"Kindheit ist keine Krankheit"
Protestwoche in Hamburg gegen Zwang und Gewalt in der Kinderpsychiatrie sowie Pharma-Sponsoring
München (pts019/13.08.2026/08:00)
"Kindheit ist keine Krankheit": Protestwoche in Hamburg stellt Zwang und Gewalt in der Kinderpsychiatrie sowie massive Interessenskonflikte durch Pharma-Sponsoring an den Pranger.
Im Juli 2026 veranstaltete die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland e.V. (KVPM) anlässlich des 27. Weltkongresses der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Protestwoche gegen Zwangsbegutachtung mit fragwürdigen Psycho-Screenings und Pseudo-Diagnosen und den Einsatz von Psychopharmaka trotz über 100 Warnungen vor gefährlichen Risiken. Selbst vor Elektroschocks bei Kindern schrecken Psychiater nicht zurück. Die internationale Ausstellung "Psychiatrie: Tod statt Hilfe" hatte 2.700 Besucher, es wurden 14.000 Informationsmaterialien verteilt und nächtliche Mahnwachen durchgeführt. Bei der Eröffnung warnte ein früherer LKA-Präsident, dass der Kinderschutz in Gefahr sei und prangerte ein profitorientiertes Gutachter-System an. Weitere Sprecher waren eine frühere UN-Mitarbeiterin und eine Professorin für Pädagogik aus Italien. Zudem führte die KVPM am 3.7.26 eine Demonstration mit 400 Menschenrechtlern aus 11 Ländern in der Hamburger Innenstadt durch und protestierte direkt vorm Psychiatriekongress.
Unter dem Motto "Kindheit ist keine Krankheit" kritisiert der Verein die zunehmende Psychiatrisierung normalen kindlichen Verhaltens, den Einsatz von Psychopharmaka bei Minderjährigen, Intransparenz und Zwang sowie massive Interessenkonflikte zwischen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Pharmaindustrie.
Nach Angaben der Veranstalter zeigte sich dabei ein großes öffentliches Interesse an dem Thema, welches unzählige Fragen aufwirft: Wer profitiert vom Einsatz fragwürdiger Psycho-Diagnosen, von der Inobhutnahme von über 69.500 Kindern und Jugendlichen im Jahr 2024 durch Jugendämter in Deutschland, Psychopharmaka bei Kindern, Zwangsbehandlungen und Elektroschocks, und wer kontrolliert psychologische und psychiatrische "Gutachter", mit der Macht, intakte Familien auseinander zu reißen?
Der Demonstration der KVPM schlossen sich betroffene Eltern aus vielen Teilen Deutschlands an — darunter eine Mutter, die mit ihrem Schild "Mutter ohne Rechte" eindrücklich zeigte, wie tief familiengerichtliche und kinderpsychiatrische Eingriffe das Leben von Eltern und Kindern bis heute erschüttern können.
Auf rund 200 Quadratmetern informierte die KVPM am Dag-Hammarskjöld-Platz beim Dammtor-Bahnhof mit 15 Messewänden und acht Videostationen über schädigende Praktiken der Psychiatrie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Nachts führten die Menschenrechtler Mahnwachen für Opfer psychiatrischer Gewalt und Zwangsbehandlung durch.
"Die Fakten sind sehr erschütternd. Ich wusste nicht, dass solche dramatischen Behandlungen durchgeführt werden", sagte eine Besucherin mit eigener Erfahrung nach ihrem Besuch der Ausstellung.
Eine Betroffene erklärte: "Die Willkür ist schrecklich. Ein großer Teil der heutigen Situation ist brutal und korrupt."
Nach Angaben der KVPM wurden während der Protestwoche zahlreiche neue Missbräuche von Betroffenen und Angehörigen gemeldet. Andere Besucher hatten durch die Ausstellung erstmals erfahren, dass Zwang, Fixierungen und Elektroschocks der Psychiatrie nicht nur in der Vergangenheit angewendet wurden, sondern bis heute angewendete, psychiatrische Praktiken darstellen.
Protest gegen einen Weltkongress mit Pharma-Sponsoring
Am Freitag, den 3. Juli 2026, zog die Demonstration unter dem Motto "Keine Psychodrogen für unsere Kinder" vom Gerhart-Hauptmann-Platz durch die Hamburger Innenstadt zum Congress Center Hamburg (CCH). An der Spitze fuhr eine Bimmelbahn. Dahinter liefen mehrere kostümierte Demonstranten als bekannte Figuren wie Pippi Langstrumpf, der kleine Prinz, Peter Pan, Alice im Wunderland, der Hutmacher sowie ein Clown. Sie stehen sinnbildlich für die Fantasie, Kreativität, Magie und den Freigeist von Kindern, die voller Leben und Neugier sind.
Jede dieser Figuren trug ein Schild mit ihrem Namen – und auf der Rückseite eine beispielhafte psychiatrische Diagnose wie ADHS, demonstrativ durchgestrichen. Symbolisch wurden sie von drei als Psychiater verkleideten Aktivisten verfolgt, die versuchten, sie mit Stempeln als psychisch gestört zu kennzeichnen und ihnen Psychopillen aufzuzwingen.
Die KVPM sieht darin ein Bild für eine gesellschaftliche Entwicklung, die der Verein entschieden kritisiert: Lebendige, kreative oder von "der Norm" abweichende Kinder würden immer häufiger mit psychiatrischen Etiketten versehen, statt nach den Ursachen zu suchen und zu prüfen, ob körperliche Krankheiten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder andere Belastungen eine Rolle spielen, z.B. im Umfeld, in der Schule oder der Familie, und echte Hilfen zu finden.
Besondere Kritik übte die KVPM am Pharma-Sponsoring des Weltkongresses. Ein Hauptsponsor des Weltkongresses der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg war MEDICE, ein führender Hersteller und Vertreiber von ADHS-Mitteln in Europa. Gleichzeitig würden nicht-medikamentöse, pädagogische, familiäre und Ursachen-orientierte Hilfen im öffentlichen Diskurs viel zu wenig Gewicht erhalten.
"Wenn ein Kongress über Kinderpsychiatrie von Pharmaunternehmen gesponsort wird, während gleichzeitig über Diagnosen, Psychopharmaka und Behandlungsstandards bei jungen Menschen gesprochen wird, dann ist das keine Nebensache", erklärte die KVPM. "Hier geht es um Kinder, um viel Geld und um die Frage, wer die Deutungshoheit über normales kindliches Verhalten bekommt."
Der Verein fordert in einem Schreiben an die Ärztekammer Hamburg eine Prüfung, ob die Anerkennung des IACAPAP-Kongresses als ärztliche Fortbildung mit den Anforderungen an unabhängige, neutrale und transparente Fortbildung vereinbar ist. Bei erheblichen Interessenkonflikten fordert die KVPM die Aberkennung der Fortbildungspunkte.
"Ärztliche Fortbildung darf nicht zur verlängerten Werkbank wirtschaftlicher Interessen werden – schon gar nicht, wenn es um Kinder geht", so der Veranstalter.
Internationale Redner: Warnung vor Zwang und Gewalt
Auf der Abschlusskundgebung am Jungfernstieg sprachen unter anderem Dr. Zhannat Kosmukhamedova, ehemalige Expertin der Vereinten Nationen mit langjähriger Erfahrung im Bereich Menschenrechte, Gesundheitspolitik und Drogenprävention, sowie Uwe G. Kranz, ehemaliger Präsident des Landeskriminalamts Thüringen.
Dr. Zhannat Kosmukhamedova mahnte in ihrer Rede, psychische Gesundheitsversorgung dürfe niemals zu einem System der Angst, Gewalt oder des Schweigens werden. Besonders deutlich wurde sie beim Thema Zwang:
"Zwangsbehandlung, Zwangsmedikation, Isolation, physische und chemische Fixierung, unfreiwillige Einweisung ins Krankenhaus und nicht einvernehmliche Elektrokonvulsionstherapien können einer Person tiefgreifenden Schaden zufügen. Unter bestimmten Umständen können solche Praktiken einer grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder sogar Folter gleichkommen."
Mit Blick auf Kinder sagte sie:
"Ein Kind in Not ist nicht defekt. Ein Kind ist ein sich entwickelnder Mensch, dessen Nervensystem noch wächst, dessen Identität sich noch bildet, dessen Vertrauen noch aufgebaut wird und dessen Zukunft noch offen ist."
Und weiter:
"Ein Kind sollte niemals auf eine psychiatrische Diagnose reduziert werden. Ein Kind sollte niemals mit Medikamenten gefügig gemacht werden, nur weil Erwachsene, Institutionen oder die Gesellschaft es versäumt haben, zuzuhören."
Dr. Kosmukhamedova dankte zudem den Betroffenen, deren persönliche Erfahrungen in der Ausstellung gezeigt wurden: "Ihre Stimmen sind unverzichtbar. Ohne denen zuzuhören, die Fesselungen, Zwangsbehandlungen, Isolation, Zwangsmedikation oder Demütigungen erlebt haben, kann keine Reform der psychischen Gesundheitsversorgung wirklich ehrlich sein."
Uwe Kranz: Kinderschutz darf kein intransparentes Geschäftsmodell werden
Uwe G. Kranz, ehemaliger Präsident des Landeskriminalamts Thüringen, stellte in seiner Rede u.a. die Macht psychologischer Gutachten in familiengerichtlichen Verfahren in den Mittelpunkt. Besonders problematisch sei es, wenn Kinder nicht persönlich gesehen oder gesprochen würden, solche Einschätzungen aber dennoch weitreichende Entscheidungen beeinflussten.
Kranz warnte davor, dass Kinderschutz durch undurchsichtige Strukturen, wirtschaftliche Interessen und mangelhafte persönliche Prüfung gefährdet werde. Bei Rechnungen von rund 20.000 bis über 32.000 Euro dürfe Kinderschutz nicht zu einem intransparenten Geschäftsmodell werden.
"Kinder werden nicht nur durch Täter gefährdet", so Kranz. "Kinder werden auch durch Institutionen gefährdet, wenn psychologische Gutachten, psychiatrische Diagnosen und wirtschaftliche Interessen über ihr Leben entscheiden."
Die KVPM sieht darin eine der zentralen Kontroversen der Gegenwart: Auf der einen Seite stehen Institutionen, Gutachter, psychiatrische Diagnosen und wirtschaftliche Interessen. Auf der anderen Seite stehen Kinder, Eltern, Betroffene und Menschenrechtsgruppen, die Transparenz, persönliche Prüfung, Aufklärung und echte Hilfe fordern.
"Kindheit ist keine Krankheit"
Die KVPM Deutschland e.V. wollte mit der Protestwoche auf gravierende Missstände in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aufmerksam machen. Im Mittelpunkt standen nach Angaben des Vereins die Inflation psychiatrischer Diagnosen, der zunehmende Einsatz von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen, Zwangsmaßnahmen, Elektroschocks sowie wirtschaftliche Interessenkonflikte mit der Pharmaindustrie. Problematisch ist auch die Intransparenz der Kinderpsychiatrie, der Jugendämter und der freien Träger, bei denen ihren Familien weggenommene Kinder oft landen, sowie die finanziellen Flüsse.
"Kinder brauchen Verständnis, Schutz und echte Hilfe – keine vorschnellen Psycho-Diagnosen, keine Medikalisierung normalen Verhaltens und keine Maßnahmen, die ihre Kreativität, Lebendigkeit und Würde brechen", erklärte der Veranstalter.
Internationale Dimension erhielt die Veranstaltung durch Redebeiträge von KVPM-Repräsentanten aus Spanien, Ungarn, Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, England, Tschechien, Israel, den Niederlanden und Kasachstan bei einer Zwischenkundgebung vor dem Psychiatriekongress. Dabei kamen Fehlentwicklungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie in ihren Ländern zur Sprache – darunter Zwang in der Kinderpsychiatrie, fehlende Transparenz, Psychopharmaka bei Kindern und die zerstörerischen Auswirkungen psychiatrischer Etiketten auf Kinder und Familien.
Die KVPM fordert:
eine öffentliche Prüfung von Pharma-Sponsoring und Interessenkonflikten bei Kongressen zur Kinder- und Jugendpsychiatrie,
die Überprüfung und Aberkennung der CME-Fortbildungspunkte des IACAPAP-Kongresses durch die Ärztekammer Hamburg bei Interessenskonflikten,
ein gesetzliches Verbot von Elektroschocks in der Psychiatrie, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen,
Ein einheitliches Dokumentationssystem und Transparenz über Zwangsmaßnahmen, Fixierungen und Zwangsmedikation,
eine kritische öffentliche Debatte über die Medikalisierung normalen kindlichen Verhaltens,
sowie menschenrechtsbasierte, gewaltfreie und ursachenorientierte Hilfen für Kinder und Familien.
"Die Protestwoche in Hamburg hat gezeigt, dass viele Menschen nicht wissen, was Kindern und Familien unter psychiatrischen Etiketten und Behandlungspraktiken widerfahren kann", erklärte die KVPM Deutschland e.V. "Wir sehen uns durch den Besucheransturm in unserer Ausstellung und durch die Reaktionen der Betroffenen und Fachpersonen darin bestätigt, diese Themen weiter öffentlich zu machen."
Pressekontakt: KVPM Deutschland e.V., Beichstraße 12, Nebeneingang, 80802 München
Bernd Trepping, Tel.: 0178-613 74 67, www.kvpm.de
| Aussender: | KVPM Deutschland e.V. |
| Ansprechpartner: | kvpm |
| Tel.: | +49 89 2730354 |
| E-Mail: | info@kvpm-deutschland.de |
| Website: | www.kvpm.de |





