Stellenanzeigen können abschreckend wirken
Unbewusste Diskriminierung in den Texten der Unternehmen senkt die Zahl der Bewerber erheblich
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Frustriert: Manche Stellenanzeigen überzeugen Bewerber nicht (Foto: Magnet.de, pixabay.com) |
Guelph (pte002/03.03.2026/06:05)
Stellenanzeigen, in denen aggressiv Mitarbeiter mit überragenden Fähigkeiten gesucht werden, schrecken Bewerber ab. Zu dem Ergebnis kommt Melissa Walker von der University of Guelph. Demnach spreche eine neutralere Sprache in Stellenausschreibungen deutlich mehr Bewerber aller Qualifikationsstufen an.
Ausgrenzung von Menschen
Um mehr als 1.800 Stellenanzeigen in den USA und Kanada zu analysieren, haben die Forscher ein Wörterbuch mit Ausdrücken wie "eine Starthilfe geben" oder "mit beiden Beinen einsteigen" entwickelt, die Fitness- und Fähigkeitsniveaus implizieren können und für viele Menschen abschreckend wirken - vor allem für Behinderte. Ableismus ist der Fachausdruck für diese Wortwahl, die zu Diskriminierung, Abwertung und Ausgrenzung von Menschen führt.
"Ableismus ist in vielen Wörtern, die wir verwenden, tief verwurzelt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wörter wie 'Sehvermögen' und 'Blindheit' werden in der Regel so verwendet, dass sie für das Sehvermögen positiv und für die Blindheit negativ sind. Unsere Studie zeigt, dass Menschen in Stellenanzeigen eine einfachere Formulierung bevorzugen, im Gegensatz zu dieser Unternehmenssprache, die auf einen Mangel an Inklusivität hindeuten kann", so Walker.
Der im "Journal of Applied Psychology" veröffentlichten Studie nach kommt in 84 Prozent der untersuchten Online-Stellenanzeigen auf Plattformen wie Indeed und LinkedIn diskriminierende Sprache vor. Nur 19 Prozent haben Aussagen zur Chancengleichheit am Arbeitsplatz, und weniger als zehn Prozent Aussagen zu behindertengerechten Arbeitsbedingungen enthalten.
Tests mit fiktiven Anzeigen
Walker hat auch fiktive Stellenanzeigen getestet, in denen sie bestimmte Formulierungen einfügte oder löschte. Ein "schnelllebiges" Umfeld wurde beispielsweise in "ein sich wandelndes" Umfeld geändert. Die über eine Umfrage rekrutierten Teilnehmer lasen dann verschiedene Anzeigen und bewerteten, wie wahrscheinlich es wäre, dass sie sich darauf bewerben würden.
Wie erwartet bewarben sich Menschen mit Behinderungen deutlich seltener auf Stellenanzeigen, die diskriminierende Formulierungen enthielten. Doch auch Menschen ohne Behinderung bevorzugten neutralere Anzeigen und solche mit Aussagen zur Chancengleichheit und zu behindertengerechten Arbeitsbedingungen. Daran änderte auch das Angebot höherer Gehälter nichts.
"Zwar bewarben sich die Menschen eher auf Stellen mit höherer Bezahlung, doch dies hob die Auswirkungen der Diskriminierung aufgrund einer Behinderung nicht auf. Man kann nicht einfach mehr Gehalt hinzufügen und davon ausgehen, dass dies die Sprache in den Stellenanzeigen ausgleicht", unterstreicht Walker. Und Kollegin Deborah Powell ergänzt: "Je klarer und genauer die Signale sind, die Unternehmen aussenden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie die richtigen Bewerber finden."
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