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Di, 05.06.2012 13:31
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pte20120605020 Medien/Kommunikation, Computer/Telekommunikation

Mobiler Internetzugang ebnet Weg für Zensur

User geben Kontrolle an Netzbetreiber und Software-Lieferanten ab
Smartphone: bedroht Freiheit (Foto: pixelio.de, Joachim Kirchner)
Smartphone: bedroht Freiheit (Foto: pixelio.de, Joachim Kirchner)

London (pte020/05.06.2012/13:31) - Die ständig wachsende Zahl der Menschen, die das Internet von mobilen Endgeräten aus nutzen, stellt laut einigen Experten eine Gefahr für den technologischen Fortschritt und die Kreativität dar, wie der Observer berichtet. Smartphone und Co werden immer mehr zu Blackboxes. Die Kontrolle über die Inhalte liegt nicht mehr beim Menschen, sondern bei Netzbetreibern und Herstellern von mobilen Betriebssystemen. Was im Hintergrund alles passiert, erfahren die User nicht.

"Der Trend geht in diese Richtung. Bei stationären Internetverbindungen kann ich aus mehreren Providern wählen und das System selbst konfigurieren. Bei einem Smartphone von Apple und Co ist das nicht möglich. Da gibt es durchaus auch Zensurmaßnahmen. Technologien wie Flash oder Inhalte, die nicht bestimmten Moralvorstellungen entsprechen, sind nicht erlaubt", sagt Gerhard Kongehl von der Ulmer Akademie für Datenschutz http://www.udis.de gegenüber pressetext.

Netzbetreiber haben Macht

Auch die wenigen großen Netzbetreiber können Einfluss auf die Inhalte nehmen, die mobil erreicht werden. Der starke Wettbewerb unter den großen Telkos beschränkt die Anzahl der Alternativen. "Technologischer Fortschritt ist immer geprägt von finanziellen Interessen oder Verteidigungs-Überlegungen. Viele Internetfirmen sind im studentischen Milieu entstanden, mittlerweile sind die Investitionen schon so hoch, dass kommerzielle Interessen in den Vordergrund treten", so Konhgehl. Auch bei Systemen wie Spielekonsolen geben die Nutzer die Kontrolle über die verfügbaren Inhalte aus der Hand.

"Durch die Abgabe der Kontrolle an Firmen mit kommerziellen Interessen, werden die Kreativität und der damit einhergehende technologische Fortschritt im Netz eingeschränkt", erklärt Kongehl. Die Innovationskraft des Internets wird so gemindert. Aber auch die Kreativität einzelner leidet unter der begrenzten Information, die über geschlossene Systeme erhältlich ist. "Durch Algorithmen, die Bücher zum Lesen empfehlen und ähnliche Systeme entsteht eine Art geistige Inzucht. Menschen finden nur noch Bestätigung und verknüpfen sich mit Personen, die gleich ticken wie sie. Geistige Inspiration entsteht aber außerhalb solcher Systeme", sagt der Fachmann.

Gegenbewegung möglich

Der Observer schreibt sogar, dass jedes angemeldete Smartphone uns einen Schritt näher an eine vernetzte Welt bringt, in der Konzerne nicht nur das System nach ihrem Geschmack regulieren, sondern auch die Geschwindigkeit der Innovation an ihre Bedürfnisse anpassen können.

"Momentan geht der Trend in Richtung stärkerer Vernetzung. Technik ist heute emotional positiv besetzt, die Faszination ist stärker als das Wissen um die Gefahren. Es kann sein, dass es eine große Gegenbewegung zurück zur Mensch-zu-Mensch-Kommunikation gibt, wenn der Druck weiter steigt. In der Kulturgeschichte gab es ja immer wieder Paradigmenwechsel. Mit Sicherheit sagen lässt sich das aber nicht. Niemand weiß schließlich, was uns die Informationstechnologie in Zukunft noch bringt", so Kongehl.

(Ende)

Aussender: pressetext.redaktion
Ansprechpartner: Markus Keßler
Tel.: +43-1-81140-305
E-Mail:
Website: www.pressetext.com
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