pte20260225004 in Business

Europäisches Vorbild machte die Staaten groß

Complexity Science Hub und Harvard University: Industrielle Forschung begann erst mit Verspätung


Thomas Edison: mit Tüftelei statt Wissenschaft zum Erfolg (Bild: Gordon Johnson, pixabay.com)
Thomas Edison: mit Tüftelei statt Wissenschaft zum Erfolg (Bild: Gordon Johnson, pixabay.com)

Wien/Cambridge (pte004/25.02.2026/06:15)

Industrielle Forschung hat ihren Ursprung in Europa, aber die USA machte sie zur Technologie-Supermacht. Dass spektakuläre Überholmanöver gelang binnen weniger Jahrzehnte. Laut Frank Neffke vom Complexity Science Hub und seinen Kollegen vom Growth Lab der Harvard University liegt die Antwort nicht in erster Linie in technologischen Durchbrüchen, sondern in einer grundlegenden neuen der Art und Weise, wie der Weg zu Innovationen in den USA organisiert ist.

Massive Datenaufbereitung

"Wir analysieren systemische Veränderungen in der Art und Weise, wie Erfindungen in den USA organisiert wurden, unterstützt durch eine massive Datenaufbereitung - die Digitalisierung von Hunderttausenden Seiten historischer Dokumente, die 1,6 Mio. Patente von Millionen von Erfindern zwischen 1856 und 2000 umfassen", sagt Neffke.

Demnach haben sich Innovationen in den USA nicht schrittweise entwickelt. Stattdessen kam es Anfang der 1920er-Jahre zu einer Reihe abrupter Veränderungen. Im Zentrum dieser Transformation stand eine organisatorische Innovation - der Import des industriellen Forschungslabors, einer strategischen Entwicklung aus dem deutschsprachigen Raum. Erfindungen wurden zunehmend wissenschaftlich untermauert, Team-Arbeit wurde zur Norm und Ingenieure lösten Handwerker als treibende Kraft des technologischen Fortschritts ab.

Versuch und Irrtum als Basis

Im 19. Jahrhundert und darüber hinaus waren amerikanische Innovationen Handwerkskunst. Einzelnen Erfindern und Unternehmern wie Edison oder Tesla gelangen spektakuläre Durchbrüche durch Tüfteln, nicht durch systematische Forschung. Oft wurden Teams durch familiäre Netzwerke oder einige wenige vertrauenswürdige Mitarbeiter zusammengehalten. Es war ein System, das funktionierte und wichtige Fortschritte hervorbrachte, sich jedoch weitgehend auf Versuch und Irrtum stützte.

"In den frühen 1920ern begannen Unternehmen, Teams aus spezialisierten Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammenzustellen. Dieser Wandel ermöglichte eine Explosion dessen, was Ökonomen als 'Neue Kombinationen' bezeichnen - die Kombinationen bestehender Technologien, was zu bahnbrechenden Innovationen führte", erklärt Neffke.

Dieser Wandel habe zum Aufstieg einer kleinen Anzahl großer Städte in einer Region beigetragen, die heute als "American Rust Belt" bekannt ist, in dem sich die Schwerindustrie konzentriert. "In ihrer Blütezeit war das das Silicon Valley des frühen 20. Jahrhunderts", unterstreicht der Wissenschaftler.

Tech entdeckt Forschung neu

Allerdings dominierten industrielle Forschungslabore nicht kontinuierlich. Ihre Bedeutung nahm in den 1970er-Jahren ab, als firmeneigene Teams bei der Schaffung von Neuheiten schlechter abschnitten als unabhängige Teams, wie die Forscher feststellten. Doch erst kürzlich "haben wir eine Wiederbelebung der F&E-Labore erlebt, die von Technologieriesen wie Google, Meta und Amazon vorangetrieben wurde", bestätigt Neffke.

Diese haben groß angelegte Forschungsaktivitäten wieder aufgenommen, und das Muster kommt bekannt vor: Wie in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts - als Giganten wie Bell Labs nicht nur Patente anmeldeten, sondern auch die Grenzen der Wissenschaft erweiterten und mehrere Nobelpreisträger und ganze akademische Fachbereiche hervorbrachten - stammen viele der heute bedeutendsten Durchbrüche in der KI aus Industrielaboren.

"Wir beschreiben die Geschichte der Technologie oft als eine Abfolge von technologischen Durchbrüchen, von Dampfmaschinen über das Bessemer-Verfahren in der Stahlproduktion bis hin zu Elektrizität, Transistoren und so weiter, die Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Unsere Studie legt jedoch nahe, dass soziale Innovationen ebenso wichtig sein können."

Industrielle Forschungslabore beschleunigten nicht nur Erfindungen, sondern gestalteten auch die Struktur des Innovationssystems und die Zusammensetzung der Belegschaft neu. Heute kommt eine weitere organisatorische Innovation hinzu - Online-Kollaborationsplattformen - die Organisation von Arbeit und Innovation verändern.

(Ende)
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