Klein- und Mittelbetriebe (KMUs), die in Österreich und in der EU rund 70 % aller Erwerbstätigen beschäftigen. Da sie gegenüber den Großunternehmen durch ungünstigere Lohn-/Stückkosten benachteiligt sind, tragen hohe Lohnforderungen zur Belastung dieser Betriebe bei. In Bezug auf die Arbeitskosten gilt als erwiesen, daß es infolge der mode-raten Lohnpolitik zu einer Abnahme der Lohn-/Stückkosten in den Jahren 1993 bis 1998 kam, was wesentlich zum europaweiten Rückgang der Insolvenzen beigetragen hat.
KMUs leben von der Kontoüberziehung
Ein Wiederansteigen der Zinsen erhöht vor allem im kurzfristigen Bereich die Finanzierungskosten der KMUs, die in Österreich und der EU rund 99 % aller Betriebe stellen. Da sich KMUs zu 80 % über den Lieferantenkredit, den Kontokorrentkredit und ihren täglichen Umsatz finanzieren, brauchen sie im Gegensatz zu Großunternehmen billiges Geld nicht für Investitionen, sondern vor allem für den täglichen Überlebenskampf.
Ein Zinsanstieg würde den ohnehin geringen finanziellen Spielraum dieser Unternehmen weiter einschränken. Ein Zunehmen der Insolvenzgefahr ist in diesem Zusammenhang auch dadurch gegeben, daß KMUs meist über geringes Eigenkapital verfügen und Konjunkturschwankungen daher nur schwer abzufedern können. Darüber hinaus ist ihnen der Zugang zu günstigen Finanzierungsquellen wie beispielsweise Aktienkapital verwehrt. (Ende)
| Aussender: | Österreichische Kreditversicherung Coface AG (ÖKV Coface) |
| Ansprechpartner: | Marie Therese Koller |
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| E-Mail: | mth.koller@mediapro.co.at |
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