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pte19980221006 in Business

"Jud Süß" Oppenheimer vor 300 Jahren geboren

Finanz- und Wirtschaftsberater als Sündenbock hingerichtet


Augsburg (pte) (pte006/21.02.1998/16:00)

Buchstäblich über Nacht wurde aus dem fürstlichen Finanzberater ein rechtloser Verbrecher gemacht: Aus Joseph Süß Oppenheimer, vormals Geheimer Finanzrat des Herzogs Carl Alexander in Württemberg, wurde "Jud Süß". Es war kein Verbrechen geschehen in jener Nacht des 12. März 1737. Zum Verhängnis wurde Süß Oppenheimer nur die schlichte Tatsache, daß sein Gönner, Herzog Carl Alexander, in dieser Nacht verschied.

Zu Lebzeiten des Herzogs hatte der 1698 geborene Süß Oppenheimer sich dem Herzog als geschickter Wirtschafts- und Finanzfachmann unentbehrlich gemacht. Die Finanz- und Wirtschaftspolitik des katholischen Herzogs galt als fortschrittlich, doch die evangelisch-pietistisch geprägten Landstände pochten auf alte Rechte. Dabei war ihnen der schon früher als Finanzmakler zu Reichtum gekommene Süß Oppenheimer ein besonderer Dorn im Auge. Hinzu kam, daß er Jude war und daß sein katholischer Herzog nicht gerade bescheiden lebte, was wiederum von Süß Oppenheimer mitfinanziert wurde.

Als also der Herzog am 12. März 1737 starb, wurde Süß Oppenheimer noch in derselben Nacht festgenommen und nach Stuttgart gebracht. Süß Oppenheimer bekam, wie sein Biograph Hellmut Haasis schreibt, nur einen "knechtseligen Anwalt", der nicht einmal die Möglichkeit der Appellation an den Kaiser in Wien wahrgenommen habe. Alles war auf eine möglichst schnelle Exekution ausgerichtet. Süß Oppenheimer hatte bis zuletzt einen landesfremden Rechtsanwalt und ein öffentliches Verfahren gefordert. Vergeblich. Am 9. Januar 1738 wurde das Todesurteil bestätigt.

"Das Urteil nennt keine Straftaten und verweigert eine Begründung", schreibt Biograph Haasis. Am Dienstag, den 4. Februar 1738 wurde es vollstreckt. Etwa 12.000 Menschen beobachteten die Hinrichtung. Ein Rabbiner wird dem Todeskandidaten bis zum Schluß verweigert. Ein pietistischer Vikar ruft Süß Oppenheimer noch zu: "Du wirst in wenigen Augenblicken sehen ... Jesus lebt!"

Bis heute zählt Joseph Süß Oppenheimer zu den bekanntesten Gestalten in der Geschichte der deutschen Juden. 1827 schrieb Wilhelm Hauff eine Novelle über Süß Oppenheimer, 1925 erschien ein Roman von Lion Feuchtwanger. Die Schmähungen über ihn reichen bis ins 20. Jahrhundert. Vor allem im Dritten Reich wurde er als lüsterner und habgieriger Jude dargestellt. Dafür sorgte vor allem Veit Harlans Hetz-Film "Jud Süß" von 1940 (mit Ferdinand Marian, Kristina Söderbaum und Heinrich George in den Hauptrollen). [Quelle: Doris Marszk, Germany Live, J. Courtade /P. Cadars, Histoire du cine´ma nazi, Paris 1972.] (Ende)
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